Die Demokraten gewinnen nicht mehr automatisch die Stimmen der Minderheiten
Bush und Kerry umgarnen die Farbigen

Latinos und Schwarze sind beim Kampf ums US-Präsidentenamt das Zünglein an der Waage. Ohne die Entwertung tausender Stimmen von Farbigen wäre Bush wohl nicht zum mächtigsten Mann der Welt aufgestiegen.

HB WASHINGTON. Bürgerrechtsgruppen erinnern daran, dass George W. Bush wahrscheinlich nicht ins Weiße Haus eingezogen wäre, wenn vor vier Jahren im Bundesstaat Florida nicht mehr als 95 000 Stimmen von Schwarzen als ungültig gewertet worden wären. Bush gewann damals mit dem hauchdünnen Vorsprung von 537 Stimmen.

Traditionell wählt die schwarze Bevölkerung mehrheitlich die Demokraten. Vor vier Jahren stimmten für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Al Gore neun von zehn Schwarze. Für den jetzigen demokratischen Herausforderer John Kerry müsste diese Wählergruppe eigentlich ein Heimspiel sein. Die Arbeitslosigkeit unter Schwarzen ist mit 10,4 Prozent fast doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt. Außerdem ist die schwarze Bevölkerung nach Umfragen vor allem auf soziale Themen wie Gesundheitsfürsorge fixiert.

Anders als Al Gore muss sich Kerry um seine Klientel jedoch Sorgen machen. Dem Senator aus Massachusetts werden zwar nach einer Umfrage der "Washington Post" 79 Prozent Unterstützung in der schwarzen Bevölkerung vorausgesagt. Sein Albtraum-Szenario sei aber, dass Farbige am Wahltag einfach zu Hause blieben, weil ihre Interessen vernachlässigt worden seien, schreibt das Blatt.

Nach Angaben der "Unity '04 Voter Empowerment Campaign", einem Zusammenschluss von 160 Gruppen, hatten sich bis Anfang September rund sieben Millionen wahlberechtigte Afroamerikaner überhaupt noch nicht als Wähler registrieren lassen. Viele Schwarze kreiden dem Demokraten an, dass er in seiner Rede auf dem Wahlparteitag in Boston nicht ein einziges Mal Schwarze oder Afroafrikaner namentlich erwähnt hatte. Ein anderer Vorwurf lautet, Kerry sehe die Stimmen der Schwarzen als selbstverständlich an.

Ein SOS-Ruf Kerrys sei vom populären schwarzen Politiker und Bürgerrechtler Jesse Jackson erhört worden, schreibt die Tageszeitung "USA Today". Jackson rührt jetzt in den besonders umkämpften Bundesstaaten die Wahltrommel.

Seite 1:

Bush und Kerry umgarnen die Farbigen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%