Die Börsenkolumne aus New York: Schwierige Nachrichten-Auslese am Tag des Donners

Die Börsenkolumne aus New York
Schwierige Nachrichten-Auslese am Tag des Donners

Einige Stunden nach dem offiziellen Kriegsbeginn und vor dem Beginn der befürchteten massiven Attacken, die Bagdad noch in dieser Nacht (also im Laufe des US-Handelstages) treffen könnten, konzentriert sich die Börse ausschließlich auf die Nachrichtenlage im Golf.

Die Nachrichtenfülle ist erwartungsgemäß üppig an diesem Tag des Donners. Gab es am Morgen noch Gerüchte darüber, ob die Amerikaner bei ihrem frühen Raketenangriff Saddam Hussein treffen konnten, so sind diese dementiert. Eine Fernsehansprache Husseins löste unterdessen eine Diskussion darüber, ob der Sprecher tatsächlich der Diktator war. Dafür bestätigen Quellen, dass im Irak bereits vier Ölfelder brennen sollen. Ein US-Hubschrauber ist im Süd-Irak abgestürzt, doch die Soldaten konnten gerettet werden.

Diese und weitere Nachrichten gilt es an der Börse zu destillieren. Tradern könnte hierbei die einseitige Berichterstattung der US-Medien helfen, die ohnehin seit Wochen ausschließlich Kriegsbefürworter und hohe Militärs in ihre Sendungen laden. Diese spielen bei CNN Angriffe mit Plastikflugzeugen, Plastiksoldaten und Lichteffekten auf einem Kartentisch nach. Bei CNBC flüchten sich manche eher in Polemik für einen Krieg, dessen Folgen außerhalb des wirtschaftlichen Bereich schon seit geraumer Zeit keine Rolle spielen

.

Darüber hinaus versuchen manche, Informationen aus dem immergleichen grün schimmernden Live-Bild vom Dach des irakischen Informationsministeriums zu filtern. Das ist natürlich unmöglich, da das Bild verschwommen, unscharf und absolut nichts sagend ist. Unklar ist, warum die Bilder schon am New Yorker Vormittag - dem frühen Abend in Bagdad - schon abwechselnd hell und stockduster waren.

Außer im Fernsehen verfolgen Anleger den zweiten Golfkrieg auf Webseiten, auf denen Journalisten aus dem "Embedded Journalists"-Programm der Armee Berichte in verschiedenen Sprachen einstellen. Diese sind allerdings von der Armee zensiert, was es umso schwerer macht, zuverlässige Nachrichten zu erkennen.

Dem Markt ist am Donnerstag zuzuschreiben, dass er nicht panisch in alle Richtungen ausschlägt. In einer höchst unsicheren Lage hält sich die Volatilität der großen Indizes in Grenzen, allein die Tendenz ist klar. Es geht abwärts. Doch auch das ist nach dem Handel der letzten Tage nicht erstaunlich. Der Dow hat eine Rallye über 6 Tage hinter sich, das gab es zuletzt im Oktober 2000. Dass der Index dabei 11 % an Wert zugelegt hat, macht einen Rückzug noch verständlicher.

© Wall Street Correspondents, Inc.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%