Die Börsenkolumne aus New York: Verbraucher haben Kriegssorgen

Die Börsenkolumne aus New York
Verbraucher haben Kriegssorgen

Dass es dem Verbraucher schon besser ging, dass das Vertrauen der Amerikaner in ihre Sicherheit, Politik und Konjunktur schon höher war, das ist längst klar. Dass das Verbrauchervertrauen für Februar aber gleich auf ein Neun-Jahres-Tief von 64 Punkten stürzte, das verblüffte sogar pessimistische Experten.

Mit einer Notierung von 64 Punkten weist der Index für Februar ein drastisch schwächeres Verbrauchervertrauen aus, als Experten befürchtet hatten. Der revidierte Stand im Januar hatte noch bei 78,8 Punkten gelegen. Einen so steilen Verfall des Indikators hatte man zuletzt unmittelbar nach den Terrorattacken des 11. September 2001 gemessen.

Die Ursachen für den Verfall des Verbrauchervertrauens sind allerdings vielfältig, und genau das bereitet Sorgen. "Ein schwacher Arbeitsmarkt, die desolaten Finanzmärkte, hohe Benzinpreise und vor allem der drohende Irakkrieg und die anhaltende Angst vor Terrorismus verunsichern die Verbraucher", fasst Lynn Franco zusammen, die Vorsitzende des Consumer Research Center, das den Index ermittelt.

Über den Arbeitsmarkt sagen mittlerweile 30 % der Amerikaner, dass es schwierig sei, einen Job zu finden. Und 28 % der Befragten erwarten, dass es mittelfristig noch weniger Jobs geben und die Suche nach einem Arbeitsplatz entsprechend noch schwieriger wird. Das allgemeine konjunkturelle Umfeld bezeichnen 30 % der Amerikaner als "schlecht", und nur 13 % finden die Situation um die US-Wirtschaft weiter "gut". Vor einem Monat hatten nur 14 % der Amerikaner geglaubt, dass die weltgrößte Volkswirtschaft weiter auf dem absteigenden Ast ist - jetzt sind es 19 %, also fast jeder Fünfte.

Beruhigend finden unterdessen manche Experten, dass trotz der Vielfalt der Sorgen der Amerikaner wohl nur eine zentral im Mittelpunkt steht: die Irak-Krise. Darauf deutet, dass trotz des breiten Markt- und Konjunkturpessimismus der Index über die Erwartungen der Amerikaner etwas besser notiert als der Index über die Einschätzung der gegenwärtigen Situation. Man rechnet damit, dass die Krise im Nahen Osten bald ausgestanden ist.

Sollte dies nicht der Fall sein, dann sieht Ian Shepherdson schwarz. Der Chef-Volkswirt von High Frequency Economics meint, dass die Kriegssorgen keine wirklich fundamentale Gefahr für Markt und Vertrauen darstellen - jedenfalls noch nicht. "Wenn die Situation aber bis in ein oder zwei Monaten nicht bereinigt ist, dann werden wir ein Desaster erleben."

Im Donnerstagshandel zeichnet sich ein solches noch nicht direkt ab. Die Märkte setzen zwar ihre Talfahrt fort, verlieren aber nicht so ruckartig, wie mancher Analyst befürchtet hatte. Das wiederum liegt an einem Blick auf die Statistik der vergangenen anderthalb Jahre, die zeigt, dass der Stand des Verbrauchervertrauens nicht wie einst zwingend Rückschlüsse auf die Verbraucherausgaben zulässt. Die sind zuletzt relativ konstant geblieben, und so ist auch der Markt noch nicht verloren, der zu 60 % vom Konsumenten abhängig ist.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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