„Die Brasilianer wissen, dass die Messlatte gegen Deutschland sehr hoch liegt“
Kahn hat WM-Titel „im Gefühl"

Für Dietmar Hamann kann das deutsche Nationalteam als jene Elf in die Geschichte eingehen, "die wirklich alles aus ihren Möglichkeiten gemacht hat". Für Oliver Kahn ist aber eine Voraussetzung für den finalen Erfolg, "dass jeder das Spiel seines Lebens macht". Und Bundestrainer Michael Skibbe schickt eine kleine Grußadresse an die Brasilianer: "Sie wissen, dass die Messlatte gegen Deutschland sehr hoch liegt."

SEOUL. Das WM-Endspiel zwischen der DFB-Auswahl und den Südamerikanern, das am Sonntag um 13 Uhr (live im ZDF) in Yokohama angepfiffen wird, weckt viele Erwartungen. Doch die erstickte Kahn am Donnerstag mehr oder minder im Keim: "Es ist gut möglich, dass sich beide Mannschaften total neutralisieren. So wie 1994, als es zwischen Brasilien und Italien auch nach 120 Minuten 0:0 stand." Der Gedanke an das staubtrockene WM-Finale vor acht Jahren ist in der Tat verdammt desillusionierend.

Andererseits geht nun einmal kein Weg an der Realität vorbei. Und die lässt nur wenig Spielraum für Hoffnungen auf ein mitreißendes Finale. Zum einen, weil die Möglichkeiten der Völler-Elf begrenzt sind, zum anderen, weil den Brasilianern nach den bisherigen Eindrücken wenig daran gelegen scheint, den Unterhaltungswert für die Zuschauer dauerhaft oben zu halten. Nach einer Führung setzt bei den Südamerikanern offenbar unverzüglich das ergebnisorientierte Denken ein.

Dietmar Hamann lobte das Team vom Zuckerhut dennoch für den "schönsten und besten Fußball bei dieser WM". Dass das Turnier generell längst nicht alle qualitativen Wünsche erfüllt habe, sei falsch. "Das sehe ich anders, das Niveau war sehr anspruchsvoll", befand Hamann. Kahn erklärte sogleich, wie sich der Fußball verändert hat. "Es ist unglaublich, mit welchem Tempo und mit welcher Athletik heute gespielt wird", referierte er. "Man muss viel schneller denken, weil man den Ball im Mittelfeld nicht mehr in Ruhe annehmen kann, um dann mit dem Außenrist einen schönen Pass zu schlagen. Da kommen immer zwei, drei Leute, die grätschen."

Einer, der am Sonntag beim Grätschen nicht mitmachen wird, ist der gesperrte Ballack. Für ihn könnte Jens Jeremies in die Anfangself rutschen: "Der hat viel Power", sagt Skibbe. Darüber hinaus sind Umstellungen gegenüber dem Halbfinale eher unwahrscheinlich. "Mein Gefühl sagt mir, dass wir Weltmeister werden. Fragen Sie mich nicht, warum", sagte Kahn.

Falls es klappt, würde Ausrüster Adidas den Spielern bald den vierten Stern auf die Trikotbrust heften - für jeden WM-Titel einen.

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