Die D-Mark ist auch auf dem Balkan weit verbreitet
Angst in Osteuropa vor Euro-Fälschern

Dragan Vuksanovic nimmt einen kleinen, grünen Fünf-Mark-Schein in die Hand, hält ihn prüfend gegen das Licht und raunt anerkennend: "Gutes Geld, viel besser als der Dinar." Die jugoslawische Währung, offizielles Zahlungsmittel in Serbien, will der montenegrinische Taxifahrer nicht mehr zurück haben. "Seitdem es hier die D-Mark gibt", so Vuksanovic, "sind die Preise stabiler." "Aber", setzt er weniger euphorisch hinzu, "die D-Mark ist bald weg."

19. 6.2001 BERLIN. Tatsächlich kann die kleine jugoslawische Teilrepublik Montenegro seit der Einführung der D-Mark als alleiniges Zahlungsmittel erste Erfolge an der Preisfront verzeichnen. Im November 1999 galt der Dinar noch gleichberechtigt neben der D-Mark, aber schon ein Jahr später musste die ungeliebte, weil vom Krieg arg zerzauste Belgrader Währung komplett aus dem bergigen Montenegro weichen.

Die Umstellung auf den Euro erwartet das Gros der rund 650 000 Bewohner der Teilrepublik mit Skepsis. Nicht nur, weil damit innerhalb von drei Jahren schon in der dritten Währung in Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, gerechnet wird. Sorge bereitet, dass der Euro sich als deutlich schwächer als die DM erweisen könnte. Zudem müssen erneut die Geldbestände getauscht werden, und erneut besteht damit sowohl für unseriöse Händler über hohe Gebühren, aber auch für Fälscher die Gelegenheit, an der Wechselaktion kräftig mitzuverdienen.

Diese Befürchtungen kennen auch die Mitarbeiter der Frankfurter Bundesbank. Doch deren Mandat endet mit der physischen Bereitstellung des Euros "ab Rampe", wie es im Fachjargon heißt. "Wir erbringen keine weiteren Dienstleistungen", sagt Jürgen Sterlepper, Leiter der Abteilung Technische Zentralbank-Kooperation der Bundesbank. Wie der Umtausch dann vor Ort abgewickelt wird, ist Sache der jeweiligen nationalen Institute.

Rund ein Drittel der umlaufenden Bargeldmenge von 280 Mrd. DM befindet sich im Ausland. Montenegro spielt dabei mit geschätzten 300 Mill. DM eine untergeordnete Rolle, das Kosovo, wo die D-Mark ebenfalls alleiniges Zahlungsmittel ist und Serbien, eine schon größere. 9 Mrd. DM sind nach Aussage der Belgrader Zentralbank in Jugoslawien "unterwegs".

Auf dem Balkan ist die D-Mark traditionell beliebt. Schon in der Vergangenheit haben die Gastarbeiter für einen steten DM-Zufluss gesorgt, wenn sie ihren Verdienst aus Deutschland in die Heimat transferierten. Und je politisch instabiler eine Region war, desto mehr Bedeutung gewann eine Fremdwährung als Wertaufbewahrungsmittel. Das gilt auch für Polen. Zwar ist hier der Trend zur D-Mark wegen der relativ stabilen Landeswährung Zloty etwas zurückgegangen. Aber gerade in den Grenzregionen, in Westpolen und Schlesien, spielt die D-Mark wegen der Verbindungen zum Nachbarland weiterhin eine wichtige Rolle. Nach Angaben der polnischen Nationalbank sind im gesamten Bankensektor des Landes derzeit 187 Mill. DM an Bargeld im Umlauf. Über die zusätzlichen Geldmengen im Besitz von Privatpersonen gibt es indes nicht einmal grobe Schätzungen

.

Für den Geldumtausch existiert aber immerhin ein konkreter Zeitplan. Von Herbst 2001 bis zur Jahresmitte 2002 sollen die DM-Scheine und Münzen eingesammelt und nach Deutschland gebracht werden. Ab Dezember 2001 werden die Nationalbank und die Geschäftsbanken dann Euro-Scheine und Münzen abholen und sie vom 1. Januar 2002 an an die Kunden ausgeben. Eine Umtauschgebühr ist in Polen zulässig. Bereits jetzt wurde eine breit angelegte Informationskampagne gestartet, um die Polen über das Aussehen und die besonderen fälschungssicheren Merkmale der Euro-Scheine aufzuklären.

Die Bankiers von Bundesbank und Europäischer Zentralbank räumen allerdings ein, dass insbesondere in Russland und der GUS gut sieben Monate vor der Umstellung auf den Euro noch immer zu wenig über die neue Währung bekannt ist. Eine Informationskampagne im Sommer und im Herbst soll auch hier dieses Defizit beseitigen.

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