Die Branche arbeitet an der Kapazitätsgrenze
Maschinenbau im Auftragsregen

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht nach schwierigen Jahren nun auf der Sonnenseite der Konjunktur. Der seit Monaten anhaltende Auftragsregen führt bereits zu Engpässen in der Produktion.

dpa FRANKFURT. Nach einer langen Phase massiven Personalabbaus fehlen nun die Fachkräfte. "Vor allem in Baden-Württemberg ist das ein gewaltiges Problem", berichtet der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Allein im Oktober kamen 15 % mehr Aufträge herein als vor einem Jahr. Mit der weiter verbesserten Wettbewerbsfähigkeit und dem günstigen Eurokurs im Rücken stiegen die Auslandsbestellungen sogar um 19 %. Im Inland lagen die Ordereingänge immerhin auch um 10 % über Vorjahresniveau. Diese günstigen Daten wurden auch nicht von Großaufträgen verfälscht: "Das war ein ganz normaler Monat", bilanzierte VDMA-Sprecher Alexander Batschari.

In weiten Teilen der Branche wird bereits an der Kapazitätsgrenze gearbeitet. Mit einer durchschnittlichen Auslastung von 90,3 % wurde der höchste Stand seit dem Einheitsboom 1990 erreicht. Spitzenreiter wie Hütten- und Walzwerkeinrichtungen haben sich sogar auf 96 % hochgeschraubt.

Baumschinen boomen im Export

Selbst der einstige Angstgegner Japan spielt für die Werkzeugmaschinenbauer kaum noch eine Rolle. Diese Edelsparte in Deutschlands wichtigster Schlüsselindustrie profitiert voll vom weltweiten Investitionsboom. Aber auch die Hersteller von Gummi- und Kunststoffmaschinen, die weltweit führenden Druckmaschinenproduzenten sowie Textilmaschinen gehören zu den Gewinnern. Selbst Baumaschinen gehören trotz der tiefen Krise am deutschen Bau über einen starken Export zu den florierenden Sparten.

Neben dem stabilen EU-Markt kommt den Maschinen- und Anlagenbauern der Aufbruch in den östlichen Nachbarstaaten von Polen bis Slowenien zugute. Auch der Ferne Osten läuft unvermindert gut. Die VDMA-Spitze warnt deshalb eindringlich ihre Mitgliedsfirmen, sich vom "süßen Gift" des niedrigen Euro-Kurses einlullen zu lassen. Die Unternehmen müssten jederzeit damit rechnen, dass der Kurs der Gemeinschaftswährung wieder anzieht.

Hausgemachte Probleme

Zentrales Thema sind derzeit die zunehmenden Engpässe. Nachschubprobleme bei Bauelementen für die Steuerung sind ein Grund. Weitere Ursachen sind eher hausgemacht: Zum Teil fehlen auch Komponenten aus der eigenen Branche. Zudem wirkt der drastische Fachkräftemangel wie eine Produktionsbremse. Vom Tiefpunkt im April mit 919 000 Beschäftigten sind die Belegschaften bis September erst wieder auf 935 000 aufgestockt worden. "Wir könnten mehr einstellen, bekommen aber keine geeigneten Leute", lautet deshalb das aktuelle Klagelied.

Gute Wachstumsraten prognostiziert

Das günstige Konjunkturklima für den Maschinenbau dürfte auch 2001 anhalten. Vor allem innerhalb Europas hat sich nach Meinung der Volkswirte der Dresdner Bank die Binnennachfrage spürbar verbessert. "Maschinen dürften 2000 und 2001 stärker als in den Vorjahren am Zuwachs der gesamtwirtlichen Ausrüstungsinvestitionen in der EU teilhaben." Sowohl für den deutschen wie für den europäischen Maschinenbau werden deshalb auch 2001 reale Wachstumsraten von 5 % prognostiziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%