Die Dividendenrendite ist ein handfester Maßstab, um die Werthaltigkeit des Aktienkurses wirklich bewerten zu können
Hoffen auf die Hauptversammlungs-Saison

Ihr Portfolio sieht aus wie nach einem Clinch mit dem Boxweltmeister im Schwergewicht und Sie fragen sich, ob Sie überhaupt noch Aktien besitzen sollten? Wie wäre es denn mit Titeln von Unternehmen, die eine hohen Dividendenrendite vorzuweisen haben?

NEW YORK. Die optimale Investmentstrategie in einem Bärenmarkt, sei es, nicht in Schwierigkeiten zu geraten, rät ein Experte. Drei Gründe sprechen für seinen Tipp: Zum einen kann man einige Werte herauspicken, die relativ gesehen mehr Dividende abwerfen als Anleihen zurzeit hergeben. Zum anderen kann man im Fall einer Aufwärtsbewegung Kursgewinne einstreichen. Und zum dritten haben sich Werte, die eine Dividende abwerfen, gut entwickelt. Die Kurse der 360 Unternehmen im S&P-500-Index, die eine Dividende zahlen, sind seit dem Höchststand des Index im März 2000 bis zum 30. September 2002 im Schnitt um zehn Prozent gestiegen. Die Kurse der 140 dividendenlosen Firmen dagegen haben sich um 32 Prozent verbilligt, bemerkt Edward Yardeni, Chefstratege von Prudential Securities in New York.

Der Gesamtertrag einer Aktie setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: der Dividende und dem Kursgewinn.Da die meisten Analysten für dieses Jahrzehnt nur von geringeren Kursgewinnen ausgehen, wird folglich die Dividende für den Anleger immer wichtiger. Vom Juli 2000 sei bis zum 30. September 2002 ist ein Vermögen von 13,4 Bill. Dollar vernichtet worden - rund 28 Prozent davon im gerade abgeschlossenen Quartal, so Gareth Evans, Chefstratege für Europa bei ING Financial Markets.

Die meisten Volkswirte erwarten für das kommende Jahr ein Szenario niedrigen Wachstums und geringer Inflation bei Gefahr einer Deflation. Das Zinsniveau dürfte weiter fallen. In diesem Umfeld der Stagnation bringt die Konzentration auf die Dividendenrendite einen weiteren Vorteil: Dividenden bieten dem Investor einen handfesten Ansatz, um nach den jüngsten Bilanzskandalen den Wert einer Aktie wirklich beurteilen zu können, sagt Teun Draaisma, Stratege von Morgan Stanley & Co. in London. Er setzt auf Boots und Aegon mit einer Dividendenrendite von je sechs Prozent Zusätzlich zu hohen Renditen sollten die Anleger darauf achten, bei welchen Unternehmen Analysten von einer Dividendenerhöhung ausgehen. Schroder Salomon Smith Barney hat eine Liste von 20 europäischen Unternehmen erstellt, die 2004 eine höhere Rendite als die zehnjährige Bundesanleihe mit derzeit 4,37 Prozent erzielen dürften und ein sogar Dividendenwachstum prognostizieren.

Auf der Liste dominieren Kreditinstitute wie Fortis, ING, Unicredito Italiano und Societe Generale mit erwarteten Dividendenrenditen von 5,53 bis 9,07 Prozent. Aber Vorsicht. Bevor Sie zur letzten Rettung Ihres Portfolios alles auf Dividendenrenditen setzen: Die Strategie ist nicht ganz ohne Risiko. Jedes Unternehmen kann schließlich seine Dividende kürzen. Zudem könnte eine hohe Rendite auch einen kollabierenden Aktienkurs widerspiegeln, der wiederum auf Schwierigkeiten im Unternehmen hinweist. Und die Messlatte, an der Dividendenrenditen meist ausgerichtet sind - nämlich die Staatsanleihen der USA und anderer führender Industrienationen - gelten gemeinhin als risikolose Investitionen. Und dieses Etikett passte ganz sicher nicht auf Enron, Worldcom und die anderen "Erfolgsgeschichten" der Wirtschaftsprüferbranche.

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