Die Börsenkolumne aus New York
Kein Weihnachtsmann, keine Weihnachts-Kauflust

Das hatte sich John Fulton anders vorgestellt. Der surfende Weihnachtsmann, der jedes Jahr Spenden für Obdachlose sammelt, überquerte auf seinem Board kurzerhand den Eriesee von Kanada in die USA - und wurde dort verhaftet. Er habe versucht, illegal einzureisen. Nein, selbst den Weihnachtsmann lässt man nicht einfach so ins Land.

wsc NEW YORK. Und wo schon der Weihnachtsmann nicht hinkommt, da kommt natürlich erst recht keine Weihnachtsfreude auf. Am letzten Wochenende resignieren die, die noch bis zum Schluss auf ein auch nur einigermaßen akzeptables Weihnachtsgeschäft gehofft hatten.

Schlecht war?s gelaufen an den ersten drei Dezember-Wochenenden - und genau so schlecht scheinen die Zahlen zum vergangenen Wochenende auszufallen. In den Straßen New Yorks war zwar wie jedes Jahr kein Durchkommen mehr, doch schlenderten Einheimische (wenige) und Touristen (viele) eher vor den Schaufenstern vorbei, bewunderten den großen Baum am Rockefeller Center oder zogen durch die Regale mit den Händen in den Hosentaschen.

Den Geldbeutel zückten deutlich weniger Leute, als man erwartet hatte. Bitteres Resultat am Montagmorgen: Wal-Mart gesteht ein, das Quartal wohl am unteren Ende der Erwartungen beenden zu müssen, und bei Federated Department Stores, der Muttergesellschaft der legendären Kaufhäuser Macy?s und Bloomingdale?s, rechnet man nicht einmal mehr damit, die in der Vorwoche auf ein Minus von 2,5 % nach unten revidierten Prognosen erreichen zu können.

Ähnlichen Pessimismus hören Anleger am Morgen von nahezu allen Einzelhändlern, und so notieren die Aktien von Abercrombie & Fitch, Aeropostal, Chico?s und The Gap im Minus und selbst der bisher einigermaßen stabile Performer Pier 1 Imports oder die ehemals sicheren Weihnachtssieger Barnes & Noble, Borders und Toys R Us handeln im Minus. Weihnachten ist für den Einzelhandel erstmals seit langem nicht das große Fest des Geldes, sondern eine riesige Schlappe, und zum Jahresende heißt es wohl Wunden lecken statt Wunderkerzen.

Woran lag?s? Haben die Amerikaner wirklich kein Geld mehr? Oder ging einfach der Machtkampf von Kunden und Läden nicht auf. Analysten aller Häuser hatten für das Wochenende rekordverdächtige Schnäppchen prophezeit - und die gab?s dann gar nicht. Im Hochpreis-Segment blieben die Preise unberührt. Bei Tiffanys kosten die Silberringe zwischen 970 $ und 1,3 Mio. $. Ein Weihnachtsgeschenk um 300 $? - Da schaut der junge Verkäufer mitleidig als hätte er einen Bettler vor sich und verweist auf die obere Etage, wo der Edel-Juwelier Nippes verkauft. Immer noch schön, aber nicht was man sich erhofft hatte.

Weitere Preisnachlässe gab es indes bei den Discountern, die schon in den vergangenen Wochenenden die meisten Kunden gezählt hatten. Bei den Billigketten Express und Structure kauften Jungs und Mädchen wie immer zwei Pullis für den Preis von einem, dort drüben leuchtet kräftig rot "40 % Rabatt" und auch bei JC Penney gibt?s großzügige Abschläge auf Bilderrahmen, Schmuckdecken und Geschirr.

Letzten Endes wird der clevere Kunde den Kampf um das Weihnachtsgeschäft gewinnen. Viele streunten am Wochenende durch die Auslagen und machten sich dabei Listen, was denn in zwei Wochen zu kaufen sei. Dann ist der Festtrubel vorbei, und alles was noch irgendwie weihnachtlich scheint, fliegt aus den Regalen. Wir haben selbst eine Liste: Ich muss im Januar zum Einrichter Crate & Barrel, meine Freundin zum Body Shop. Tiffanys werden wir uns sparen, da gibt?s auch nach Weihnachten keine Rabatte.

Sparen hätte übrigens auch John Fulton können - und zwar eine Menge Ärger. Bei seinem nächsten Shopping-Trip in die USA dürfte der surfende Weihnachtsmann Schwierigkeiten an der Grenze haben, und Spenden für die Obdachlosen hat er wohl auch nicht allzu viele bekommen. Denn mit den Ausgaben für die Lieben zuhause hat der Amerikaner auch seine Spenden eingefroren. Das jedenfalls ging vor wenigen Tagen aus einer nicht repräsentativen Umfrage beim Online-Dienst AOL hervor.

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