Die Conject AG aus München macht der Bauindustrie das Internet schmackhaft
Der Weg zur Netzbaustelle ist noch steinig

In der Bauindustrie werden große Summen bewegt; der Abstimmungsbedarf ist gewaltig, die Margen sind niedrig, der Kostendruck immens. In diesem hart umkämpften Markt will das Münchner Unternehmen Conject eine profitable Nische besetzen: die Projektkoordination und Beratung durch das Internet. Das Unternehmen, das im April gegründet wurde, will bereits im nächsten Jahr an die Börse. Zurzeit bestimmen mit Wagniskapital finanzierte Unternehmen den Markt; auch die Konzerne wollen indes eigene Plattformen entwickeln. Vor allem die Walter Bau Holding will gemeinsam mit der Telekom den Markt aufrollen.

HB DÜSSELDORF. Martin Reents, Vorstandsvorsitzender der Conject AG will dem Unternehmen in wenigen Monaten einen Milliardenmarkt erschließen. Zur Begründung verweist er darauf, wie schlecht des der Bauindustrie geht. Was wie ein Paradox wirkt, hat seine eigene Methode. Der ehemalige Berater bei McKinsey in München sieht einen Zusammenhang zwischen den Problemen "30 Prozent der Insolvenzen kommen aus der Baubranche" und dem Potenzial "10 Prozent des Bruttosozialproduktes fließt in Bauprojekte" der Branche. "Auto- und Stahlindustrie haben den Wandel geschafft", sagt er im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Nur die Bauindustrie nicht. Der Grund liegt darin, dass sie zu fragmentiert ist."

An dieser Stelle setze Conject an. Virtuelle Projekträume seien auf ideale Weise dazu geeignet, die Abstimmung zu erleichtern und auf diese Weise die Kosten zu senken, meint Reents. Ausschreibungen via Download und Beratung ergänzten das Angebot. Bis zu 30 Prozent des Bauvolumens lassen sich nach Reents Worten auf diese Weise einsparen. Marktplätze seien gegenüber dem Projektmanagement in der Bauindustrie hingegen von geringer Bedeutung.

Zielgruppe sind private Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von mehr als 1 Mill. DM. Schon jetzt wird Unternehmensangaben zufolge ein Bauvolumen in Höhe von 200 Mill. Euro auf der Internetplattform betreut. Derzeit befinde man sich in Verhandlungen über weitere 700 Mill. Euro, sagt Reents. Im kommenden Jahr peile Conject 8 Mill. DM Umsatz an; 2002 sollen es, nachdem zur Jahresmitte der break-even avisiert ist, bereits 20 Mill. DM sein.
"Unser Börsengang kommt Ende nächsten Jahres oder Anfang 2001, denn eine Internationalisierung ist mit organischem Wachstum schwer möglich." Bis Mitte nächsten Jahres werde das Unternehmen noch mit 8 Mill. DM Wagniskapital auskommen, die im Juni von Earlybird und Bain & Company zur Verfügung gestellt worden seien, überschlägt Reents. Zurzeit laufe allerdings auch schon eine zweite Finanzierungsrunde.

Von Mitbewerbern will sich Conject durch Neutralität und einen strategischen Ansatz abheben. "Wir sind deshalb einzigartig, weil den Restrukturierungsgedanken von Anfang an berücksichtigt haben", sagt Reents.

Marktplätze helfen der Industrie kaum weiter

Anders als in anderen Branchen spielen Einkaufsplattformen in der Bauwirtschaft bislang keine große Rolle. Branchenkenner halten die geringen Margen für ausschlaggebend. Um das Einkaufsnetz B2Build, das in den wichtigsten Staaten Europas den Markt aufmischen sollte, ist es mittlerweile sehr ruhig geworden. Mühl 24, ein Ableger des Großhandelsunternehmen Mühl, ist bislang über eine Adaption des Versandhandels im Internet nicht hinaus gekommen. Ein Unternehmen, das es mit dem US-Vorbild Buildpoint aufnehmen könnte, ist derzeit nicht in Sicht.

Inhaltsorientierte Angebote wie Baunetz erfreuen sich zwar vergleichsweise hoher Zugriffszahlen, bieten aber kaum mehr als Datenbanken. Mehr Dynamik versprechen sich Branchenkenner vom so genannten Collaboration, also der Zusammenarbeit über das Netz mit Dokumentenaustausch und Projektmanagement.

Ausländische Unternehmen und Konzerne entdecken den Markt

Deutlich länger als Conject ist bereits das Unternehmen Citadon (zuvor Blue Online, fusioniert mit Bidcom) in diesem Markt aktiv. Citadon kommt Unternehmensangaben zufolge weltweit auf ein Projektvolumen von 110 Mrd. $. Das Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco unterhält bereits Ableger in Großbritannien, Deutschland und Hongkong. Vor einer weiteren Expansion muss das Unternehmen allerdings zunächst die Fusion verdauen.

Als Pionier gilt in der Branche das US-Unternehmen Buildnet, das bereits 1995 an den Start ging und sich auf privaten Wohnungsbau spezialisiert hat. Starkes Wachstum verzeichnet derzeit auch das belgische Unternehmen Casius, das ebenfalls im Segment des privaten Wohnungsbaus aktiv ist und auf seinen Webseiten Angebot und Nachfrage bei Bauprojekten bündelt. Im Dezember 1999 gestartet, hat Casius mittlerweile schon Ableger in Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Italien.

Als wichtigsten Wettbewerber sieht Conject derzeit in Deutschland das Unternehmen Iscraper an. Das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen wird wie Conject mit Venture Capital finanziert. Partner sind Apax und auch Softbank; zurzeit läuft die dritte Finanzierungsrunde. Neben den USA ist Iscraper auch in Großbritannien, Deutschland und Isreal vertreten. Michael Scholl, Projektmanager für Deutschland, sagt, das Unternehmen habe seit dem Start Anfang des Jahres ein Volumen von 500 Mill. DM gewinnen können.

Auch das Neue-Markt-Unternehmen Nemetschek ist über Planungssoftware für Architekten in den Markt vorgestoßen. Die neue Internettochter Mybau.com soll zum führenden Marktplatz der Baubranche ausgebaut werden. Wie ein Mitarbeiter Handelsblatt.com sagte, wird das Angebot, das am 8. November in München der Öffentlichkeit vorgestellt wird, aus drei Bereichen bestehen, und zwar Inhalten von Kooperationspartnern, Mietsoftware und einem Transaktionsbereich. Das seit Mai aktive Unternehmen werde im November allerdings nicht viel mehr als ein "Ankündigungsstadium" zeigen können.

Schließlich haben inzwischen auch die großen Baukonzerne das Internet entdeckt. Vor einigen Monaten hat Hochtief bereits ein Joint-Venture mit verschiedenen ausländischen Partnern angekündigt. AECventure.com hat seinen Sitz in Boston; der deutsche Markt spielt eher eine geringe Rolle.
Conject-Gründer Reents glaubt generell nicht, dass die Konzerne selbst, selbst wenn sie es wollten, eine große Rolle spielen können. "Die meisten Unternehmen entwickeln, mehr oder weniger verdeckt, Lösungen für den Hausgebrauch. Da hilft auch die Rede von Standards nicht weiter." Außerdem schrecken seiner Meinung nach Unternehmen davor zurück, der Konkurrenz sensible Daten zu übermitteln.

Auch Iscraper-Manager Scholl sieht das Hochtief-Engagement eher skeptisch. Mehr Zutrauen hat er in ein neues Projekt, das Walter Bau und Telekom gemeinsam initiiert haben. Noch sei zwar nicht viel bekannt, aber Scholl sagt, allein die Partnerschaft mit der Telekom nötige ihm Respekt ab.

Walter Bau und Telekom wollen den Markt aufrollen

Das Portal, dessen Name noch nicht endgültig fest steht, soll nach den Worten des Geschäftsführers noch in diesem Jahr online gehen. Der Brancheninsider, der sein neues Amt erst Anfang November antreten wird und deshalb nicht namentlich genannt werden will, hat ein ehrgeiziges Ziel. Innerhalb kurzer Zeit soll das Angebot Marktführer in Europa werden. Geboten werden drei Zentralfunktionen. Eine Ausschreibungsplattform soll die Vergabe von Leistungen an Subunternehmer ermöglichen, Projektkommunikation und eine Beschaffungsplattform runden die Serviceleistungen ab.

Die Kooperation mit der Telekom, die widerum eine Partnerschaft mit Commerce One unterhält, soll für Sicherheit der Daten und Neutralität sorgen. Denn das Portal soll nicht nur offen sein für die rund 11 Mrd. Bauvolumen, die die Walter Gruppe derzeit abwickelt. Schon in drei bis vier Jahren hofft der Geschäftsführer auf 30 bis 40 Mrd. DM, die über die Plattform laufen sollen.



Keine Akquisitionen geplant

Das Bauportal will dieses Wachstum aus eigener Kraft erreichen. Zukäufe sind nicht geplant, da es derzeit keinen Wettbewerber gebe, der einen bedeutsamen Marktanteil halte. Nach den Worten des Geschäftsführers ist das World Wide Web für die Baubranche ein Segen. "Das Internet ist ohne infrastrukturelle Vorleistungen verfügbar, davon schwärmen alle Baubosse." Kleine Einschränkungen will der Geschäftsführer bald ausräumen. "Der nächste Schritt wird sein, dass wir gemeinsam mit der Telekom alle Baucontainer mit T-DSL ausstatten."

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