Die Börsenkolumne aus New York
Ein interessanter Neujahrsvorsatz: Hightechs kaufen!

Die Micron-Schlappe vom Mittwoch reißt die Hightech-Werte in die Tiefe. Anleger distanzieren sich von Chip- und Computerwerten, und was an der Wall Street steigt sind allein ein paar Konsumaktien sowie die Preise für Öl, Benzin und Gold. Rohstoffe sind in, die Hightechs sind tot - doch das muss im nächsten Jahr nicht so bleiben.

wsc NEW YORK. Schon seit Tagen machen sich die Experten an der Wall Street auf die Suche nach den starken Sektoren für das neue Jahr. Nach dem Platzen der Hightech-Blase und nach leeren Versprechungen zuhauf, nach Millionenverlusten und Konkursen sind die einstigen Wachstumswerte nicht unbedingt erste Wahl. Doch ganz wollen Fond-Manager die Hightechs nicht aus den Augen lassen.

Fünf Sektoren haben kurz vor Jahreswechsel die Aufmerksamkeit einiger Beobachter auf sich gezogen, fünf Sektoren hält man in Expertenkreisen auch nach den Schlappen der Vergangenheit für sichere Anlagen.

Beispiel 1: Mainframes oder Großrechner. Gerade angesichts der anhaltenden konjunkturellen Flaute dürften zahlreiche Unternehmen an den schweren Maschinen festhalten und eher diese ausbauen als auf die leichteren Server auf Unix- oder Intel-Basis umzustellen. Dafür spricht auch, dass eine neue Generation von Mainframes mehr Leistung und niedrigere Preise bringt. Marktforscher sehen bis 2007 ein jährliches Nachfrage-Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Der New Yorker Tech-Analyst Sameer Bhasin von Okumus Capital prophezeit den Unternehmen, die Hard- und Software für Großrechner liefern, bis zu 15 % Wachstum in 2003. Den Kuchen teilen dürften sich der ewige Hardware-Riese IBM und die Programmierer CompuWare, BMC Software und Computer Associates.

Beispiel 2: Softwaresysteme. Kundenspezifisch zugeschnittene Anwendungen arbeiten mittlerweile auf einem Niveau, dass manchen Technikchef ins Grübeln bringen dürfte. Ein Sammelsurium verschiedener Programme und eine Armee von Technikern und Beratern, die Software erst aufeinander abstimmen und später in Stand halten müssen, lohnt sich nicht mehr unbedingt. Die Komplettlösungen von PeopleSoft, SAP und Oracle laufen den bisherigen Konkurrenten, darunter Siebel Software, den Rang ab. Siebel ist Marktführer auf dem Gebiet Kundenmanagement, doch liefert die Konkurrenz zu ähnlichen Anwendungen Buchhaltung, Personalverwaltung und andere Funktionen dazu.

Beispiel 3: Foto und Druck. Die steigende Beliebtheit von digitalen Kameras und die sinkenden Preise machen aus dem einst ruhigen Druckergeschäft einen interessanten Wachstumsmarkt. Vor allem Hewlett-Packard dürfte davon profitieren, der Konzern macht auch nach dem Merger mit dem Computerbauer Compaq 90 % seines Gewinns mit Druckern und peilt Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich an. Was dem Unternehmen helfen könnte, ist ein gemeinsamer Standard, den HP zur Zeit mit den Kameraproduzenten Canon, Sony, Olympus, Seiko und Fuji entwickelt, und der auch den technisch unbegabten Konsumenten zum Digi-Freund machen könnte. Künftig soll ein Stecker aus der Kamera direkt in den Printer gehen, der Computer und komplizierte Software werden überflüssig.

Beispiel 4: Netzwerk-Sicherheit. Auch wenn die Hightech-Budgets der Unternehmen klein bleiben, in die Sicherheit der eigenen Netze wird Corporate America weiter investieren, denn von Hackern geht eine immer größere Gefahr aus. Die Marktforschungsgruppe International Data Corp. warnt vor einer Cyber-Attacke, die noch im kommenden Jahr das Internet für mindestens einen Tag lahm legen und der US-Volkswirtschaft einen Milliardenschaden bescheren könnte. Große Wachstumschancen auf dem Markt für Internet Security habe Symantec, meint Bill de Rosa, Manager des 20 Mio. $ schweren Badgley Large Cap Growth Funds, der die Aktie selbst ins Portfolio nehmen will.

Beispiel 5: Hightech für die Regierung. Der US-Rüstungshaushalt notiert bereits auf dem höchsten Stand aller Zeiten, und auch die Ausgaben der Regierung für die innere Sicherheit sind dramatisch gestiegen. Doch will das Weiße Haus nicht nur Panzer und Raketen anschaffen, sondern auch Software, mit der sich Schutzmaßnahmen koordinieren oder ausführen lassen. Noch gibt es aus Washington keine klaren Aussagen zum Hightech-Budget für 2003, doch deutet für Experten einiges darauf hin, dass die Investitionen steigen werden, und zwar mindestens bis ins Jahr 2004 hinein. Einen großen Bereich werden IT-Serviceleistungen ausmachen, und Analysten nennen drei Geheimtips: Anteon International, Veridian und CACI International - alle drei sitzen in direkter Nachbarschaft von Weißem haus, Capitol und Pentagon und dürften bei der Vergabe von Großaufträgen im Rennen sein.

Hightechs sind out? - Nun, zur Zeit sind sie sicher nicht der letzte Schrei. Doch es gibt Bereiche, in denen auch in einem schwachen konjunkturellen Umfeld - oder gerade aufgrund eines schwachen konjunkturellen Umfelds - Wachstum möglich ist. Chip- und Computerwerte ins strategische Nirvana zu schieben dürfte genau so naiv sein, wie ein Überengagement aufgrund rosiger Aussichten manches CEO.

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