Die Börsenkolumne aus New York
Die zwei Gesichter des Krieges: Lächeln und Verkaufen

Mimik und Gestik von George W. Bush haben schon viele Beobachter vor unlösbare Rätsel gestellt. Einige haben es sich einfach gemacht und reagieren auf den schwer lesbaren Präsidenten mit Satire: Im Internet wimmelt es von Bildern, die Grimassen von Bush und Schimpansen vergleichen - mit verblüffender Ähnlichkeit. Andere ärgern sich schlicht, wenn sich Bushs Mundwinkel zu einem Lächeln formen, während er dem Irak mit Krieg droht.

wsc NEW YORK. Diese Unfähigkeit Ernst auszudrücken, wo dies geboten wäre, stellt Bush für viele Gegner in die politisch unseriöse Ecke. Am Freitag konnte sich der mächtigste Mann der Welt ein Grinsen wieder nicht verkneifen, als er Saddam Hussein "schwerste Konsequenzen" androhte, wenn dieser nicht sofort alle Massenvernichtungswaffen erklären und stilllegen würde. "Schwerste Konsequenzen" - das heißt Krieg. Und das ist nicht zum Lachen. Dabei ist völlig egal, ob es sich um ein siegessicheres Lächeln handelt oder um das sadistische Grinsen eines Selbstgerechten.

Abgesehen davon, dass es manchmal unangebracht ist, hat George W. Bush in dieser Woche aber wirklich Grund zu einem entspannten Lächeln. Er hat einen Sieg an den anderen gereiht. Am Dienstag gewannen seine Republikaner mit einem überdeutlichen Sieg die Wahlen für Senat und Repräsentantenhaus, am Mittwoch trat sein SEC-Chef Harvey Pitt zurück, ohne dass dessen Skandale den Präsidenten und sein Amt je beschädigt hätten, und am Freitag schlugen die Vereinten Nationen voll auf Bush-Kurs ein.

Einstimmig stimmten die Länder im Sicherheitsrat für die neue Irak-Resolution, nach der sich Saddam Hussein endgültig der UNO beugen muss um nicht einen Krieg zu riskieren. Nachdem man tagelang über der Resolution gebrütet und zum Schluss noch zwei Wörter auf Wunsch der Franzosen abgeändert hatte, zeigten die Staaten der Weltorganisation den Schulterschluss. Dass selbst Frankreich und Russland mit einem klaren "Ja" stimmten, und dass auch der anfangs wacklige Irak-Anrainer Syrien auf Kurs ist, dürfte Bush besonders freuen.

Anlegern unterdessen ist die Sache nicht ganz geheuer. Zwar hatten die Kurse an den US-Börsen am Morgen zugelegt und sich auch durch die UN-Entscheidung zunächst nicht aus der Ruhe bringen lassen, doch reagierten die Aktien mit kurzer Verspätung doch noch. Steil fielen Dow und Nasdaq ab, den Nachmittag wird man wohl im roten Terrain verbringen. Nach den Gewinnmitnahmen im Sog der Zinssenkung und nach einigen dramatischen Meldungen aus der High-Tech-Branche spricht nicht viel dafür, dass die Märkte zum Wochenschluss noch einmal eine Rallye wagen würde.

Dass der Krieg den Markt belastet, sah man bereits am Montag. Die US-Börsen beendeten eine beachtliche Rallye zum Wochenauftakt mit einem Einbruch in den letzten Handelsminuten, der nach einer Rede von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kam. Der hatte noch einmal einen Krieg "in sehr kurzer Zeit" in den Raum gestellt und sogar schob über Personal- und Einheitsplanung gesprochen. Dass ein Krieg gut für die Wirtschaft sei, will man an der Wall Street längst nicht mehr hören. Dass einige Branchen, wie zum Beispiel die Rüstungsindustrie, von einem Angriff profitierten, liegt ebenso auf der Hand wie die Auswirkungen, die ein Krieg auf den Ölpreis hat, doch ist andererseits auch klar, dass keiner dieser Aspekte echtes Wachstum in die US-Konjunktur bringt.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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