Die Börsenkolumne aus New York – Von Lars Halter
Endlich: Wirtschaft ist wieder Börsenthema

Das Wort Konjunkturflaute hatte in dieser Woche eine ganz neue Bedeutung. Nicht die Wirtschaft an sich war vier Tage lang schwach, sondern die Nachrichtenlage. Ein bisschen was zum Verbrauchervertrauen gab Anlegern zum Wochenstart kaum Halt, erst eine wahre Flut am Freitag bringt die US-Börsen in Schwung.

wsc NEW YORK. Zunächst legte die Universität Michigan auf die Dienstagswerte eins drauf: Das Verbrauchervertrauen ist im Mai auf 96,9 Punkte gestiegen. Das ist deutlich stärker als man erwartet hatte. Doch viel aussagekräftiger ist der Einkaufsmanager der Region Chicago, der im Mai um unerwartete 10 % auf 60,8 Punkte gestiegen ist und damit weiterhin deutlich im Expansionsbereich notiert. Starke Zahlen zur Produktivität taten am Morgen ein Übriges, um den Markt auf Trab zu bringen.

Offensichtlich hatte man sich nach neuen Zahlen gesehnt. Auffallend ist am Freitagmittag nicht nur, dass der Dow nach vier Tagen im Minus wieder dreistellig zulegt und sich über die 10 000-Punkte-Marke schiebt. Auffallend ist vor allem, wie sich das Tagesgespräch auf dem Parkett endlich wieder um Börse dreht: Tagelang hatte man sich mehr mit Terror-Warnungen und den Krisen in Nahost und Afghanistan beschäftigt.

Am Freitag reagiert der Markt nicht im Geringsten auf einen Ausreise-Appell der Regierung an US-Bürger in Indien und Pakistan. So sehr die Unsicherheit am Markt greifbar, und so verständlich sie in unmittelbarer Nähe zum jüngst geräumten "Ground Zero" ist, so wenig darf sie marktbestimmend sein.

Also ist es am Freitag die Konjunktur, über die man spricht, und es sind einige Unternehmen. Zum Beispiel die Pharma-Konzerne GlaxoSmithKline und Bristol-Myers Squibb, die laut New York Times über einen Merger verhandeln. Vor allem die Aktionäre von Bristol-Myers Squibb freuen sich über die wahrscheinlich letzte Rettung für den gebeutelten Konzern. Doch andere fragen sich, ob die Zweckehe nicht ein Bündnis unter Kranken ist, ob eine Fusion Erfolg verspricht. Glaxo-Aktionäre sind auf jeden Fall zurückhaltend, die Papiere verlieren leicht.

Für die überwältigende Mehrheit der US-Aktien geht es unterdessen aufwärts, an der Wall Street ist Grün die Farbe des Tages. Wie lange der Auftrieb anhält, ist wieder einmal fraglich, denn das Handelsvolumen ist - wenig überraschend - gering. Schon die ganze Woche lang hatten weniger Aktien den Besitzer gewechselt als sonst, vor dem Wochenende kommt der übliche Einbruch. Erst ab Montag, zum Beginn einer langen Woche, in der vor allem aus dem Chip-Sektor markttreibende Zahlen erwartet werden, dürfte das Handelsvolumen wieder auf das normale Niveau steigen.

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