Die Börsenkolumne aus New York
Wie McDonald's und der Irak die US-Börse bewegen

"Einen klaren Grund für die Verluste gibt es nicht", meint ein amerikanischer Online-Dienst am Dienstag mit Blick auf die US-Börsen. "Höchstens die Skepsis gegenüber der Entwicklung im Irak und die Warnung von McDonald?s könnten mit schuld sein, dass der Dow verliert." Könnten schuld sein? Keine Gründe? - Wenn dass keine Gründe sind, was dann?

Nun haben McDonald?s und die Irak-Krise im Allgemeinen nicht viel miteinander zu tun, doch sind sie am Dienstag ganz klar die Faktoren, die den Markt belasten. Dem profitschwachen Burger-Bräter fällt dabei noch die kleinere Rolle zu - Hauptthema auf dem Parkett ist einmal mehr der Irak, ist ein möglicher Golfkrieg. Die Marktbewegungen spiegeln deutlicher denn je die Gefühle der Anleger wieder.

Am Morgen hatte man Anzeichen einer Entspannung der Krise gesehen, nachdem der irakische Diktator Saddam Hussein erklärt hatte, man lasse nun doch UN-Waffeninspektoren ins Land, und zwar bedingungslos. Das ließ nach den entschlossenen Worten von US-Präsident Bush in der letzten Woche vor der UN-Generalversammlung einen Krieg erstmals wieder in einige Ferne rücken. Damit wäre einer konjunkturell gefährliche Ölpreis-Rallye zumindest die Dringlichkeit genommen, der Dollar könnte sich weiter stabilisieren - die Aktien stiegen.

Doch sah es nur wenig später gar nicht mehr so aus, als zeigten sich die USA auch nur ein kleines bisschen vom späten Okay aus Bagdad beeindruckt. Präsident Bush ließ bei einer Rede im Weißen Haus nicht erkennen, dass er seine Angriffspläne überdenken wolle, Finanzminister Paul O?Neill sagte in einem Fernseh-Interview, dass man die Regierung dennoch und auf jeden Fall stürzen müsse. Die Armee stationierte derweil erste B-2-Tarnkappenbomber auf der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean, was die Flug- und Angriffszeit auf den Irak um die Hälfte verkürzt.

Die Sorgen von Anlegern und Konjunktur-Zweiflern versuchte unterdessen der demokratische Kongress-Abgeordnete Ken Bentsen zu zerstreuen. Er hält unbedingte Rückendeckung für "was auch immer der Präsident entscheidet" für unerlässlich, und er weist ausdrücklich darauf hin, dass man sich einen Krieg auch finanziell leisten könne. Bentsen setzt die möglichen Kosten eines Krieges deutlich niedriger an als noch am Vortag Larry Lindsey. Der Chef-Wirtschaftler im Weißen Haus hatte einen Krieg mit 200 Mrd. $ beziffert. Andere Experten, darunter Bentsen, halten diese Zahl für überzogen. Der erste Golfkrieg - die "Operation Desert Storm" - hatte gerade einmal 60 Mrd. $ gekostet.

Angesichts eines Verteidigungshaushalts von 400 Mrd. $ und eines Etats für Innere Sicherheit von 40 Mrd. $ sind beide Zahlen nicht eben beeindruckend. Doch ist die Aussage von Bentsen und auch von anderen Abgeordneten insofern daneben, da sich Fragen über den Weitblick dieser Experten aufdrängen. Haben sie die Folgekosten vergessen, die durch einen hohen Ölpreis, einen schwachen Dollar und eine durch einen Krieg nicht zwingend stabilisierte Ökonomie entstehen? Sicher, ein schneller Sieg könnte das Verbrauchervertrauen erneut stärken, höhere Konsumentenausgaben könnten die Wirtschaft ankurbeln. Alles andere aber - zum Beispiel ein Gegenschlag des Irak und Verluste auf amerikanische Seite - könnten die Moral eines Landes noch weiter erschüttern und den Verbraucher endgültig lähmen.

Während man in Washington diese Sorgen nicht zu haben scheint, oder sie nicht öffentlich macht, lässt sich doch nicht leugnen, dass Anleger hinter das Kriegsgebrüll blicken und sich folgerichtig weiter aus dem Markt zurückziehen.

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