Die Bundesliga verdient gut an der Kooperation mit Kirch
Grundversorgung zur besten Sendezeit

Der Untergang des Abendlandes steht nicht bevor, wenn Sat 1 seine Kicker-Show "ran" am kommenden Samstag erstmals ab 20.15 Uhr zeigt.

DÜSSELDORF. Und auch die viel beschworene Grundversorgung mit Fußball-Häppchen ist für Michael Meier nicht in Gefahr: "Wenn der Bundesbürger zur besten Sendezeit "ran" sehen kann, dann ist er mehr als grundversorgt", glaubt der Manager des Bundesligisten Borussia Dortmund, der auch im Vorstand des neuen Liga-Verbandes sitzt. Dass die Live-Begegnungen nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sind, stört Meier ebenfalls nicht. In Ländern wie Großbritannien und Frankreich sei das schon länger üblich, und die Zuschauer müssten dort sogar mehr bezahlen als hier zu Lande.

Die Bundesligavereine verdienen gut an ihrem Vertrag mit der Münchener Kirch-Gruppe, Kritik an deren Sendepolitik ist von ihnen deshalb nicht zu erwarten. Von den 750 Mill. DM, die Kirch für die TV-Rechte zahlt, gehen 80 % an die Klubs der ersten und 20 % an die der zweiten Liga. Die 18 Vereine der ersten Liga wiederum teilen die Hälfte der ihnen zustehenden Summe zu gleichen Teilen unter sich auf, während die restlichen 50 % leistungsbezogen vergeben werden. Hier zählen die sportlichen Erfolge der letzten drei Jahre und der aktuelle Tabellenstand. Borussia Dortmund kassierte aus dieser Quelle laut Meier in der abgelaufenen Saison rund 34 Mill. DM.

Ob allerdings auch die Fans das künftige Sendeschema akzeptieren, bleibt abzuwarten. Selbst "ran"-Moderator Jörg Wontorra hat erste Zweifel angemeldet. Wegen der Schulferien rechne er zunächst mit bescheidenen drei Millionen Zuschauern. "Aber wenn es in den Wintermonaten immer noch nicht mehr sind, bin ich sehr enttäuscht", betonte der 52-Jährige. In der vergangenen Saison lockte "ran" um 18.30 Uhr im Schnitt knapp fünf Millionen Fußballbegeisterte vor die Mattscheibe.

Einige Anhänger, so Bayer Leverkusens Fanbeauftragter Andreas Paffrath, werden künftig am Samstagabend wohl lieber ins Kino oder in den Biergarten gehen, anstatt Sat 1 einzuschalten. Das kann jenen Firmen, die ihr Logo auf die Trikots der Bundesligisten drucken, nicht egal sein. "Wir haben schon ein Interesse daran, dass unser Trikot auch gesehen wird", sagt Willy Lünstroth, Pressereferent bei der Victoria Versicherungen AG. Das zum Ergo-Konzern gehörende Düsseldorfer Unternehmen unterstützt ab Saisonbeginn Schalke 04 für drei Jahre als Hauptsponsor. "Wir sehen zu, dass wir die Masse erreichen. Das schafft man mit dem Pay-TV natürlich nur bedingt", so Lünstroth.

Besser stehen die Firmen da, deren Name schon eng mit dem Fußball verknüpft ist. "Unser Firmenname taucht im Vereinsnamen auf, unser Stadion heißt ,BayArena?. Die Zuschauer können uns deshalb auch in der Presse nicht übersehen", sagt Meinolf Sprink, Sportbeauftragter der Bayer AG.

Auch beim Autobauer Opel, dessen Schriftzug seit Jahren das Trikot von Bayern München ziert, sieht man der neuen Fernsehära gelassen entgegen. "Natürlich werden wir das von Marktforschern untersuchen lassen", sagt Dieter Meinhold, in Rüsselsheim für die Sportkommunikation zuständig. Merklich schlechtere Werte erwartet er aber nicht: "Wir sehen das Ganze allein schon deswegen gelassen, weil der FC Bayern das Zugpferd schlechthin ist und immer Zuschauer generieren wird." Die Sorge, dass jüngere Zielgruppen abspringen, teilt Meinhold nicht. "Die Jugendlichen, die samstags in die Disco wollen, ziehen doch eh nicht vor 22 Uhr los."

Für den echten Fan ist die ganze Diskussion ohnehin überflüssig wie ein Kropf. Die 90-Sekunden-Berichte, die die Tagesschau zeigen will, seien keine echte Konkurrenz für "ran", sagt der Fanbeauftragte Paffrath. Er wolle auch die Situationen sehen, aus denen heraus die Tore fallen. Seinen Premiere-Decoder nutzt der Leverkusener allerdings kaum: "Ich bin ohnehin an jedem Spieltag im Stadion, da kann ich mir die Begegnungen nicht gleichzeitig im Fernsehen anschauen."

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