Die Börsenkolumne aus New York
USA: Die Gewinne stimmen, die Politik hakt

Hefte raus, Klassenarbeit! Warum ist die Börse so schwach, wo doch die Konjunktur munter anzieht? - Weil die Unternehmen davon nicht mitkriegen, Umsatz und Gewinne weiter schwach bleiben. So haben wir?s gelernt in den vergangenen Wochen. Doch das stimmt ja gar nicht.

Zu Beginn des dritten Quartals scheint es ein wenig weit ausgeholt, wenn man noch einmal Zahlen aus den ersten drei Monaten des Jahres aus der Schublade kramt. Doch gibt es am Morgen eine imposante Zusammenfassung, die eines ganz klar zeigt: So schlimm steht es gar nicht um die Unternehmen. Im ersten Quartal haben amerikanische Unternehmen laut dem Wirtschaftsministerium einen Umsatz von 827,8 Mrd.$ und Gewinne von 38 Mrd. $ gemacht damit steht man deutlich - beides ist deutlich besser als im Quartal zuvor. Und noch viel wichtiger ist: Die Gewinne lagen um 5 % über den Gewinnen des Vorjahresquartals, und das ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass man eine solche Tendenz feststellt.

Grund zu Optimismus gebe es also, zumal die Zahlen des eben abgelaufenen Quartals noch besser sein dürften, schließlich stellen Konjunkturbeobachter seit Monaten Expansion in fast allen maßgeblichen Branchen fest. Dazu kommt, dass die meisten Unternehmen, die in der ersten hektischen Woche der Ertragssaison über ihre Quartalszahlen sprachen, im Rahmen oder über den Erwartungen des Marktes abgeschlossen hatten - sogar einige maßgebliche High-Tech-Firmen.

Doch woran liegt es dann, dass der Markt erneut schwach ist und die Wall Street in acht zurück liegenden Handelstagen nur ein einziges Mal im Plus schließen konnte? Natürlich ist es nach wie vor die allgemeine Vertrauenskrise, die Anlegern Angst macht - man will nicht in Aktien investieren, wenn niemand so recht sagen kann, ob und auf welcher Basis Gewinne gemacht oder ob sie einfach nur herbeibilanziert wurden. Und es ist das mangelnde Geschick einiger Unternehmen, die bei ihren Konferenzen sehr tapsig auftreten und jede herrschende Verunsicherung weiter antreiben.

In dieser Woche verwirrten Intel und IBM mit ihren Zahlen. Der Chip-Gigant sorgte für Unruhe, als er den Reingewinn vor Abzug mancher aber nicht aller Sonderbelastungen auswies und das Management die Zahlen etwa eine Stunde nach der Bilanzkonferenz noch einmal korrigieren musste - nach oben allerdings, sonst wäre die Aktie wohl erst einmal verloren gewesen.

IBM unterdessen hatte die Wall Street mit einem Quartalsgewinn von 3 Cent pro Aktie geschockt, nachdem Experten mit einem Plus von 83 Cent gerechnet hatten. Dann hieß es, man habe die außergewöhnlichen Kosten für Restrukturierungen und Entlassungen nicht herausgerechnet, obwohl das auch in der Bilanzkrise üblich ist. IBM willigte ein und korrigierte die Zahl auf 84 Cent - doch damit nicht genug: Das Management wollte nachträglich die hohen Verluste der Festplatten-Sparte aus der Bilanz kegeln, denn diese sei schließlich an Hitachi verkauft. Diese Offensive sorgte für Aufsehen. Denn zwar hat man sich mit Hitachi über den Deal bereits geeinigt, doch ist das Geschäft noch nicht getätigt, der Zuschuss-Betrieb nach wie vor ein Teil von IBM.

So hakt es in der Politik, in der Diplomatie. Denn solche Wirren sind nicht eben als vertrauensbildende Maßnahmen zu betrachten, im Gegenteil. Sie werfen erneut Fragen auf, wie Gewinne bilanziert werden und wie sie zu bilanzieren seien. Diese Sorgen überwiegen an der Wall Street, und Aktionäre drehen dem Markt weiter den Rücken zu.

Am Freitag kommen dazu einige Geschichten, die zudem auf die Stimmung drücken. Ermittlungen gegen Johnson & Johnson wegen eventuell verunreinigter Medikamente und gegen Daimler-Chrysler wegen Verdachts auf Preisabsprachen, ein schwacher Ausblick von Microsoft, Sun Microsystems und Ebay tun ein Übriges, die großen US-Indizes noch einmal in den Keller zu schicken.

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