Die Börsenkolumne aus New York
Magere Konjunktur, dicke Bäuche

Dass 60 Prozent der Amerikaner übergewichtig sind und 31 Prozent sogar per definitionem fett, das ändert sich auch in Zeiten einer schwachen Konjunktur nicht. Schließlich isst man im Land von McDonalds und Burger King nicht etwa zu viel, sondern einfach falsch: Zuviel Fett, zuviel Kohlenhydrate, zu wenig Nährwert steckt in der Ami-Kost und lässt manchem dem Bauch unschön über den Hosenbund schwappen

wsc NEW YORK. Nun sollte man glauben, dass es eine ganze Reihe Unternehmen gibt, die auf der Fettwelle zu unendlichen Gewinnen flutschen, doch es sind weniger als es auf den ersten Blick scheint. Mit McDonalds fällt bekanntlich der größte Fast-Food-Konzern aus, denn der läuft den Erwartungen des Marktes schon seit nunmehr zwei Jahren hinterher. Irgendwo auf dem Weg von der kleinen Big-Mac-Bude zum Weltkonzern ist der Apparat selbst zu fett geworden, jetzt kosten zu viele Mitarbeiter zu viel Geld, die Effizienz ist auf der Strecke geblieben, McDonalds hat schlapp gemacht.

Ähnlich sieht es beim Konkurrenten Burger King aus, der jüngst vom Spirituosenkonzern Diageo an ein Finanzkonglomerat um Goldman Sachs verkauft werden sollte. Aus dem Deal scheint nichts zu werden, da auch Burger King nicht mehr die Performance bringt, die man einst sah. Fans schwören seit Jahren auf die besseren Burger, die McDonalds in den Schatten stellen, doch kaufen sie nur noch zum Schnäppchenpreis. In einem aussichtslosen Kampf beschneiden sich die beiden Marktführer per Billigmenü die Margen. Der lachende Dritte ist Wendy?s, deren Aktie bei den Analysten auch entsprechend auf "Kaufen" steht, während McDonalds nur noch ein "Halten" bekommt.

Die großen Gewinner der amerikanischen Fettsucht und Unbeherrschtheit muss man aber anderswo suchen - nämlich da, wo der Speck wieder weg kommt. Denn auf lange Sicht schaltet der Heißhunger auf Burger und Fritten die Eitelkeit nicht aus, er verschiebt die nur auf einen Platz weiter unten in der Prioritäten- und Bewusstseinsliste der Amerikaner. Irgendwann packt dann aber doch die meisten Übergewichtigen der Diät-Rappel, und auf geht?s zu den Weight Watchers, dem Unternehmen, das nun tatsächlich satte Gewinne einfährt und am Dienstag erneut die Wall Street überraschte.

Der Diät-Riese, der 1963 von einer New Yorker Hausfrau gegründet wurde und heute mehr als eine Millionen feste Mitglieder hat, ist das krisensichere Unternehmen schlechthin. "Der Markt für Weight Watchers wird immer größer, der Kundenstrom reißt nicht ab", sagt Greg Cappelli, Analyst bei der Credit Suisse First Boston, bei dem die Diät-Aktie thematisch passend auf "Übergewichten" steht.

In der Tat sind die Zahlen, die Weight Watchers vorweist, beachtlich. Mit einem Gewinn von 36,8 Mio. Dollar oder 34 Cent pro Aktie aus steht das Unternehmen deutlich besser da als vor einem Jahr, als man ein Anteilsplus von nur 14 Cent auswies. Und die Zukunftsaussichten sind rosig, vor allem in den beiden kommenden Quartalen. Die sind traditionell die besten für Weight Watchers, denn im Winterviertel muss bei vielen der Weihnachtsspeck weg, und im Frühjahr ist es die drohende Badesaison, die das Körperbewusstsein anstößt und Kunden in die Diät-Klassen treibt. Nach einem angepeilten Jahresgewinn von 1,30 Dollar pro Aktie in diesem Jahr rechnet man in 2003 mit einem Plus zwischen 1,54 Dollar und 1,65 Dollar pro Papier.

Auf lange Sicht will man diese Wachstumsraten beibehalten, und anders als in den übrigen Branchen ist dies bei Weight Watchers ein realistisches Ziel. Der Club wird weltweit immer beliebter. Mittlerweile haben 8 Millionen Leute mehr als 80 Millionen Pfund abgenommen, und gerade hat man eine neue Klientel erschlossen: die Schüchternen. Die müssen sich jetzt nicht mehr ins Klassenzimmer setzen, sondern bekommen ihre Beratung über das Internet. Außerdem baut man die Produktlinie weiter aus, zu den Diät-Speisen, die das Unternehmen vertreibt, gehören mittlerweile fettarme Versionen von Mousse au Chocolat und Tiramisu.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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