Die Börsenkolumne aus New York
Verhext: US-Kicker verlieren, die Wall Street stürzt ab

Zu schwer drückten die Warnungen einer ganzen Reihe von Unternehmen und die pessimistischen Kommentare nahezu aller Brokerhäuser auf die Stimmung der Investoren, als dass einer lange hätte auf Qualcomm blicken können.

Schön, wenn Qualcomm im laufenden Quartal die Erwartungen "mindestens treffen, vielleicht sogar schlagen" wird, denkt man sich auf dem Parkett - doch was soll das für die Branche heißen oder gar den Markt. Qualcomm ist einer von vielen Kommunikations-Ausrüstern, das Unternehmen liefert an Mobilfunk- und Festnetzanbieter sowie die Netzwerkkonzerne, und von denen hört man seit Wochen nichts Gutes. Dass die Bank of America am Morgen ausgerechnet den so nahen Sektor um Cisco, Ciena, Juniper und ONI Systems abstuft und die Erwartungen für die Handy-Kunden herunterfährt, ist nicht eben hilfreich. Weshalb Qualcomm frühe Gewinne auch gleich wieder abgibt.

Die Indizes reagieren prompt - nachdem das letzte Fünkchen Hoffnung aus dem Markt ist, stürzt die Nasdaq ins Minus. Der Dow hatte zum Wochenschluss ohnehin noch kein Licht gesehen. Im weiteren Verlauf des Freitags passiert nun, was sich seit Tagen abgezeichnet hat. Da Optionen unter anderem auf Fonds und Indizes auslaufen und Anleger Geld in großem Stil umschichten müssen, gibt es marktbreit kein Halten mehr. Die drei großen Barometer haben erneut Unterstützungslinien durchbrochen: Der S&P 500, der bislang nur im Intraday unter die 1 000-Punkte-Marke gefallen war, scheint sich am Freitag nicht länger vierstellig halten zu können. Der Dow notiert unter 9 300 Zählern und damit auf einem Jahrestief, die Nasdaq ist unter 1 450 Punkte gefallen.

Auf mehr oder minder historischen Tiefs handeln die Aktien von AT&T, vom Computerriesen IBM und nicht zuletzt der Dollar. Die US-Währung war gegenüber dem Euro noch nie so schwach, gegenüber den Yen notiert sie auf einem 6-Monats-Tief.

Bei allem Pessimismus tun sich auch die Cheerleader der Wall Street schwer, Optimismus zu vermitteln. Art Cashin, Parkettchef der UBS Paine Webber, klammert sich hilfesuchend an ein paar historische Beobachtungen. Die Vergangenheit zeige, dass eine Bodenbildung im Aktienmarkt oft im Juni stattfinde, noch öfter zum Monatsende und fast immer an einem Montag oder Dienstag. Das heißt - Pompoms hoch! - nächste Woche geht's aufwärts. Viermal werden wir noch wach, heissa, ... wer's glaubt.

Einmal mehr zeigt sich zum Wochenschluss, dass Optimismus alleine nicht ausreicht. Das gilt für die Wall Street und - nicht zu vergessen - für die US-Boys bei der Fußball-WM. Deren Sieg am Montag gegen Mexiko, so hatte man auf dem Parkett gemunkelt, habe die Rally zum Wochenbeginn ausgelöst. Am Freitagmorgen schickten Völlers Mannen das US-Team nach Hause - der Markt ist nur konsequent.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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