Die Einsichten der Chefs
"Das Internet ist nur ein Werkzeug"

Alles bleibt wie es ist und alles wird sich ändern. Das ist das Ergebnis des VIII. Deutschen Wirtschaftskongress der Universität Köln. Zwei Tage lang diskutierten mehr als 130 namhafte Referenten, 400 Führungskräfte aus renommierten Unternehmen sowie 400 international ausgewählten Studenten die Zukunftsstrategien für die New Economy.

HB KÖLN. In der Abschlussdiskussion am Donnerstag wurde sofort klar: Einen Unterschied zwischen Old und New Economy gibt es eigentlich nicht. "Das Internet ist nur ein Werkzeug", sagte der Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer und bekannte freimütig, dass er seine Bankgeschäfte nicht über das Internet abwickelt.

Nur wer Gewinn macht wird überleben, dem stimmte auch Ron Sommer zu. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom vertrat die Meinung, dass schon bald die Zeit der kostenlose Inhalte im Internet vorbei sei. Es wurden viele einfache Weisheiten und manche Vermutungen ausgetauscht, die deutlich machten: Die Wirtschaft steht erst am Anfang, das Internet in tragfähige Businesskonzepte umzusetzen. Mit weitgehenden Konsequenzen: Breuer und Sommer haben ihre Unternehmen in den letzten Jahren komplett umgebaut, um sie für die neunen Technologien fit zu machen.

Professor Soumitra Dutta von der französische Elitehochschule INSEAD sieht die Unternehmen mit einem "Zeitalter der Individualisierung der Kundenbeziehungen" konfrontiert. Sowohl in der Beziehung zu ihren Kunden als auch in dem Verhältnis zu ihren Mitarbeitern müssten die Chefs lernen, auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen einzugehen.

Der für sein Buch "Turobkapitalismus" bekannt geworden Kapitalismuskritiker Edward Luttwak warnte vor den Gefahren die von einer totalen Vernetzung ausgehen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ein Entwicklung erleben, wie bei der Erfindung der Eisenbahnen", sage Luttwak, "erst sind die Menschen mit dem Zug ins Grüne gefahren und dann wurden die Soldaten mit der neune Technologie in den Krieg geschickt."

Bundesfinanzmister Hans Eichel wählte in seiner Ansprache weniger drastische Vergleiche. Zunächst stellte er seine Homepage als eine der interessantesten Seiten im Web vor. Und er wiedersprach gleich zu Beginn seiner Rede den Vortragenden aus der Wirtschaft: "Ich halte es für Richtig von einer New Economy zu sprechen", sagte der Minister um gleich danach seine Aussage wieder zu relativieren: Aus der New Economy folge kein Zwang zu "New Economics" erklärte Eichel. "Es gibt nichts zu bestaunen, was die Wirtschaftswissenschaften aus den Angeln hebt. Wir müssen nicht die gesamte Konzeption der Wirtschaftspolitik ändern, um situationsgerecht auf die "new economy" zu reagieren.

Der Originaltext der Eichel-Rede

Die Hoffnung auf ein steuerfreies Internet will der Minister gar nicht erst aufkommen lassen: "Der Online-Handel, bei dem Leistungen in digitalisierter Form übermittelt werden, bietet Gelegenheit zur Steuerhinterziehung. Das müssen wir verhindern", sagte Eichel. Zwar solle keine neue Internetsteuer eingeführt werden, dennoch müsse das bestehende Recht an die neuen Bedingungen angepasst werden und zwar auf internationaler Basis. Die "new economy" sei kein temporäres Phänomen. Sie ist aber auch nicht die ewige Rettung der deutschen Wirtschaft.

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