Die Börsenkolumne aus New York: Explosion vor New York: Panik und fundamentale Fragen

Die Börsenkolumne aus New York
Explosion vor New York: Panik und fundamentale Fragen

Um 10.10 Uhr am Freitagvormittag registrierte die New Yorker Feuerwehr einen Alarm aus einer Öl-Raffinerie auf Staten Island vor New York. Drei Minuten später kletterte der Ölpreis um 3 %, er fiel kurz darauf wieder ab und notiert am Mittag aber mit einem satten Plus. Doch es war nicht nackte Terrorangst, die den Markt bewegte, es waren ernsthafte Sorgen über einen zur Zeit knappen Ölmarkt, den ein Feuer erneut belastet.

Sicher waren es zunächst Sorgen um einen Terroranschlag, die rapide Kurssprünge auslösten. Angst ist nun mal seit den Attacken auf World Trade Center und Pentagon ein nicht zu vernachlässigender Faktor im Aktienmarkt, und in einer Zeit, in der Regierung und FBI täglich warnen und die Bevölkerung Klebeband und Folie kauft, um sich zuhause vor Angriffen mir chemischen und biologischen Waffen zu schützen, ist die Nervosität auch auf dem Parkett und in den Handelsräumen groß.

Doch wenngleich es diese Nervosität war, die den Ölpreis ein paar Minuten lang rapide klettern ließ, es waren fundamentale Überlegungen, die den Preis für das Barrel nachher oben hielten. Experten warfen vor dem Hintergrund des Feuers einen Blick auf die nationalen Öl-Vorräte in den USA und auf die Liefersituation, und da gibt manches Grund zur Sorge.

Zwar hält das Land zur Zeit einen Lagerbestand von 270 Mio. Barrel Rohöl, was der üblichen Menge entspricht. Doch liegt man damit nach Berechnungen des Energieministeriums rund 15 % oder 50 Mio. Barrel unter der Menge, die man noch vor 12 Monaten in den Lagern hatte. Das ist umso schwerwiegender als die Ölimporte durch die Krisen im Nahen Osten und in Venezuela alles andere als langfristig gesichert und unbedenklich sind.

Gesichert ist hingegen, dass der Ölverbrauch seit einigen Wochen über den sonst üblichen Werten liegt. Schuld daran sind nicht nur die zunehmenden militärischen Aktivitäten, sondern vor allem das Wetter. Amerika kämpft sich durch einen der kältesten Winter überhaupt, der bislang Temperaturen um 20 Grad unter Null und Schneestürme mit sich gebracht hat. Amerika heizt wie selten zuvor.

Was hat das mit dem Feuer auf Staten Island zu tun? Nun, dort brennt nicht irgendein Öl-Lager. Die Anlage, die zum Dow-notierten Ölkonzern Exxon Mobil gehört, hat ein Lagervolumen von 2 Mio. Barrel in 39 Tanks, von denen nach ersten Angaben der Feuerwehr 30 direkt vom Feuer bedroht waren.

Wasserweg musste gesperrt werden

Außerdem brannte Öl auf dem Wasser, so dass der Arthur Kill Waterway gesperrt werden musste. Über diese Wasserstraße, die Staten Island vom Nachbarstaat New Jersey trennt, werden 50 % der Heizöl-Importe ins Land gebracht. Außerdem ist sie eine der Hauptwasseradern für Öltransporte entlang der Ostküste.

So waren abseits der nur kurzzeitigen Terrorpanik triftige Gründe im Markt, die den Ölpreis nach oben trieben. Sie werden am Freitag weiter aktuell sein und so lange den Ölpreis beeinflussen, bis zumindest die Menge des verbrannten Öls und das Ausmaß des Unglücks im Mobil-Lager bekannt sind.

Die Panik ist indes verflogen. Sensationsheischende Berichte, nach denen im immerhin 40 Kilometer von der Unglücksstelle entfernten Financial District die Fenster gewackelt hätten, werden auf dem Parkett nicht ernst genommen, und die schwer bewaffneten Polizei-Patrouillen wird man auf dem Heimweg am Abend nicht anders mustern als an jedem anderen Tag. Sie sind ein Stück New Yorker Alltags geworden, genau wie die Panik - die man genau deshalb auch besser im Griff hat.

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