Die Bundesregierung will mit den beiden Gesetzen den Strom aus umweltfreundlichen Energiequellen fördern.
Stromversorger planen Preiserhöhung wegen staatlicher Auflagen

dpa MÜNCHEN/HANNOVER. Die führenden deutschen Energiekonzerne bereiten eine Erhöhung der Strompreise vor. Begründet wird dies mit den finanziellen Belastungen aus den neuen Gesetzen zur Förderung der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Kraftwerken.

Einen Tag nach der ersten Ankündigung einer Preiserhöhung durch den Dortmunder Versorger VEW bestätigte die Eon Energie AG (München/Hannover) als Deutschlands größter Versorger entsprechende Überlegungen. Die künftig mit VEW verschmolzene RWE in Essen prüft ebenfalls eine "Anpassung" der Preise. Die Energie-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM/Kassel) erhöht den von einem Drittel ihrer 677 000 Kunden genutzten Vario-Tarif zum 1. September um 1,26 Pfennig je Kilowattstunde.

Die Berliner Veag hat den Regionalversorgern Anfang August stabile Preise bis Ende 2001 zugesichert. Bei Preiserhöhungen anderer Unternehmen werde der derzeit einen halben Pfennig je Kilowattstunde teurere Braunkohlestrom wettbewerbsfähiger, hieß es. Die Berliner Bewag will zunächst den Markt beobachten. Man sei zwar unter Kostendruck geraten, aber wer erhöhe, verliere Marktanteile.

Es gäbe "derzeit keine konkretisierten Pläne", sagte ein Eon - Sprecher der dpa. Aber Eon prüfe natürlich die politisch gewollten Mehrbelastungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das KWK- Gesetz der rot-gründen Regierungskoalition in Berlin. "Diese Prüfung kann durchaus zu dem Ergebnis führen, dass die uns auferlegten Umlagen an die Kunden weitergegeben werden müssen", sagte der Sprecher. Wie stark eine mögliche Preiserhöhung bei Eon und seinen Versorgungstöchtern ausfallen könnte, wollte er nicht sagen.

VEW hat nach eigenen Angaben bereits grünes Licht von der staatlichen Preisaufsicht in Nordrhein-Westfalen und wird von September an den Strom der Marke "evivo" um 1,7 Pfennig pro Kilowattstunde verteuern. Bei einem Jahresverbrauch von 3 000 Kilowattstunden erhöht sich damit die Rechnung im Monat um 4,35 DM.

Bei den Hamburgischen Electricitäts-Werken (HEW) sind die Überlegungen noch nicht abgeschlossen. Die zusätzlichen Belastungen durch den Gesetzgeber betragen laut HEW-Sprecher Johannes Altmeppen in diesem Jahr rund 200 Mill. DM. Da die Zeiten des Monopols jedoch vorbei seien, könnten solche Kosten nicht einfach an den Endkunden durchgereicht werden. "Die Kosten sind die betriebswirtschaftliche Seite, aber die Preise bilden sich am Markt", sagte Altmeppen.

"Wir rechnen mit einer Entscheidung noch in diesem Jahr", sagte ein Sprecher des drittgrößten deutschen Stromversorgers, der Energie Baden-Württemberg (EnBW/Karlsruhe). In der Summe seien durch das KWK pro Jahr zusätzliche Belastungen im dreistelligen Millionenbereich zu erwarten, hieß es.

Ein Strommanager verwies darauf, dass auch die Mineralölindustrie staatliche Belastungen, wie etwa eine Erhöhung der Mineralölsteuer, stets gemeinsam auf die Verbraucherpreise umlege. Hinzu komme, dass seit dem Ende der Versorgungs- und Gebietsmonopole auf dem deutschen Strommarkt die Preise rapide gesunken seien. Damit sähen die Konzerne kaum noch Spielraum, um Belastungen aus staatlichen Auflagen zu verkraften.

Die Bundesregierung will mit den beiden Gesetzen den Strom aus umweltfreundlichen Energiequellen und die rationellere Energieerzeugung in Deutschland fördern. Das Erneuerbare-Energien- Gesetz sieht eine garantierte Einspeisung von Strom aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme in die Netze der großen Versorger vor, und das zu Preisen, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen ermöglichen. So gelten für Windkraftanlagen je nach Standort Vergütungssätze zwischen 12,1 Pfennig und 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde vor. Solarstrom muss mit 99 Pfennig vergütet werden.

Mit dem KWK-Gesetz werden Netzbetreiber verpflichtet, den Strom von KWK-Anlagen abzunehmen und ihn mit neun Pfennig pro Kilowattstunde zu vergüten. Dieser Betrag soll jährlich um einen halben Pfennig sinken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%