Die Börsenkolumne aus New York
Trotz Gewinnen: Keine Rallye in Sicht

Ein kurzer Blick auf den Chart und noch ein zweiter auf die Kurstafel lässt Anlegerherzen am Mittwoch höher schlagen. Die US-Märkte haben die Tiefstände vom Juli erreicht und handeln nun mit Gewinnen, alles deutet auf die Bildung eines doppelten Bodens hin. Wirklich alles?

wsc NEW YORK. Ein zweiter Blick auf den Markt, und vor allem auf die zahlreichen Meldungen, Gerüchte und Ängste, die das Geschehen auf dem Parkett bestimmen, zeichnet ein ganz anderes Bild. Sicher, am Mittwoch machen sich Schnäppchenjäger auf, den vermeintlichen Doppelboden zu nutzen und Verluste zu begrenzen. Doch die dürften dem Markt nur kurz Kraft gebe.

Als wüsste man genau dies bei General Electric, geht das Unternehmen einen Tag vor dem geplanten Quartals-Update an die Front und kündigt an, morgen anzukündigen, dass das Quartal gemäß den Erwartungen laufe. Gleiches hört man von United Technologies und International Paper - wenigstens bleiben die in ihrem Zeitplan.

Kurzfristig nutzen die vorrausschauend optimistischen Kommentare den Aktien der Unternehmen, den anderen Zyklikern und so auch dem breiten Markt. Doch sorgen sie nicht gerade für Euphorie. Im Gegenteil: Auf dem Parkett fehlt jede Dynamik, der Handel läuft schleppend und mit geringem Volumen, und es sieht überhaupt nicht so aus, als hätte sich auch nur ein Optimist an die Wall Street verirrt. Trotz dem Doppelboden. Offensichtlich hat man aus den Fehlern der vergangenen Monate gelernt, als man dem teilweise irrationalen Markt schon öfter mit technischen Analysten nahe kommen wollte - und ihn nie bekam.

Einer der Experten, die in den Mittwochsgewinnen nur eine technische Reaktion auf die jüngsten Verluste sehen, ist Richard Dickson, Chart-Stratege bei Hilliard Lyons. "Natürlich ist der Markt enorm überverkauft", sagt er. "Aber mehr als eine kurzfristige Rally muss noch lange nicht kommen." Im Gegenteil: Dickson sieht in allen Momentum-, Stimmungs- und technischen Indikatoren "keinen Grund für eine bullische Interpretation."

Art Hogan sieht das genau so. Der Chef-Analyst von Jeffries and Co. hält es für unmöglich, dass eine technische Erholung die fundamentale Schwäche des Marktes ausgleicht. "Das ist keine richtige Rallye", sagt er. "Die sehen wir erst, wenn der Irak-Konflikt ausgebügelt ist."

Das zum einen, meint auch Robert Dickey, Direktor beim Brokerhaus RBC Dain Rauscher. Darüber hinaus habe man dann aber immer noch mit einer Vertrauenskrise zu kämpfen und mit der schwachen Konjunktur, und so werde es einige Zeit dauern, bis Aktien wieder stabil an Wert zulegen könnten. "Der Weg ins Plus ist meist flacher als der vorangegangene Absturz", zerstört er Hoffnungen auf schnelle Gewinne.

Doch die dürften inzwischen ohnehin aus dem Markt gefegt sein und sich auch so bald nicht mehr einstellen. Die schwache Dynamik beweißt das, und das sieht dann auch die junge Kollegin, die gerade ihren ersten Vormittag an der Stock Exchange erlebt hat. Gerade kommt sie zur Tür herein, strahlend, und meint: "Super, die haben sich alle Zeit für mich genommen." - Klar, in einem so schwachen Handel tut ein Plausch gut, und die wenigen Orders, die beim Spezialisten eingehen, die kann er auch nebenbei ausführen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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