Die Börsenpläne des australischen Bordells Daily Planet geraten zum Treppenwitz
Eine weitere Aktie, die niemand braucht

Wegen des "starken Interesses der Investoren" sollen die Aktien des australischen Bordells Daily Planet nun schon Anfang 2003 an die Börse gebracht werden. Diese Meldung löst in den Investment-Abteilungen der Banken bestenfalls Kopfschütteln aus.

FRANKFURT/M. 3 000 Anfragen habe Daily Planet bereits von potenziellen Investoren erhalten, ließ die Unternehmensleitung verlauten und macht sich damit wohl selbst Mut. Wurden doch die bereits mehrfach in diesem Jahr geäußerten Börsenpläne des Bordells in Banken- und Börsenkreisen stets als schlechter Witz betrachtet.

Dieser Eindruck hat sich noch verstärkt, seitdem in der vergangenen Woche Daten zur Emission bekannt wurden. 40,4 % des Unternehmens sollen über die Börse verkauft werden, indem 17,8 Mill. Aktien zu je 50 Aussi-Cents ausgegeben werden. Die Emission hätte damit ein Volumen von 9 Mill. Aussi-Dollar, rund 5 Mill. Euro. Würden dann alle 3 000 Interessenten auch investieren, bliebe für jeden ein Anteil von 1 667 Euro. Investmentbanker halten sich die Bäuche vor Lachen.

Überhaupt zeigt sich im sehr schwachen Emissionsjahr 2002 weltweit der Trend, dass sehr viele kleine Unternehmen mit oftmals zweifelhaften Geschäftsmodellen an die Börse drängen. Die in den Boomjahren 1999 und 2000 oft bemühte Aussage, weniger Börsengänge würden ein Mehr an Qualität bringen, ist so längst ad absurdum geführt. Daily Planet beispielsweise will mit dem Emissionserlös unter anderem seine Schulden tilgen

.

Auch am deutschen Kapitalmarkt gab es in diesem Jahr bei Börsengängen wenig Qualität und noch weniger Masse. Unter den sechs Emissionen waren mit Uniprof Real Estate, VCH-Best of VC und Erotic Media drei, die lediglich zwischen drei und sechs Mill. Euro erlösten. "Ein solides Unternehmen geht für eine solche Summe zur Bank und nimmt einen Kredit auf", kommentierte kürzlich ein Investmentbanker die Qualität derartiger Emissionen.

Da für Großinvestoren solche Volumina uninteressant sind und Kleinanleger nach vielen Enttäuschungen Neuemissionen den Rücken zugekehrt haben, sind es vor allem namenlose Investoren aus der zweiten und dritten Reihe, die diese Emissionen zeichnen. Sie greifen auch zu, wenn der Ausgabepreis allgemein als vollkommen überteuert gilt. Das wiederum bestätigt den Eindruck, dass der Erlös künstlich in die Höhe getrieben werden sollte. Auf die Papiere des Stuttgarter Altbausanierers Uniprof oder des Bayreuther Dachfonds VCH-Best of VC hatte offenbar niemand gewartet. Rund 85 % verloren die einen, 30 % die anderen seit der Emission.

Das Investorenverständnis bei etlichen dieser Unternehmen ist ohnehin stark verbesserungswürdig. Erotic Media - die im November bislang letzte Emission am deutschen Aktienmarkt - hatte wenige Tage vor dem Börsenstart noch einen nahezu inhaltsfreien Internet-Auftritt. Die gerade mal 100 000 Aktien, die zu sündhaft teuren 30 Euro je Stück an den Anleger gebracht wurden, dienten einzig dem Zweck, am Kapitalmarkt gelistet zu sein und die noch im Besitz von Altaktionären befindlichen Papiere als Akquisitionswährung einsetzen zu können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%