Die Börsenkolumne aus New York
Inside Wall Street: „Techs and Drugs and Rock’n’Roll...“

Keine Festtagsstimmung an der Wall Street. Die ehrwürdige Börse hat am Freitag Geburtstag - vor 210 Jahren wurde die New York Stock Exchange gegründet. Doch eine Torte gibt es nicht. Angesichts Gewinnmitnahmen, die einigen Beobachtern viel zu früh kommen, ist vielen der Appetit ohnehin vergangen.

Der Tag hatte so schön begonnen. Über Nacht hatten die Analysten Dell-ikatessen verdaut. Über Nacht hatten UBS Warburg und Credit Suisse First Boston ihre Gewinnprognosen für den Computerbauer angehoben. Über Nacht hatten Konjunkturexperten auf die Stabilität einer Tech-Erholung angestoßen, die man mit vier Tagen im Plus und den starken Zahlen vom Abend schon sicher wähnte.

Doch dann kam alles anders: Nur zwei Stunden hielten die US-Indizes ihre Gewinne, dann ging?s wieder runter. Anleger nahmen Gewinne mit und eines scheint plötzlich wieder klar: Das Vertrauen auf eine nachhaltige Rallye ist nicht im Markt, nicht einmal auf ein mittelfristiges Hoch setzt der Investor.

Für die Bullen kommen die Gewinnmitnahmen enttäuschend früh - nach einem Wochenplus von fast 10 % an der Nasdaq hatte man sie für Montag erwartet. Die Bären fühlen sich bestätigt: Der Markt hat eine Bärenmarkt-Rallye gesehen, in der einzelne Investoren ihr Portfolio aufbessern, die dem Markt aber kein Fundament gibt.

Ist die Euphorie einmal vom Tisch kümmert sich die Wall Street wieder um das Tagesgeschäft, und das bestimmen vor allem zwei Sektoren: Techs und Drugs. Um erstere wird weiter heiß spekuliert. Die "Book-to-Bill-Ratio", das Verhältnis von Bestellungen zu Auslieferungen der Chip-Zulieferer, ist stärker gestiegen als erwartet, das bringt Power in die Schlüsselbranche der Halbleiter. Bear Stearns sieht unterdessen einen Preiskampf der PC-Branche voraus, der auf die Margen drücken dürfte.

Die Drugs - also die Pharmawerte - erleben den letzten Tag einer volatilen Handelswoche. Zwei Tage lang hatten sie auf der Verliererseite gestanden, nachdem einige Konzerne, darunter Schering-Plough, Eli Lilly und Abbott Laboratories Ärger mit allen möglichen Behörden hatten. Ärger machten SEC, FDA und DOJ - also die Börsenaufsicht, die Zulassungsbehörde und das Justizministerium. Vor dem Wochenende räumt zumindest Schering-Plough einige Unstimmigkeiten auf, für die Aktie geht es wieder bergauf.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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