Die Börsenkolumne aus New York
Inside Wall Street: Die Software-Jäger kamen aus der Stille

Zwei Minuten lang war es still auf dem Parkett. In einem Moment des Schweigens gedachten die Trader den Opfern des 11. September, danach wurde auf dem nahen "Gound Zero" der letzte Stahlträger geräumt, bedeckt von der US-Flagge. Damit sind die Aufräumarbeiten um das frühere World Trade Center offiziell beendet.

NEW YORK. Während es still war in Downtown Manhattan, schlichen sich Schnäppchenjäger auf den Markt. Nach drei Tagen, die vor allem die High-Tech-Werte branchenübergreifend im Minus beendet hatten, kauften Investoren im großen Stil. Eineinhalb Stunden nach Handelsbeginn schnupperten Dow und Nasdaq Bergluft, dann ging?s wieder in den Keller.

Besonders stark präsentieren sich am Donnerstag die Software-Aktien, die im Branchenmittel um fast 1 % klettern, angeführt von Siebel Systems und Veritas, die beide mehr als 5 % gewinnen. Das überrascht umso mehr, als es nicht etwa Nachrichten aus den Unternehmen sind, die den Käufern Mut machen, sondern erneut und zum hunderttausendsten Male Analystenkommentare. Die Tech-Experten von SoundView sehen einen "deutlichen Ausschlag" für Unternehmenssoftware, allerdings sehen sie die best positionierten Unternehmen in PeopleSoft und Oracle.

Nach seltsamer als der analysten-basierte Software-Run mutet an, dass auch Branchenführer Microsoft mitklettern darf. Das Unternehmen aus Seattle sieht sich erneut Diskussionen mit der Börsenaufsicht SEC ausgesetzt. Es heißt, Microsoft habe Bilanzen falsch dargestellt, und wenngleich vieles darauf hindeutet, dass der Fall Microsoft weder juristisch noch finanziell belasten dürfte, ist es das erste Mal, dass die Anleger nicht in bloßer Panik abwenden, wo nur das Wort "Bilanz" fällt.

Genau das hatten sie nämlich zuletzt getan. Womit auch das Börsenthema der letzten Monate wieder angesprochen wäre: Unsicherheit. Skandale um Bilanzschmierereien hatten die Kriegsangst zuletzt in den Hintergrund gedrängt, seit einigen Tagen sind beide Themen wieder gleich gewichtet. Die Indien-Pakistan-Krise beunruhigt Anleger, Terrordrohungen sowieso. "Es gibt unheimlich viel, worüber wir uns im Moment Sorgen machen", sagt Bob Dickey, Analyst von RBC Dain Rauscher. "Jede kleine Nachricht verunsichert den Markt." Dickey sieht keine Trendwende. Noch den ganzen Sommer hindurch werde man schleppend handeln.

Viele Anleger machen da nicht mit, sie steigen aus. Von eventuellen Börsengewinnen früherer Jahre haben sie sich einen schweren weichen Sessel gekauft, der auf Knopfdruck die Beinstütze ausfährt und den Rücken massiert. Der Sessel ist von La-Z-Boy (etwa: Fauler Junge), und eben dieses Unternehmen hat am frühen Donnerstagmorgen die Erwartungen der Analysten deutlich geschlagen. Dank einem leichten Umsatzplus und Kostensenkungen hat La-Z-Boy den Gewinn verdoppelt, und so soll es auch weitergehen. Das Management hat die Prognosen für 2002 heraufgesetzt.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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