Die Börsenkolumne aus New York
Goldfieber an den US-Börsen

Mancher macht es sich leicht: Sobald die Wall Street ein bisschen verliert, sprechen Kommentatoren hüben und drüben von Sorgen um einen Krieg mit dem Irak, von neuer Terrorangst - doch das ist Quatsch! Meistens, jedenfalls, denn auf dem Parkett wird über geopolitische Probleme nur selten gesprochen. Am Dienstag ist das anders, da stehen sie im Mittelpunkt.

wsc NEW YORK. Ein Kommentar von Außenminister Colin Powell, man glaube dem Irak ohnehin nichts und behalte sich auch nach Auswertung des Berichts der Waffeninspekteure militärische Schritte vor, beunruhigt einige Analysten - politische und wirtschaftliche. Sicher, ganz überraschend kommt die Drohung nicht, sie gehört zur amerikanischen Strategie und Polemik, aber es ist doch nicht alltäglich, dass sich der vergleichsweise sachliche Colin Powell so deutlich äußert.

Die Irak-Krise wirkt sich indes nicht direkt auf die Märkte aus, sondern über ein paar Ecken. Der Konflikt belastet nämlich den Dollar. Der steht ohnehin unter Druck, zumal Analysten auch dem neuen Finanzminister John Snow bescheinigen, er stehe eher für einen schwachen Dollar, wolle den Export für amerikanische Unternehmen vereinfachen und US-Güter im Ausland an den Mann bringen, als dass er sich um eine harte Währung im internationalen Vergleich bemühe. Dem Weißen Haus ist diese Einschätzung offensichtlich bekannt und ein Dorn im Auge: Am Vormittag ließ Präsident George W. Bush durch seinen Sprecher Ari Fleischer ausdrücklich versichern, die Administration stehe "für einen starken Dollar".

Wie auch immer, der Dollar ist schwach, und dafür gewinnt Gold an Wert. Das Edelmetall notierte am frühen Dienstagmorgen auf einem Fünf-Jahres-Hoch, und einige Branchen-Analysten geben sich nach Jahren der Schwäche wieder bullish. "Wir haben den Durchbruch geschafft", sagt der Markt-Stratege Ian McAvity. "Wichtig ist nun, dass noch etwas nachkommt und die Rallye nicht auf dem Gipfel verhungert." Den Durchbruch macht McAvity an Vergleichzahlen aus den Jahren 1985/86 und 1991/93 fest, in denen er ähnliche Trading-Muster im Markt erkannte.

Optimistisch für das Edelmetall gibt sich auch Stephen Roach, Chef-Volkswirt von Morgan Stanley, der eine direkte Verbindung von schwachem Dollar und starkem Gold ebenfalls sieht. Er rechnet mit einem "Dollar meltdown" in den nächsten Wochen, und das ist genau worauf die Branche wartet. Ein drastischer Wertverlust der US-Währung, der Anleger - darunter die Banken und Zentralbanken - in die sichere Anlage treibt.

"Gold ist Geld", sagt auch Caesar Bryan, dessen 85 Millionen Dollar schwerer Gabelli Gold Fund in diesem Jahr um 80 Prozent zugelegt hat. "Geld verliert zunehmend an Wert, und auch Aktien sind keine gute Anlage, wenn man sich nur einmal den S&P 500 anschaut."

Genau das scheinen viele Anleger am Dienstag zu tun. Die US-Indizes sind erneut im Minus.

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