Die Diamantformation droht sich bei dem industrielastigen US-Index zu erfüllen
Charttechniker sehen auf den Dow weiteres Ungemach zukommen

Für die meisten Charttechniker ist es die Königsformation: der Diamant. Die zeitlich ausgedehnte, seltene und nur nach langen Trendphasen auftretene Formation kündigt Ungemach an. In der langen Dow-Geschichte lassen sich sechs Diamanten ausmachen. Fünfmal ging es anschließend abwärts. Und auch diesmal scheint die Zukunft programmiert: Glaubt man den Analysten, dann werden die Aktienkurse weiter fallen.

DÜSSELDORF.

Nach einem ausgeprägten Bullenmarkt in den 80er und 90er Jahren stagnierte der Index in den vergangenen zwei Jahren. Die Kurse tendierten zwischen knapp 10 000 und 11 500 Punkten seitwärts. Charttechnisch bildeten sich zwei Dreiecke aus. Im ersten Dreieck verbreitern sich die Schenkel, indem die Hoch- und Tiefpunkte im Dow-Jones-Index auseinander gehen. Anfang 2000 schwankte der Dow innerhalb weniger Tage um 2 000 Punkte. Im zweiten Dreieck laufen die Kurse dann wieder zusammen.

Besser als jede andere Formation symbolisiert der Diamant den Kampf zwischen Bullen und Bären: Verkäufer wirken den Ausbrüchen nach oben ebenso heftig entgegen wie Käufer den Ausschlägen nach unten. Am Ende der Formation stehen sich Pessimisten und Optimisten beinahe auf demselben Kursniveau gegenüber. Bezeichnend für die Stärke des Diamanten: Die Flucht in defensive Werte, womit der Dow reichlich bestückt ist, kratzte nicht an der Außenschale des Edelsteins - also an den Begrenzungslinien der Dreiecke.

Für Charttechniker verlief dann der Ausbruch nach unten wie am Schnürchen Ein paar negative Unternehmensnachrichten reichten, damit der Dow unter hohen Umsätzen rasant einbrach. In wenigen Tagen wurden wichtige Unterstützungslinien im Bereich zwischen 10 300 und 9 500 Punkten gebrochen. Erst in den vergangenen Tagen kam es zu einer Gegenbewegung nach oben.

Erholung könnte Bullenfalle sein

"Jetzt entscheidet sich, wohin wir gehen. Bei 10 200 Punkten läuft die untere Begrenzungslinie des Diamanten. Überwinden wir diese, dann können wir bis zum nächsten Widerstand bei 10 600 Punkten oder sogar bis auf 11 070 Punkte, also bis zur oberen Begrenzung, laufen", meint Michael Riesner von der DG Bank. Der Charttechniker bleibt aber skeptisch. "Für ein Ende des Baisse-Marktes ist nicht genügend negative Stimmung im Markt. Eventuell erweist sich die jetzige Erholung als eine Bullenfalle, und wir fallen auf die Tiefstände bei 9 100 Punkten zurück. Hält auch diese Marke nicht, entsteht eine sehr bearishe Konstellation." Wie viele seiner Kollegen erwartet Riesner bei einem Unterschreiten des alten Tiefpunktes das Zurückfallen auf das Niveau vom Herbst 1998. Während der Russlandkrise war der Dow auf 7 500 Punkte gefallen. "Wer jetzt in Aktien investiert, sollte sehr vorsichtig sein und diese mit Stopp-Marken absichern", empfiehlt Riesner.

"Egal wie die Formation heißt, beim Dow riecht es nach einer Top-Bildung", meint Charttechniker Wieland Staud. Er misst dem Diamanten keine große Bedeutung zu: "In jedem Fall riecht es beim Dow sehr stark nach einer Topbildung". Nach einer "anständigen Erholung bis auf 10 800 Punkte drohen neue Tiefststände. Diese können uns auf 8 000 Zähler führen", bleibt auch der Staud-Research-Analyst auf Sicht eines Jahres skeptisch.

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