Die Börsenkolumne aus New York - Inside Wall Street
Countdown bis Neujahr

An der Wall Street heißt es dieser Tage: Egg nogg - den traditionellen Eierlikör für die Feiertage - trinken und abwarten. Am vorletzten Handelstag des Jahres zeigen sich die Investoren wenig inspiriert, richtungslos trudeln die wichtigsten Indizes so mal ins Plus, mal ins Minus.

Die Jahresendrally - die eigentlich fast schon so traditionell wie der Adventskranz ist- dieses Jahr hat sie nicht stattgefunden. Wie so oft in diesem Handelsjahr bestimmen politische Entwicklungen die Geschehnisse auf dem Parkett der Weltleitbörse auch in diesen letzten Handelstagen, bevor die Bücher für 2002 zugeklappt werden. Der drohende Konflikt im Nahen Osten und der gleichzeitig anhaltende Streik der Ölarbeiter in Venezuela treiben den Ölpreis auf den höchsten Stand seit Dezember 2000. Auch der Goldpreis ist beflügelt. Das Edelmetall erreichte mit fast 350 Dollar pro Unze den höchsten Stand seit April 1997. Etwa 25 Prozent konnte das glänzende Metall- vor nicht allzu langer Zeit als Anlage für Unbelehrbare abgeschrieben - in diesem Jahr zulegen. Die Flucht in sichere Häfen wirkt sich seit längerem auch auf die Währungen aus. Der Greenback rutschte gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren und gegenüber dem Yen auf den niedrigsten Stand seit sechs Wochen. Neben den politischen Spannungen wirkt sich auch die steigende Staatsverschuldung der USA belastend aus.

Der drohende Krieg mit Irak wirft auch Schatten auf die Medienbranche. Die Werbeausgaben für Fernsehen und Radio gingen 1991 im letzten Irakkrieg um 3 bis 4 % zurück. Ausserdem stehen im kommenden Jahr keine medialen Großereignisse an, wie etwa Olympische Spiele oder Wahlen. Auch das wird sich bei den Einnahmen der TV-Sender negativ bemerkbar machen. Besorgt stimmt die Investoren die zunehmend trübere Stimmung unter den Verbrauchern. Kein Wunder, dass die Einzelhandelszahlen auch am Montag scharf beobachtet wurden. Die Nummer eins, Wal-Mart, hatte wenig Tröstliches auf Lager: Im Dezember werden die Umsätze in den Läden, die mindestens ein Jahr geöffnet haben (die gängige Messgröße im Einzelhandel), gerade mal 2 bis 3 % zulegen. Die Aktie konnte indes zulegen - immerhin blieb Wal-Mart bei den geschrumpften Prognosen. Den Schock dieser höchst unweihnachtlichen Umsatzwarnung von vergangener Woch scheint gut verdaut.

Es sei das schlechteste Weihnachtsgeschäft in Jahrzehnten gewesen, klagen die Händler. Klagen gehört in der Branche zwar bekanntlich zum Handwerk, aber dieses Jahr gibt es Grund dazu. Auch die Nach-Feiertagsverkäufe blieben hinter den Erwartungen zurück und konnten die Bilanz des insgesamt schwachen Weihnachtsgeschäfts nicht aufbessern. Vor dieser düsteren Kulisse wollte Online-Krämer Amazon glänzen und mit seinen Weihnachtsverkaufzahlen renommieren. 56 Mio. Order im Zeitraum vom 1. November bis zum 23. Dezember habe man per Internet in den entscheidenden Wochen vor den Festtagen absetzen können, verkündete Amazon stolz vergangene Woche. Ein Rekordergebnis, das beste Weihnachtsgeschäft des Unternehmens. Doch Anleger strichen die Aktie konsequent von der Wunschliste und versilberten sie lieber. Vielleicht schwante ihnen auch etwas: Am Montag berichtete der Wirtschaftssender CNBC, Amazon habe den Vergleichszeitraum gegenüber dem Vorjahr verlängert. Den Wert, der dem diesjährigen Zeitraum mit dem Rekordumsatz entspricht, verschieg der Internethändler.

© Wall Street Correspondents

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