Die dritte Mobilfunkgeneration geht in Deutschland 2002 an den Start
Schneller Markteintritt bei UMTS entscheidend

Hervorragende Geschäftsmöglichkeiten oder düstere Wolken am Horizont - wie sehen die Chancen für den Mobilfunk der dritten Generation aus? Experten bei der Handelsblatt-Fachtagung Telekommarkt Europa beleuchteten am Mittwoch den Markt für UMTS.

fbs DÜSSELDORF. UMTS steht in Deutschland vor der Einführung. Im Sommer werden die sechs Lizenzen für den Mobilfunk der dritten Generation vergeben. Frankreich beschloss am Dienstag, seine vier UMTS-Lizenzen im Rahmen eines "Beauty Contest" (Schönheitswettbewerbs) vergeben, der 130 Mrd. FF bringen soll. In Großbritannien ging der Verkauf bereits über die Bühne - die Bieterschlacht spülte dem Staat 70 Mrd. DM in die Kassen. Die deutsche Auktion könnte diese Summen noch übertreffen. Experten erwarten einen Erlös von bis zu 120 Mrd. DM. Die Finanzminister reiben sich angesichts dieser Summen die Hände. Doch auch die Unternehmen erwarten ein Riesengeschäft mit den Handys der Zukunft.

Die dritte, erstmals weltweit einheitliche Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunication Standard) soll einen schnelleren Zugang zum Internet mit Mobiltelefonen ermöglichen. Mit UMTS sollen insbesondere mobile Multimedia-Anwendungen ermöglicht werden. In Deutschland soll der Standard Anfang 2002 starten. Der Aufbau der Infrastruktur soll Ende 2001 beginnen. Die Ballungsgebiete kommen zuerst.

Für die Telekommunternehmen wird es nach der Versteigerung vor allem darum gehen, die hohen Kosten für die Lizenzen wieder wett zu machen. "Bei diesen Milliardeninvestitionen ist der break-even nicht in drei Jahren zu schaffen", betonte Carsten Ahrens, Bereichsleiter Mobile Solutions bei Ericsson, am Mittwoch bei der Handelsblatt-Fachtagung zum Telekommarkt Europa. Der Wert des Unternehmens bestimme sich erst einmal dadurch, ob es die Lizenz hat oder nicht.

Entscheidend ist danach ein schneller Markteintritt. John Hughes, Leiter der Abteilung Mobilfunknetze bei Lucent Technologies, formulierte es deutlich: "Die Geschwindigkeit mit der die Unternehmen neue Marktanteile besetzen, wird entscheidend sein. Deutschland ist dabei ein wichtiger Markt. Mit einem Jahresumsatz von 188 Mrd. DM, 30 Millionen Handy-, und 10 Millionen Internetnutzern steht er in Europa an der Spitze." Netzausrüster wie Lucent oder Ericsson werden in jedem Fall an der Hard- und Software verdienen.

"Im Mobilfunk der dritten Generation gelten die Gesetze des Internet", betonte auch Tagungsmoderator Prof. Thorsten Gerpott. "Das heißt: Der Wert des Netzes steigt im Quadrat mit der Zahl der Nutzer."

Zweite wichtige Stütze im UTMS-Geschäft sind für Hughes Partnerschaften. Hughes: "Keiner kann alles alleine anbieten". Daneben entscheiden nach Ansicht des UMTS-Verantwortlichen bei Lucent Vielfalt und die Qualität der Dienste über den Erfolg. "Die User verlangen mehr Inhalte (content) und Angebote (services)".

Schon jetzt werden in Deutschland jeden Monat in den D-Netzen 200 Mill. SMS-Nachrichten verschickt. Hughes sieht neben den reinen Textnachrichten eine Fülle von Marktmöglichkeiten, von der Übertragung von Musik und Bildern bis zu Video-Clips. Die Netzbetreiber werden dabei nicht mehr alles aus einer Hand an den Endkunden verkaufen. Informationsdienstleister (für Börsen-Infos, Wetter, Nachrichten, Reise- und Restaurantinformationen), Video- und Musikanbieter und Softwareanbieter verdienen mit.

Auch verläuft die Kommunikation nicht nur von Mensch zu Mensch, auch die Datenübertragung von Maschine zu Maschine wird bald verfügbar sein. Zum Beispiel redet dann das Auto mit der Werkstatt oder ruft selbständig die aktuellen Staumeldungen ab. Hughes zog ein deutliches Fazit: Schneller Markteintritt, große Angebotspalette, viele Nutzer und Partnerschaften - "wenn diese Ziele erreicht sind, hat sich die Ausgabe für die Lizenz gelohnt".



Blick nach Japan

Für die europäischen Anbieter könnte vor der Markteinführung von UMTS auch ein Blick nach Japan lohnen, erklärte Carsten Ahrens, Bereichsleiter Mobile Solutions bei Ericsson, bei der Tagung. Denn Nippon ist den Europäern voraus. Japans größter Mobilfunknetzbetreiber NTT Docomo wird im April 2001 mit dem Mobilfunk der dritten Generation starten. Das ist knapp ein Jahr, bevor es in Deutschland los geht. Der Standard ist zwar nicht exakt derselbe, aber die Branche geht dennoch davon aus, dass UMTS-fähige Geräte in Deutschland rechtzeitig zur Verfügung sein.

Der japanische Multimediadienst "i-mode" des Mobilfunknetzbetreibers NTT Docomo wurde bereits im Februar 1999 gestartet. Innerhalb nur eines Jahres hat NTT Docomo ein Viertel seiner 28 Millionen Kunden für den neuen Datendienst gewonnen. Der Durchschnittsumsatz mit diesen Kunden liegt bei 100 Euro im Monat Für März 2001 hat der Datendienst 13,74 Millionen User anvisiert. Die Erfolgsfaktoren der Japaner: Die Endgeräte werden von NTT Docomo massiv subventioniert, die User zahlen eine geringe Grundgebühr - und nutzen den Dienst dafür um so mehr. Der Content ist breit gestreut (es gibt 3000 freie Webseiten). Beliebtester Dienst ist dabei bei weitem nicht die Abfrage der Aktienkurse. Der Download von Screensavern im Pokémon-Design ist im Moment am meisten gefragt.

Auch eine Befragung des Telekomausrüsters Ericsson für den deutschen Markt ergab: Die neue Generation der Multimediadienste per Internet muss benutzerfreundlich, ausfall- und abhörsicher und vor allem aktuell sein. Zudem fordern die User eine Personalisierung und Verfügbarkeit des Dienstes rund um die Uhr. Gelegentliche Nutzer wollen laut der Ericsson-Studie dafür keine oder nur geringe Gebühr bezahlen (5 DM pro Monat und 2 DM pro Benutzung). Häufigere Nutzer würden rund 10 DM Monatsgebühr und 50 Pf pro Nachricht bezahlen und "power user" wollen für rund 50 DM im Monat am liebsten alles inklusive.

Alle Befragten wünschten sich eine höhere Geschwindigkeit der Datenübertragung, die UMTS ja ermöglichen soll. Die Schnelligkeit bringt allerdings nur etwas, wenn die "coverage" stimmt, d.h. wenn der Dienst überall verfügbar ist und man nicht "von Funkloch zu Funkloch rennt".



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