Die Börsenkolumne aus New York
Inside Wall Street: Das Gute an den schlechten Zahlen

Die Arbeitslosenquote in den USA notiert auf dem höchsten Stand seit acht Jahren, und das ist gut so. Diese gewagte These lässt sich formulieren, wenn man hinter das düstere Deckblatt blickt und Details aus dem mehrseitigen Bericht filtert.

NEW YORK. Denn die Quote ist nicht etwa gestiegen, weil erneut Tausende ihre Jobs verloren haben, sondern weil der Pool der Arbeitswilligen größer geworden ist. Amerikaner, die zum Teil schon seit Monaten arbeitslos waren, die sich aber mangels Zuversicht gar nicht erst arbeitslos gemeldet hatten und auf Jobsuche gegangen waren, stehen jetzt auf den Listen der Vermittler und pushen die Quote. Nachteil: Ein gutes Stück des neu gewonnenen Vertrauens dürfte dahin sein, wenn die US-Medien die böse Zahl 6 % am Wochenende in die Schlagzeilen und Abendnachrichten hieven. Doch noch mehr optimistische Schlüsse lassen sich aus dem Bericht aus Washington ziehen, wenn man die Sektoren analysiert. Zwar wurden im Baugewerbe Jobs gestrichen, womit man nach einem zinsbedingten Boom gerechnet hatte. Immerhin sprechen Händler auf dem Parkett schon seit Tagen vom Platzen der Bau-Blase. Doch hat der Servicebereich mehr Leute neu eingestellt als in jedem anderen Monat seit mehr als einem Jahr. Und Service und Dienstleistung machen 70 % der US-Konjunktur aus. Auch dass die Arbeitswoche für die Amerikaner ein paar Minuten länger geworden ist, ist nur für den schlecht, den es am Freitag Abend nach Haus zur Liebsten zieht. Für den Markt ist es ein gutes Zeichen. Denn was macht der Chef, bevor er neue Leute einstellt? Er lässt Überstunden machen. Damit ist die Konjunktur ganz eindeutig auf dem richtigen Weg. Andere Konjunkturdaten brachten in den letzten Tagen Zuversicht in den Markt - aber nur moderat. Und der Börse kann eigentlich zur Zeit nichts Besseres passieren. Die hoch geschraubten Erwartungen nach dem beispiellosen Aktien-Run nach den September-Attacken hatten den Markt überfordert, doch mittlerweile geht das Verbrauchervertrauen zurück auf moderat positive Level, und ein Blick in den Einkaufsmanagerindex zeigt schwächeres, dafür wahrscheinlich nachhaltiges Wachstum. Dem Markt hilft all dies zum Wochenschluss nicht. Das Volumen ist gering, die beiden großen Indizes hängen in Feierabend-Faulheit unter ihren magischen Marken: Der Dow ist erneut unter die 10 000 Punkte gefallen, die Nasdaq handelt aufgrund der zum Verzweifeln schwachen Chips seit Stunden unter 1640 Zählern und macht Charttechnikern Angst, die die Techs vor einem Sturz ins Bodenlose wähnen.

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