Die drei größten Anlegergruppen stellen ihre Strategie vor
Clubs meiden Lieblinge wie die T-Aktie

Langfristig ist die Aktie die rentabelste Anlage. Darin sind sich die Chefs der größten deutschen Investmentclubs einig. Kurzfristig wollen sie aber nicht den breiten Markt kaufen. Sie setzen nur auf Einzeltitel.

FRANKFURT/M. Bullenzucht und Ackerbau brachten nicht genug ein. Farmer Brooks brauchte Geld, um Maschinen zu kaufen, und wollte vom Wachstum der Industrie profitieren. Das mit Freunden gemeinsam gesammelte Kapital steckte er in Aktien - der erste Investmentclub war geboren. In Texas schrieb man das Jahr 1898.

Auch die Deutschen, die die Idee erst 1962 aufgriffen, sind mittlerweile große Fans der Investmentclubidee geworden. Hier zu Lande gibt es nach Schätzungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bereits 6 500 solcher Gruppen. Dazu gehören auch drei große Clubs mit über 2 500 Mitgliedern aus Itzehoe, München und Hamburg, die - vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen überwacht - die Gelder ähnlich wie Fondsmanager verwalten und neuen Mitgliedern offen stehen. Den Vergleich mit Fondsprofis bestehen sie, und im Zeitraum Januar bis Ende Oktober 2001 hat sich ihre Performance besser entwickelt als der MSCI World, der auf Dollarbasis um 22,8 % nachgab: Der Itzehoer Aktien Club verbuchte ein Minus von 14,8 %, der Hanseatische Aktienclub einen Verlust von 19,9 % und der Münchner Wertpapier Club von 21,5 %.

"Zu Aktien gibt es langfristig keine Alternativen"

Die Strategien der Clubs weichen beträchtlich voneinander ab - auch wenn sich die Chefs bei einem Treffen in Frankfurt darin einig waren, dass es zu Aktien langfristig keine Alternative gebe. "Wir haben unser Aktiendepot Ende August komplett verkauft", erzählt Michael Arpe vom Hanseatischen Aktienclub. Die Aussichten für die Börse seien nach der seit mehr als anderthalb Jahren anhaltenden Baisse immer noch negativ. "Aktionismus halten wir derzeit für falsch", sagt Arpe und schimpft auf den "Berufsoptimismus", den Banker und Fondsmanager gegenwärtig wieder zeigten. "Wir sind bereit, mal vier Wochen Kursanstieg zu verpassen, um abzuwarten, bis wieder sicherere Börsenzeiten angebrochen sind", sagt Arpe mit Blick auf die Zuwächse, die die anderen beiden Clubs seither erzielt haben - die Münchener ein Plus von etwa 6 % , die Itzehoer von rund 8,5 %. Generell möchte der Chef der Hamburger nicht ausschließen, dass der Club auch Bonds kaufen könnte, aber eigentlich setzt die Gruppe den Schwerpunkt auf Dividendentitel, darunter auch Wachstumswerte aus den USA.

Das Konzept, das die Hanseaten bislang verfolgten, sieht zwei Depots vor, - ein konservatives und ein risikoreicheres - die Titel mit einer mindestens zehnjährigen Erfolgsgeschichte enthalten. Wenn die Hanseaten demnächst wieder zugreifen sollten, kämen nur einzelne unterbewertete Aktie in Frage. Dass sie sich nicht von der Börse abwenden werden, stehe außer Frage: Arpe: "Wir wollen ja auch nicht der Hanseatische Sparbuchclub werden."

70 % Aktien, 30 % Anleihen

Indessen steht für Andreas Grünewald, der den Münchner Wertpapier Club leitet, fest, dass ein Investmentclub auch weitgehend investiert sein sollte. Die liquiden Mittel des Clubs betragen derzeit nur 3 %. Bei den derzeit niedrigen Zinsen sei es ohnehin nicht sinnvoll, auf Aktien zu verzichten. "Außerdem nutzen die Vorstände der Unternehmen die Krise, um aufzuräumen", sagt Grünewald.

Der Wertpapierclub hat sein Geld zurzeit zu 70 % in Aktien und zu 30 % in Anleihen investiert. Gut ein Drittel des Depots ist in Aktien und Bonds aus den USA angelegt, etwa 60 % in Europa. Emerging Markets und Japan seien "schon wegen der Währungsentwicklungen" kein Thema, sagt Grünewald. Die im Jahr 2000 begonnene Strategie, von Wachstumswerten auf Substanztitel umzuschichten, setze der Club fort. Zu seinen Favoriten zählen neben Blue Chips wie Porsche oder Philip Morris auch Nebenwerte wie Krones oder K + S. Aktuell haben die Münchner mit 23 % ihren größten Depot-Teil in Banken und Versicherungen - wie Allianz und Münchener Rück - gesteckt. Denn nach den Terrorattacken vom 11. September dürften die Nachfrage nach Versicherungen und auch die Prämien steigen, begründet Grünewald.

Neben Pharmatiteln mit einem Depotanteil von 15 % machen Technologiewerte mit 14 % einen wichtigen Anteil des Portfolios aus. Zu den Favoriten gehört auch IBM - "das ist der einzige Technologiewert, der charttechnisch noch keine Spekulationsblase ausgebildet hat", sagt Grünewald. Nokia etwa hält er dagegen noch für deutlich überbewertet. Und von der ehemals in Deutschland als Publikumsliebling gefeierten Telekom-Aktie rät er ab, insbesondere wegen der hohen UMTS-Ausgaben, dem "angeknacksten Vorstand" und der unsicheren Immobilienbewertung. Infineon sei noch zu hoch bewertet.

Wachstum der Telekom "mäßig"

Darin stimmt ihm der Chef des Itzehoer Aktienclubs, Martin Paulsen, zu und ergänzt, die Wachstumsaussichten für die Deutsche Telekom seien mäßig, zumal das Unternehmen nicht in allen wichtigen europäischen Kernmärkten dabei sei. Infineon sei ein zyklischer Wert und außerdem nur die Nummer acht in der Welt - "da investieren wir doch lieber in den Marktführer Intel", sagt Paulsen. Weil Technologie eben doch weiterhin im Trend liege - "wir werfen ja die Handys nicht aus dem Fenster" - haben die Itzehoer, die ausschließlich auf Aktien setzen, ihren Schwerpunkt auf diese Branche gelegt. Nokia und Microsoft gehören ins Depot, ist Paulsen überzeugt, trotz gegenwärtig "rezessiver Tendenzen" bei vielen Telekom - und Technologiewerten. Zu seien Favoriten gehören auch Dell, Sony und Canon. Technologieaktien machen zur Zeit rund 30 % im Depot aus, Telekomwerte 10 % und Pharmawerte 20 %.

Doch auch klassische Value-Titel wie Philip Morris halten die Itzehoer im Depot. Die Hälfte der Titel stammt aus den USA, ein Drittel aus Europa, etwa 15 % aus Japan und Asien.

Die Kurseinbrüche am 11. September hat der Club genutzt um an der Börse zuzukaufen. Auch Mitte Oktober habe man aufgestockt und warte nun auf weitere Gelegenheiten, sagt Paulsen. Der Anstieg in den letzten Wochen sei allerdings zu schnell gegangen. Unisono mahnen die drei Clubchefs, die Anleger sollten bei jedem Titel genau hinschauen und besonders auf niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse achten. "Manche Anleger machen schon wieder die alten Fehler, ignorieren die Realität und lassen sich von Stimmungen treiben."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%