Die Clubs auf der Insel hängen wirtschaftlich den Rest Europas ab
Punktsieg für Englands Fußball

Zwar hat die ARD den Song "Football?s coming home" für ihre Bundesliga-Sendung mit der Hermes House Band neu aufgenommen. Doch scheint die Musik im Fußball immer mehr in seinem wahren Mutterland zu spielen, zumindest was die Kunst der Vermarktung angeht.

DÜSSELDORF. "Es ist fast schon alarmierend, wie weit die Premier League den anderen großen europäischen Ligen enteilt", sagt Stefan Ludwig, Senior Manager bei Deloitte & Touche Sport. Zu diesem Ergebnis kommt die neue "Football Finance"-Studie seines Unternehmens. Die Berater haben zum zwölften Mal Englands Fußballszene im Speziellen und diesmal auch die europäischen Ligen im Vergleich betrachtet. Da die Jahresabschlüsse der Clubs die Grundlage der Studie sind, beziehen sich die Zahlen auf die Saison 2001/02.

Ergebnis: Der englische Fußball dominiert finanziell in Europa. Ob bei den absoluten Einnahmen für TV-Rechte oder beim Ticketverkauf (siehe Grafik), auf der Insel rollt der Rubel. Einzig bei den Sponsoring-Einnahmen führt die Bundesliga. "In England wird sehr marktwirtschaftlich und kundenorientiert gearbeitet", sagt Ludwig. Dies schlägt sich im Betriebsergebnis - vor Abschreibungen auf die Spielertransfers - nieder: Die Erstliga-Clubs erwirtschafteten 2001/02 rund 130 Mill. Euro (Vorjahr: 125 Mill.), die der Bundesliga immerhin 100 Mill. (Vorjahr: 87 Mill.) Euro. Die Betriebsverluste der italienischen Vereine stiegen von 216 auf 404 Mill. Euro, die der französischen von 41 auf 98 Mill. Euro.

Bestes Beispiel für Englands Vorreiterrolle sind die so genannten spieltagsbezogenen Einnahmen, vor allem Tickets, Logen und Verköstigung. Diese Erlöse werden in Zeiten sinkender TV-Einnahmen immer wichtiger. In der Premier League stiegen sie auf 322 Mill. £ - dreimal so viel wie in der Bundesliga. Im Durchschnitt schauten 34 000 Fans die Spiele, die Stadien sind zu 93 % ausgelastet. Weil die Nachfrage das Angebot regelmäßig übersteigt, sind die Preise fast doppelt so hoch wie in Deutschland. "Die Fankultur in England ist eine ganz andere", weiß Robert Müller von Vultejus, Geschäftsführer der Agentur Sportfive (die unter anderem den Hamburger SV vermarktet). Auch die Gastronomie bekomme die intensiviere Fankultur zu spüren. Engländer bleiben nicht nur länger im Stadion, sie verzehren auch mehr.

Zudem findet der zahlungskräftige Fan auf der Insel ein breiteres Angebot. "In Deutschland kann der Kunde in aller Regel entweder eine Loge mieten oder eine Karte im Business-Bereich kaufen", sagt Ludwig. In England hingegen gebe es unterschiedliche Business-Bereiche mit einer "größeren Segmentierung" - von relativ günstigen Plätzen zum VIP-Einsteiger-Tarif bis zu exklusiven Angeboten. Ludwigs Fazit: England sei auch hier vier bis fünf Jahre voraus. Müller von Vultejus sieht das anders: Mittlerweile seien die deutschen Stadien so modern, dass die Angebote im Logenbereich "höherwertig" seien. Ein Nachteil aber bleibe: "Die Premier League ist eine internationale Angelegenheit, die Bundesliga eine nationale."

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