Die Cebit zwischen Mobilfunk und Mainframe
Telekommunikation ist erstmals größter Messeschwerpunkt

Die Cebit liebt in diesem Jahr die Extreme. Entweder ganz klein oder ganz groß muss es sein: Neue Anwendungen fürs Handy und die Rückkehr von Großrechnersystemen sind zwei wesentliche Trends der weltgrößten Computermesse, die am Mittwoch nächster Woche mit der Rekordzahl von 8.152 Ausstellern in Hannover beginnt. Um den guten alten PC ist es hingegen still geworden; hier gibt es bei rückläufigen Verkaufszahlen kaum noch grundlegend neue Funktionen.

WiWo/ap FRANKFURT/M. Just während der acht Cebit-Tage erwartet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), dass weltweit eine Milliarde Menschen mobil telefonieren können. Das Internet am PC wird hingegen weltweit erst von 500 Millionen Menschen genutzt - das sind gerade mal 8 Prozent der 6,2 Milliarden Erdbewohner. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 77 Millionen PCs neu installiert, aber 231 Millionen Mobilfunkanschlüsse eingerichtet.

Gemessen an der Bevölkerungszahl haben die 56,3 Millionen Handy-Nutzer in Deutschland inzwischen auch die Amerikaner überrundet. "Deutschland konnte im vergangenen Jahr insbesondere gegenüber den USA einiges an Boden gut machen", erklärt BITKOM-Präsident und Siemens-Vorstand Volker Jung. Die trotz konjunktureller Flaute im vergangenen Jahr weiter gewachsene Bedeutung des Mobilfunks kommt auf der Cebit schon bei der Aufteilung der Standflächen zum Ausdruck: An der Gesamtfläche von 433.106 Quadratmeter - rund 60 Fußballfelder - hat die Telekommunikations- und Netztechnik mit 33 Prozent erstmals den größten Anteil.

An zweiter Stelle folgt die Informationstechnik (Computer, Bauteile und Zubehör) mit 29 Prozent vor Software und Internet-Lösungen mit 27 Prozent. Allerdings sind die Grenzen zwischen den Teilbranchen fließend geworden. Der Mobilfunk drängt in seiner dritten Netzgeneration immer stärker ins Internet. Die mobile Breitbandkommunikation mit UMTS soll all diejenigen positiv überraschen, die WAP - also das mobile Internet im herkömmlichen GSM-Netz - nur spöttisch mit "Wait and Pay" (warten und bezahlen) übersetzen können.

Bei D2 Vodafone werden zurzeit UMTS-Anlagen in München und Düsseldorf getestet. "Nach dem derzeitigen Stand gehen wir davon aus, dass wir unsere UMTS-Netze in den ersten Ballungsgebieten im Herbst dieses Jahres starten werden", erklärt Firmensprecher Heiko Witzke. MobilCom, das auch in der zweiten Jahreshälfte seinen UMTS-Betrieb aufnehmen will, gibt sich ebenfalls zuversichtlich angesichts eines "zügigen Fortschritts beim Netzaufbau". Der deutsche Branchenführer T-Mobile ist noch bis Ende des Jahres mit dem Aufbau von UMTS-Antennen und Basisstationen beschäftigt, gestartet werden die neuen Dienste dann im nächsten Jahr.

Auf der Cebit werden erste UMTS-Handys zu sehen sein - und Hinweise auf die Geschäftsmodelle, mit denen die Mobilfunkanbieter in die UMTS-Ära starten werden. Angebot und Preisgestaltung entscheiden darüber, ob die sechs UMTS-Lizenznehmer in Deutschland ihre Investitionen von insgesamt rund 50 Millionen Euro allein für die Lizenz wieder hereinholen können. Auf den UMTS-Displays sollen neben den Angeboten spezieller Internet-Portale vor allem MMS, also der Multimedia-Nachfolger von SMS, und Videos auftauchen.

Einen ersten Geschmack soll der iMode-Dienst von E-Plus geben, der zur Cebit vorgestellt wird und bis zur UMTS-Einführung zunächst im zehn Jahre alten GSM-Netz mit dem schnelleren Übertragungsstandard GPRS startet.

IT-Dienste so selbstverständlich wie Strom und Wasser

So klein und bunt die schöne neue Mobilfunkwelt auch werden mag - im Hintergrund sind immense Computerkapazitäten erforderlich, damit die Millionen Handy- und andere Nutzer zu jeder Zeit und an jedem Ort auf die gewünschten Daten zugreifen können. Hier ist zur Cebit ein Comeback des alten Mainframe-Modells zu beobachten, also der zentralen IT-Verwaltung mit Hilfe eines Großrechners.

Dieser galt lange als zu schwerfällig, zu teuer und als ungeeignet für das dezentrale Internet mit seinen offenen Standards. Inzwischen aber schätzen viele große Organisationen wieder die höhere Stabilität und Sicherheit von Großrechnern, in denen 30 und mehr Prozessoren auf beliebig riesige Datenbanken zugreifen können. Vor allem aber könnten Mainframes von weniger Technikern betreut werden als eine Vielzahl von Servern, erklärt Compaq-Sprecher Herbert Wenk.

"Die Zahl der ausgelieferten Server hat mit dem Angebot an verfügbaren Systemadministratoren nicht Schritt gehalten." In Hannover zeigen große Computerhersteller wie Fujitsu-Siemens denn auch mit neuem Stolz ihre dicken Mainframes und "Enterprise Server". Solche Großrechner, zum Teil unter dem freien Betriebssystem Linux, sind unter anderem beim Versicherungskonzern Gerling oder auch beim Deutschen Fußballbund (DFB) im Einsatz.

"Man zentralisiert wieder", sagt der Geschäftsführer der Gerling-Technik-Tochter GKI, Wolfgang Schön. "Datenschutz und Ausfallsicherheit sind zentral besser zu managen. Und die Großrechner von damals sind mit den heutigen nicht mehr vergleichbar." Branchenprimus IBM geht noch einen etwas anderen Weg: Hier sollen die Rechenzentren der Unternehmen von allen Computern leer geräumt werden. Stattdessen können Rechenleistung und Speicherkapazität über weltweit vernetzte Großrechner von IBM geordert werden. Dieses Konzept vom "Grid Computing" verbindet IBM mit der schönen Vorstellung, dass die Kunden auf IT-Hardware und-Anwendungen einmal so selbstverständlich zugreifen können wie auf Strom und Wasser.

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