Die Börsenkolumne aus New York
Inside Wall Street: Nokia aus Dänemark

Die Börsen hatten optimistisch eröffnet, Dow und Nasdaq legten eifrig zu. Einige Marktteilnehmer freuten sich voreilig und verwiesen auf den immerhin dritten Tag in Folge, an dem beide großen US-Indizes grün trugen. Dass am Mittag die Gewinne dahin sein würden, hätte man sich dabei denken können.

Die Wall Street jubelt. Weniger über den Handel an NYSE und Nasdaq, und auch nicht über den Sieg der deutschen Elf über Kamerun. Man freut sich vielmehr herzlich über das Aus von Frankreich, und beim inoffiziellen Börsensender CNBC lässt man da gerne mal fünfe gerade sein und leitet vom starken dänischen Team direkt zu Nokia. Der Konzern sitzt zwar in Finnland, aber das ist "close enough", so die großzügigen Kommentatoren-nah genug.

Zumal man sich über Nokia eigentlich nur dann freuen kann, wenn man sehr grob hinschaut. Wenn man zum Beispiel weniger auf das Quartals-Update des Handyriesen selbst schaut, sondern auf die Bewegung der Aktie an der Börse. Denn die ist trotz einer Umsatz- und Gewinnwarnung erfreulich. Mit einem Plus von 10 % eröffnete das Papier an der Börse, am Mittag steht es immer noch dick im Plus - ganz im Gegensatz zur Konkurrenz: Motorola und Ericsson verlieren deutlich.

Das tun mittlerweile auch die übrigen Aktien in fast allen Sektoren. Dabei hatte es am Morgen noch so gut ausgesehen. Die Börsen hatten optimistisch eröffnet, Dow und Nasdaq eifrig zugelegt, doch wieder galt es genau hinzusehen. Wer schon Dänemark und Finnland in einen Topf wirft, bei Nokia Ursache und Wirkung vertauscht, der wird sich wohl auch im frühen Handel getäuscht haben: Einige Marktteilnehmer freuten sich nämlich wieder voreilig und verwiesen auf den immerhin dritten Tag in Folge, an dem beide großen US-Indizes grün trugen. Dass am Mittag die Gewinne dahin sein würden, hätte man sich dabei denken können - als Fundamental-Analyst ebenso wie als Charttechniker.

Ersteren sind die Umsatz- und Gewinnwarnungen der letzten Tage ebenso im Ohr wie einige Abstufungen im Softwaresektor vom frühen Morgen und zwei ziemlich deftige Kommentare von Credit Suisse First Boston und Goldman Sachs. Erstere sehen keine Erholung für den PC-Sektor und schrauben ihre Prognose für ein Umsatzwachstum von bis zu 5 % auf plus/minus Null zurück. Letztere warnen Anleger direkt, sich während der Flaute nicht von günstigen Einstiegspreisen und optimistischen Kommentaren blenden zu lassen, sondern auf "handfeste Beweise für eine Verbesserung der IT-Investitionen" zu warten. Wann es diese geben wird, dazu schweigen die Analysten konsequenterweise.

Geschwiegen wird auch bei einem Tech-Meeting von Bear Stearns, das im New Yorker Hyatt-Hotel stattfindet, und auf dem sich 240 Unternehmen präsentieren werden. Unter den wichtigsten Beiträgen erwartet man Branchen-Updates aus der Sicht der Chip-Zulieferer, aber auch von den Halbleiter-Riesen Intel und Texas Instruments. Vor allem letzteres dürfte interessant sein, nachdem Intels trübe Aussichten schon bekannt und verdaut sind. Verdaut übrigens so nachhaltig, dass sich seit dem Freitags-Sturz um 20 % keine Schnäppchenjäger auf die Aktie gestürzt und den Weg frei gemacht hätten für neue Gewinne ohne Fundament.

Chart-Techniker stürzen sich unterdessen auf die Graphen der letzten drei Handelstage, an denen es im Intraday so schön nach oben ging. Nach jeweils starken Anfängen brachen die Kurse am Freitag um 15 Uhr und am Montag um 14 Uhr ein - am Dienstag lässt sich ab 11 Uhr eine klare Linie nach unten ziehen. Diese könnte den Dow im Laufe des Tages noch um weitere hundert Punkte drücken, und auch die Nasdaq könnte weitere 30 Zähler verlieren.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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