Die Börsenkolumne aus New York
Schwarzes Gold und heiße Karten

Auf dem Parkett der New York Stock Exchange werden die Spielkarten ausgepackt. Das Volumen bleibt flach. Es haben zwar mehr Trader den Weg zur Arbeit gefunden als am Donnerstag, aber viel ist nicht los. Doch in diesen Tagen ist glücklich, wer überhaupt Arbeit hat. Und das gilt auch in der Hochburg der Finanzwelt.

wsc NEW YORK. Rund 64 000 Jobs wurden in den vergangenen 20 Monaten an der Wall Street abgebaut. Und Stephan Newhouse, Manager bei Morgan Stanley geht davon aus, dass die Entlassungswelle noch nicht abebbt. Die Arbeitsplatzreduzierungen konnten mit dem Umsatzrückgang nicht mithalten, so seine Argumentation. Die größten zehn Wall Street Investmentbanken haben seit Ende 2000 260 Mrd. $ an Marktkapitalisierung eingebüßt. So viel sind derzeit noch nicht mal Goldman Sachs, Merrill Lynch und die Citigroup zusammen wert. Der Umsatz in der Bankenbranche ist in den letzten beiden Jahren um 40% eingebrochen. Am schlimmsten hat es den sogenannten M&A-Bereich getroffen, das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Der Umsatz in diesem Sektor ist in diesem Jahr branchenweit um 29% gefallen, auf das niedrigste Niveau seit 1998. Gleichzeitig haben in diesem Sektor auch die meisten Angestellten ihren Job verloren. Nach 25% Entlassungen in 2001, haben noch mal 25% der Belegschaft in 2002 ihre Kündigungspapiere erhalten. Insgesamt haben die großen Investmentbanken im Schnitt in den letzten zwei Jahren 15% der Arbeitsplätze gestrichen. Das belegt eine Studie der Beratungsfirma Oliver Wyman & Co.

Der Dow Jones Index notiert am letzten Freitag in 2002 erneut schwächer. Vier Handelstage in dieser Woche bedeuten vier Verlusttage. Kurz vor dem Wochenende belastet der hohe Ölpreis die Märkte. Der Preis für das schwarze Gold erreicht den höchsten Stand seit zwei Jahren. Seit dem Ausbruch des Streiks in Venezuela am 2. Dezember ist Öl 21% gestiegen, insgesamt legte der Preis in diesem Jahr um 52% zu. In Venezuela ist der Generalstreik seit vier Wochen im Gange und legt weiterhin die Ölindustrie, den wichtigsten Sektor des lateinamerikanischen Landes, lahm. Venezuela ist drittgrößte Ölimporteur der USA. Vor Beginn des Streiks war Venezuela allein für über 13% der Öl-Importe in die USA verantwortlich. Auch die Ankündigung von Ali Rodriguez, dem Präsident der staatlichen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela, die Öl-Exporte nächsten Monat wieder aufzunehmen, konnte den Steigflug des Ölpreises nicht stoppen. Analysten gehen davon aus, dass es mindestens zwei bis drei Monate dauern wird, bis Venezuela das Niveau der Öl-Exporte von vor dem Beginn des Streiks erreichen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%