Die Börsenkolumne aus New York: Was HP über IT sagt

Die Börsenkolumne aus New York
Was HP über IT sagt

Aktien von Hewlett-Packard verlieren am Mittwoch 14 % an Wert, obwohl der Computer- und Druckerhersteller am Vorabend ein Gewinnwachstum von fast 50 % und ein Anteilsplus über den Prognosen der Analysten gemeldet hat. Der Haken: Der Umsatz ging erneut zurück, und die Wall Street zieht aus HP Rückschlüsse auf den ganzen Markt.

Dass Hewlett-Packard seinen Gewinn um fast 50 % steigern konnte, ist eine schöne Sache. Und wenngleich der Zweck das Mittel heiligt und daher Kostensenkungen und sogar Massenentlassungen als ganz normal hingenommen werden, so macht man sich an der Wall Street doch Sorgen um die Geschäfte des Unternehmens.

Nicht dass einer moralisch den Zeigefinger heben und die armen Leute bedauern würden, die einmal gutes Geld bei HP und dem annektierten Unternehmen Compaq machten, und die heute in den Statistiken des Arbeitsmarktes auftauchen - so moralisch ist man längst nicht mehr. Dass jedoch Gewinn nur noch über Kostensenkungen eingefahren wird, stimmt bedenklich, denn es sagt einiges aus über das schwache Umfeld, in dem Corporate America noch immer steckt.

Laut waren die Stimmen der HP-Experten, die dem Unternehmen vor der Quartalskonferenz bescheinigt hatten, man werde die Analysten überraschen und starke Zahlen vorlegen. Leise sind sie jetzt geworden, da HP zwar satte Gewinne macht, sich aus der Krise der Hightechs aber nicht freischwimmen kann.

Eine Pro-forma-Umsatzsteigerung von 57 % gegenüber dem Vorjahresquartal ist allein der Fusion mit Compaq zuzuschreiben, diesen Faktor herausgerechnet hat Hewlett-Packard in den vergangenen drei Monaten wieder weniger verkauft als im Vergleichszeitraum. "Das ist besonders bedenklich, als HP massiv seinen Marktanteil verbessern wollte", meint Joel Wagenfeld von der Banc of America. "Wir hatten mehr erwartet."

Bei Hewlett-Packard kann keiner was dafür, dass man die Hoffnungen von Analysten und Anlegern nun enttäuscht hat. CEO Carly Fiorina nicht und auch Finanzchef Bob Wayman nicht. "Das IT-Umfeld ist einfach noch zu wacklig", gesteht Wayman ein, und auch Fiorina sagt: "Wir haben es nach wie vor mit einem schwierigen Umfeld zu tun." In diesem schwierigen Umfeld hat HP allein am heimischen US-Markt 8,2 Mrd. $ weniger abgesetzt als im vorhergehenden Quartal.

Doch haben sich Kunden nicht etwa für Konkurrenzprodukte entschieden, sie haben schlicht und einfach gar nichts gekauft. Eine relativ stabile Performance des Nasdaq-Index, der den breiten Markt in den letzten sechs Monaten deutlich hinter sich gelassen hat, beruht vor allem auf den optimistischen Prognosen vieler Analysten, die mit einer Verbesserung des IT-Geschäfts gerechnet und dies entsprechend in die Preise einbrachten hatten. Jetzt muss umgedacht werden.

"Es scheint, als würden wir doch in einen ,Double-Dip? schlittern", warnt Merrill Lynchs Hightech-Experte Steve Milunovich. "Die Schwäche bei HP wird sich im nächsten Quartal noch bei vielen anderen Unternehmen im Computerbereich zeigen." Milunovich senkt das Kursziel für HP von 24 $ auf 22 $.

Hewlett-Packard war das letzte der großen Hightech-Unternehmen, das Zahlen zum Quartal vorgelegt hat. Die Ertragssaison ist beendet. Nun kann Bilanz gezogen werden, und nach Auswertung der Daten und der bereits bekannten Zahlen aus der Branche fällt diese doch sehr pessimistisch aus. Mancher Analyst sieht das anders und verspricht, dass sich die Erholung eben in den nächsten drei Monaten oder im Quartal danach einstellen würde. Aber solche Töne hat man an der Wall Street schon zu oft gehört. Man kauft den Optimismus nicht mehr, und die Aktien von HP und einigen anderen Unternehmen der Computerbranche schon gar nicht.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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