Die Börsenkolumne aus New York
Inside Wall Street: Zittern vor neuen Berichten

Zur Wochenmitte hat sich der Dow den Gipfelstürmer-Orden in Gold verdient - Mehr als 220 Punkte schafften die Blue Chips innerhalb weniger Stunden. Am Donnerstag geht es zunächst nicht höher hinaus - denn wie der Bergsteiger das Sauerstoffgerät, so braucht der Markt Nachrichten. Und die fehlen am Donnerstag.

NEW YORK. Das Auf und Ab der ersten Handelsstunden ist Gemütsschwankungen der Anleger zuzuschreiben. Vor allem bei den Tech-Werten sorgen widersprüchliche Analysen und Kommentare für Unsicherheit. So verzeichnet der Branchenverband der Chiphersteller Rekordzuwächse im Absatzvolumen, während man bei Merrill Lynch düster über die Software-Branche orakelt: Ein Boden sei fern, die Zeit für Schnäppchenkäufe noch nicht gekommen. Die Pessimisten sind zur Zeit in der Überzahl - aus der gerade abgeschlossenen Ertragssaison klingt es vielen noch drohend im Ohr: Die IT-Ausgaben werden noch nicht steigen.

Geringe IT-Ausgaben bedeuten geringes Auftragsvolumen, geringes Auftragsvolumen führt zu weiteren Kürzungen, und damit ist der Beobachter bei der Frage der Woche: Wie ist es um den US-Arbeitsmarkt bestellt? Schwache Daten am Donnerstag lassen viele vor dem morgigen Bericht zittern. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung verringerte sich in der vergangenen Woche nicht so stark wie erwartet - mit 418 000 liegt sie immer noch deutlich über der Schallmauer von 400 000, und das schon seit Wochen. Die Mehrheit der Konjunktur-Gurus erwartet nun, dass die Arbeitslosenquote auf 5,9 % steigt, Pessimisten sehen sie mittelfristig sogar auf 6,5 % klettern.

Wenn es an der Wall Street eine Aktie gibt, die mit der Arbeitslosenquote klettert, dann ist es die von HotJobs.com. Der Online-Arbeitsvermittler betreibt in einer konjunkturell schwierigen Zeit einen der bestgehenden Internetdienste - am New Yorker Abend stehen Quartalszahlen an.

So lange halten sich Aktionäre wieder einmal an die defensiven Aktien. Am Donnerstag werden einige Zykliker (vor allem die Papierhersteller) gekauft, ferner Konsumaktien wie Philip Morris, Procter & Gamble oder McDonald?s und, wie so oft in den vergangenen Wochen, Gold.

Und wenn sich einmal selbst bei diesen Aktien nichts tut, dann werden Analysten dort aktiv, wo sie sich am besten auskennen (sollten) - im eigenen Sektor. Bei Salomon Smith Barney hat man sich über die Konkurrenz Gedanken gemacht, und ist voll des Lobes: Die Aktie von Lehman Brothers nennen die Analysten ihren "Top Pick" in der Branche. Sie sei "günstig", und das Unternehmen weise eine solide Einkommensstruktur vor. Merrill Lynch sei schon deshalb zu kaufen, weil die jüngsten Kursstürze im Zusammenhang mit dem Blodget-Skandal deutlich mehr Wert vernichtet haben als dem Finanzhaus an Schaden entstehen könne. Der wird von Experten auf höchstens 2 Mrd. $ beziffert. Für die Kursverluste bei Goldman Sachs haben die Analysten keine Erklärung - die Aktie sei lediglich "mit dem Umfeld gefallen". Kollegenschelte üben unterdessen die Bewerter von Morgan Stanley: Sie stufen JP Morgan ab.

Sonstige Wall Street Mover

Analystenkommentare: JP Morgan setzt General Motors auf die "Focus Liste". Die USB Piper Jaffray stuft den Chiphersteller RF Micro Device auf. Die Credit Suisse First Boston stuft den Rüstungskonzern United Defense ab. Aus dem selben Haus heißt es am Morgen, der Kurssturz beim Internetdienst Overture am Mittwoch sei "übertrieben" gewesen. Das Unternehmen hatte einen Großauftrag von AOL Time Warner verloren.

Quartalszahlen: Der Waschmittelhersteller Clorox hat die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Stromriese Calpine hat das erste Quartal in Höhe der Prognosen abgeschlossen. Der Kabel- und Satelliten-TV-Betreiber EchoStar hat den Konsens der Wall Street verfehlt.

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