Die Börsenkolumne aus New York
McDonalds-Ärger: Späte Burger und unmotivierte Analysten

Es ist das alte Lied: Auf die Ergebnisse kommt es an - aber wie weit kann man den Ergebnissen trauen? Dabei sind es nicht die Milliarden-Betrügereien, die der Wall Street noch vor einem halben Jahr alle Kraft raubten, diesmal ist es das klassische An-der-Nase-herumführen, das alte Verwirrspiel, mit dem Unternehmen versuchen, oberflächliche Analysten und Anleger auf ihre Seite zu ziehen. Sie haben immer wieder Erfolg.

wsc NEW YORK. Jüngstes Beispiel dafür ist McDonalds. Am Dienstag zeigt sich an der Aktie und dem Drumherum die ganze Naivität und Lobhudelei, mit denen Unternehmen, Analysten und nicht zuletzt einige Medien die Glaubwürdigkeit des Marktes untergraben und der Wall Street so langfristig Schaden zufügen.

Wir schlagen nach im Online-Wirtschaftsteil des Finanzsenders CBS. Dort steht: "Der Dow-Komponent McDonalds hat einen guten Lauf und klettert in 2 Tagen um 8,5 %, nachdem das Unternehmen Quartalszahlen in Höhe der Prognosen abgeliefert hat. Für den Rest des Jahres glaubt der Fast-Food-Gigant, an seinen Prognosen von einem ,Gewinn von 1,43 $ oder besser? pro Aktie festhalten zu können." - Soweit CBS, doch man schreibt nur die halbe Wahrheit.

Die ganze Wahrheit geht so: McDonalds hat die Prognosen der Wall Street getroffen, nachdem diese vor genau einem Monat nach unten revidiert worden waren. Damals hatte das Management die Gewinnerwartungen für das Quartal um 10 % und für das Gesamtjahr um 6 % zurück gefahren. Das Analystenrudel hörte den Ruf und schloss sich einstimmig an. Nur Stunden nach der Warnung von McDonalds fuhren die Experten von Bear Stearns, Wachovia und Sun Trust ihre Erwartungen zurück.

Nun klopfen sie sich auf die Schultern und glauben allen Ernstes, den schwachen Trend erkannt zu haben. Und wo man ihn schon rechtzeitig gesehen haben will, betrachtet man ihn als eingepreist und kauft munter. Bei der Bank of America geht man so weit, die Burger-Aktie offiziell auf "Kaufen" zu setzen, ebenso wie das Morgan Stanley wenige Tage vor der Warnung getan hatte - die Aktie hatte daraufhin zwischenzeitlich 25 % an Wert verloren.

Leider sind Aktionäre die einzigen, die bei McDonalds einkaufen. BigMäc, Fritten und Chicken McNuggets bleiben liegen. Da hilft es auch nicht, dass man jüngst auf gesünderes Fett umgestellt hat, um neue gesundheitsbewusstere Kunden anzusprechen. Die Probleme bei McDonalds liegen woanders, und zwar dort wo Analysten offensichtlich schon lange nicht mehr nachschauen: beim Unternehmen selbst und seiner Kundenakzeptanz. Die Kette wird immer unbeliebter in den USA, der kleine Hunger treibt Alt und Jung viel öfter zu Wendy?s und Burger King als zum goldenen "M".

Das ist kein Wunder, denn in weiten Teilen des Landes - und in New York besonders - lässt der Service mehr als zu wünschen übrig. Während an der Kasse ganz frech eine "durchschnittliche Bedienzeit: 42 Sekunden" verkündet wird, verhungert der Kunde vor seiner Bestellung. Bis zu 15 Minuten kann der Amerikaner bei McDonalds in der Schlange stehen, bis zu 5 Minuten dauert es, bis er seine Order hat. In der Küche stehen völlig untätig eine Handvoll Angestellte im Weg, deren einziger Job darin zu bestehen scheint, nicht länger in der Arbeitslosenstatistik aufzutauchen. Ein Besuch bei McDonalds ist frustrierend.

Bei der Telefonkonferenz nach der Quartalskonferenz hakte niemand nach, ob man nicht Verbesserungsmöglichkeiten im Service, also in den Restaurants, sehe. Statt dessen war zu erfahren, dass der unmotivierte Fast-Food-Riese weniger schnell expandieren will als bisher. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, ein Jahr lang keine neuen Läden zu eröffnen und stattdessen in den bestehenden aufzuräumen.

Aber Aufräumen ist anstrengend und Nachdenken auch. Deshalb dümpelt McDonalds weiter durchs Jahr und versucht Prognosen schön zu reden, die dick unter den Zahlen vergangener Jahre liegen. Und deshalb plappern die Analysten treu nach, was sie aus der BigMäc-Burg vernehmen. Und deshalb schreibt CBS den ganzen Quatsch unreflektiert ins Internet. Fazit: Die Aktie steigt. - Darauf eine Cola. Prost.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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