Die Börsenprofis
Schlechte Zeiten in der Londoner City

So viel Bonuszahlungen wie im vergangenen Frühjahr haben die Banker in der City von London noch nie erhalten: 14 Mrd. Pfund waren es für das Jahr 2006. Doch die fetten Jahre sind vorbei. Die Branche hat sich bereits auf magere Zeiten eingestellt.

Manchmal schmerzt der Blick in die Vergangenheit. Wie gut ging es uns noch vor einem Jahr, welche Katastrophen sind seither über uns hereingebrochen, und wie trübe sieht die Zukunft aus. Die Journalisten der britischen Tageszeitung "Guardian" haben ausgerechnet, dass die Banker in der City von London im vergangenen Frühjahr Bonuszahlungen im Wert von 14 Mrd. Pfund für das Jahr 2006 kassiert haben. So viel wie noch nie - und fast ein Viertel mehr als 2005.

Weil der Guardian ein linksliberales Blatt ist, prangert er natürlich die Ungleichheit zwischen Arm und Reich auf der britischen Insel an. Aber auch die Banker leiden darunter, dass es immer mehr Banker gibt, die genau so reich wie sie selbst oder sogar noch reicher sind. Wer zum Beispiel erfahrene Matrosen für die Besatzung seiner Luxusjacht sucht, muss mittlerweile Liebhaberpreise bezahlen, und auf den neuen Rolls Royce wartet der geplagte Bonusmillionär wegen der hohen Nachfrage inzwischen fast genau so lange, wie einst der brave DDR-Bürger auf seinen Trabi - fünf Jahre nämlich.

Aber die Journalisten des "Guardian" können trotz dieser Superlative beruhigt sein. Falls sich die Subprimekrise und ihre Spätfolgen nicht sehr plötzlich in Wohlgefallen auflösen sollten, sind die fetten Jahre vorbei. 2007 werden die Boni schrumpfen und viele Investmentbanker die Arbeitslosenstatistik verlängern. Wer sich in diesen Tagen mit Managern aus der Branche unterhält, der bekommt auf die Frage nach der Krise immer wieder eine Antwort: "Unsere Kosten sind sehr flexibel". Will heißen, wenn das Geschäft nicht läuft, dann werden die Boni radikal zusammen gestrichen. Wenn das noch nicht reicht, setzt man so lange Leute auf die Straße, bis das Verhältnis von Kosten und Erträgen wieder stimmt.

Die Branche hat sich bereits auf die mageren Jahre eingestellt. Die Wirtschaftszeitung "City AM" ist im Gegensatz zum "Guardian" nicht ins linksliberale Lager einzuordnen, deshalb geben die Journalisten dieses Blattes eher praktische Ratschläge, wie mit dem Problem sinkender Boni umzugehen ist. Beispielsweise sollten Investmenbanker, die mit dem Gedanken spielen, sich scheiden zu lassen, sich besser schnell entscheiden, rät "City AM". Wer zu lange wartet, müsse sonst die ohnehin schon empfindlich niedrigere Ausschüttung auch noch mit dem nicht mehr ganz so geliebten Partner teilen.

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