Die Deutsche Tourenwagen Masters sucht einen vierten Hersteller und beklagt den Abgang von Seriensponsor Arcor
Fernsehvertrag rettet die DTM

Die Hersteller-Serie DTM will ihr Profil bei Zuschauern und Sponsoren schärfen. Ein Fünf-Jahres-Vertrag mit ARD und ZDF sichert das Überleben und soll weitere Geldgeber anziehen.

Die Meldung ließ aufhorchen. Mercedes verpflichtete im November Formel-1-Routinier Jean Alesi, der 2002 mit seinem Mercedes CLK die Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) aufmischen soll. Der Routinier soll dank seiner 201 Formel-1-Rennen Fans, Hersteller und Sponsoren beeindrucken.

Bislang fehlten der DTM nicht nur große Fahrernamen, sie leidet auch darunter, dass mit Mercedes, Opel und Audi nur drei Hersteller um die Wette fahren. Ende November ist dem Veranstalter, der Interessengemeinschaft Tourenwagenrennen (ITR), jedoch ein Coup gelungen: Mit ARD und ZDF hat er sich auf einen Drei-Jahres-Vertrag mit Option für zwei weitere Jahre geeinigt. Der Kontrakt mit der Sport A, der Rechteagentur der Öffentlich-Rechtlichen, sichert der ITR erstmals auch TV-Einnahmen in nicht genannter Millionenhöhe zu. In den Jahren 2000 und 2001 durften ARD und ZDF noch kostenlos übertragen.

Die gute Zuschauerresonanz dürfte den Deal erleichtert haben. Mit 1,37 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 11,3 Prozent ist die DTM in die erste Reihe der Motorsportsendungen vorgefahren. Dennoch: Die Präsentation in den Medien muss besser werden, vor allem im TV. So kritisiert Peter Lehna, Marketingleiter des DTM-Sponsors Hasseröder, dass die Serie keine festen Sendeplätze habe und in den Sportnachmittagen der Sender oft untergehe. Die Beschwerde kam an: Michael Lina, Bereichsleiter Marketing bei Sport A, will ARD und ZDF dazu bewegen, mehr PR für die DTM zu machen. Vorbild ist das Boxen, das die ARD offensiv vermarktet.

Internationalisierung ist ein heikles Thema

Die langfristig garantierte TV-Präsenz ist überlebenswichtig für die DTM. Hersteller, Teams und Sponsoren können besser planen; die Serie wird für weitere Geldgeber und Automarken attraktiv. Daran hakt es zur Zeit: Neue Hersteller lassen sich bitten. BMW etwa will nur in einer internationalen Serie mitfahren und konzentriert sich lieber auf die Formel 1. Auch Alfa Romeo ziert sich. Walter Mertes, Leiter Sponsoring/Marketing bei der ITR, rechnet nicht damit, dass zum Saisonbeginn 2002 eine neue Automarke in der DTM starten wird. Er tröstet sich damit, "dass zum Saisonende ein Hersteller einige Testläufe bestreitet".

Weitere Auslandsrennen sollen der DTM einen internationalen Charakter geben. In der Saison 2001 kreisten die Tourenwagen bereits auf dem A1-Ring in Österreich und im niederländischen Zandvoort, 2002 kommen voraussichtlich das englische Donington und das belgische Zolder hinzu. Da Piloten aus all diesen Ländern auch in DTM-Cockpits sitzen, hofft die ITR dort auf mehr Zuschauer. International zeigt die Serie schon länger Flagge: So vermarktet Dienstleister Wige Media seit 2000 TV-Bilder der DTM in 173 Ländern.

Doch die Internationalisierung ist bei der DTM ein heikles Thema. Die weltweit ausgerichtete DTM/ITC war 1996 an den steigenden Kosten gescheitert. Auch lieferten sich die Teams seinerzeit ein Technik-Wettrüsten, das den Niedergang der alten DTM beschleunigte. Das Reglement der neuen Serie schreibt einheitliche Bauteile vor, die eine Kostenexplosion ausschließen. Musste ein Hersteller in der alten DTM noch rund 100 Millionen Mark pro Jahr hinblättern, kommt er jetzt mit rund 30 Millionen Mark aus.

Publikumszahlen nahmen zuletzt ab

Damit es für die Fans noch interessanter wird, starten die DTM-Flitzer 2002 nicht mehr fliegend sondern stehend wie in der Formel 1. Die gibt auch beim Punktesystem das Vorbild ab. Hauptsache, Spannung kommt auf. Die hat in der vergangenen Saison gefehlt. Mercedes-Star Bernd Schneider stand schon zwei Rennen vor Schluss als Meister fest. Folge: Die Zuschauer vor Ort blieben weg. Pilgerten 2000 noch im Schnitt rund 60 000 Fans zur DTM, waren es 2001 nur noch 54 000. Niedrigere Eintrittspreise und ein besseres Rahmenprogramm sollen in der nächsten Saison mehr Publikum anziehen. Dass 2001 nicht mehr Anhänger kamen, lag auch am schwachen sportlichen Auftritt von Opel. Motorsportchef Volker Strycek räumt ein: "Wir waren einfach nicht gut genug."

Den Herstellern dient die Raserei als Marketingbühne. Das gilt besonders für Mercedes-Benz. Im Gegensatz zur hoch technisierten Formel 1 sehen die Stuttgarter die DTM als produktbezogene Serie. Für Mercedes-Motorsport-Sprecher Wolfgang Schattling ist das Engagement in der DTM eine Art Verkaufsförderung: "Bei den Rennen können wir unseren Mercedes CLK optimal präsentieren." Opel-Motorsport-Chef Strycek will aus dem Rennsport auch Erkenntnisse für die Serienfertigung gewinnen.

Als Seriensponsoren treten neben Hasseröder noch Bosch, Dunlop, D2 Vodafone und Kärcher auf. Der bisherige Sponsor Arcor stieg aus. Der Festnetzanbieter investierte zuletzt rund sechs Millionen pro Saison. Statt weiter im Tourenwagensport mitzurasen, muss der Carrier den Sponsoringvertrag von Schwestermarke Otelo bei Hertha BSC übernehmen. Und der kostet immerhin rund zehn Millionen Mark pro Saison. Die DTM-Verantwortlichen sind zurzeit noch auf der Suche nach einem Ersatzpartner.

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