Die ehemalige Boom-Branche schrumpft
IT-Branche hofft 2003 auf Ende der Krise

Die Informationstechnologie stellt sich auf schwere Zeiten ein. Erstmals wird die einstige Boombranche in diesem Jahr einen Rückgang hinnehmen müssen. Erst im kommenden Jahr rechnet Verbandschef Volker Jung mit einer leichten Erholung. Doch die Prognose steht auf wackligen Beinen.

mwb MÜNCHEN. Die einstige Boombranche Informations- und Kommunikationstechnologie ist tief verunsichert. Der Branchenverband Bitkom bestätigte die bereits zweimal in diesem Jahr nach unten korrigierte Prognose. Erstmals wird der Umsatz in diesem Jahr um 1,3 % auf 136 Mrd. Euro sinken. Am Horizont ist jetzt allenfalls ein Hauch von Erholung in Sicht. Verbandspräsident und Siemens-Zentralvorstand Volker Jung rechnet erst im nächsten Jahr mit einem leichten Wachstum von 0,4 %. "Ich glaube und hoffe, dass wir dies erreichen", sagte Jung. Doch räumte der Verbandspräsident ein, dass derzeit Prognosen trotz vorheriger Befragung "Kaffeesatzleserei" seien und er dabei " ein ungutes Gefühl" habe.

Für die einzelnen Bereiche sehen die Erwartungen aber sehr unterschiedlich aus. Die Mobilfunk-Infrastruktur werde - nach dem Einbruch von 40 % in diesem Jahr - 2003 um weitere 18 % schrumpfen. Bei PC sei noch keine nachhaltige Besserung in Sicht. Doch die Rückgänge würden sich auf Werte zwischen 5 und 10 % halbieren. Multifunktiongeräte werden dagegen nach den Prognosen ihr Wachstum mit 10 % fortsetzen. Ebenfalls auf Wachstumskurs bleiben die Internet- Dienste mit einem Plus von 16 %.

Die Zeit zweistelliger Wachstumsraten für die gesamte Branche sei aber vorbei. Fast alle Bereiche außer Telekommunikations- und Internet-Diensten schreiben rote Zahlen. Selbst die Wachstumsträger des letzten Jahrzehnts, Software und IT-Dienste, hätten ihre Zugkraft verloren. "Wir haben alle Fehler gemacht", räumte Jung ein. Ohne Ausnahme habe die Branche Chancen und Wachstumsraten überschätzt. Die Unternehmen hätten die Fehleinschätzungen von Experten begierig aufgenommen und an zweistellige Wachstumsraten für immer geglaubt. Kunden wie beispielsweise Telekom bauten in dieser Hoffnung riesige Schuldenberge auf.

Als Gründe für die scharfe Krise nannte Jung vor allem die Versteigerung der Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS, die der Branche 50 Mrd. Euro entzogen habe. Die klammen Unternehmen sparen und verschieben Investitionen zum Aufbau der Netze. Von den ursprünglich sechs Lizenznehmern ist mit Mobilcom und Quam schon zwei Anbietern die Luft ausgegangen. Jung bekräftigte die Forderung des Bitkom-Verbandes, derStaat solle wenigstens einen Teil der Lizenzeinnahmen für den Industriezweig verwenden. Schon ein Zehntel der Einnahmen würde der schrumpfenden Branche wieder zu einem Plus von 2 % verhelfen.

Zudem kämpft die Mobilfunk- Branche - die Triebfeder des vergangenen Booms - mit Sättigungserscheinungen. Rund 60 Millionen Mobilfunk-Nutzer gibt es in Deutschland. Weltweit rechnet Jung mit einem stagnierenden Handy-Absatz von rund 420 Millionen Geräten. Der Bereich Festnetztelefonie werde im kommenden Jahr weiter schrumpfen. Erst 2004 sei wieder eine Steigerung denkbar.

In der derzeitigen Krise nehme der Druck auf Konzentration in der Branche zu, da die Unternehmen deutlich niedriger bewertet seien, als noch vor zwei Jahren. Doch Jung hält Fusionen vor allem wegen der hohen Verschuldung der Unternehmen für schwierig. Kooperationen seien in Einzelbereichen sinnvoll, räumte er ein.

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n den vergangenen Tagen war heftig spekuliert worden, dass Siemens seine Handy-Produktion an Motorola abgeben werde und im Gegenzug vom US-Konzern die Mobilfunknetze bekomme. Siemens-Vorstand Jung hielt sich dazu bedeckt: "Wir reden seit geraumer Zeit mit einer Reihe von Firmen über Kooperationen", sagte Jung. Was dabei herauskomme, sei völlig offen.

Quelle: Handelsblatt

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