Die einzige international renommierte Premiummarke aus Deutschland ist ihr Geld wert
Kommentar: Beck’s gibt es nicht zum Sonderpreis

Mit dem Verkauf an die belgische Interbrew hat die Bremer Brauerei Beck eine gute Wahl getroffen. Und das nicht nur, weil Beck-Chef Dieter Ammer mit 3,5 Milliarden DM einen ordentlichen Preis ausgehandelt hat. Wichtig ist auch, dass der alte Spruch, dass Bier Heimat braucht, für Interbrew keine hohle Phrase ist. Der Konzern überlässt die Führung seiner zahlreichen Marken regionalen Managern. Damit hat der Braustandort Bremen gute Chancen, erhalten zu bleiben.

Interbrew hat Erfahrung mit Fusionen. Das Unternehmen ist schließlich selbst aus einer Vernunftehe der drei führenden belgischen Brauerfamilien entstanden. Jetzt ist ihm mit dem Kauf der Altbiermarke Diebels und der Brauerei Beck & Co. ein Doppelschlag auf dem deutschen Markt gelungen.

Anders als bei der schwierigen Übernahme der britischen Bass-Gruppe muss Interbrew diesmal keine Auflagen der EU-Kartellbehörde befürchten. Auch mit den Beteiligungen Beck und Diebels sind die Belgier noch weit von einer marktbeherrschenden Stellung in Deutschland entfernt.

Allerdings zeigt sich die Börse irritiert. Die Analysten halten den Kaufpreis für zu hoch. Interbrew-Chef Hugo Powell muss nun plausibel machen, dass die einzige deutsche Premiummarke mit hohem internationalen Ansehen nicht zu Schlussverkaufspreisen zu haben war.

Gegenüber der internationalen Konkurrenz hat sich Interbrew mit dem jüngsten Coup jedenfalls einen Vorteil erkämpft. Besser als die Belgier ist keiner der Brau-Multis in Deutschland positioniert. Der niederländische Konkurrent Heineken war mit der Beteiligung an dem Weißbierspezialisten Schörghuber der erste ernst zu nehmende Ausländer auf dem deutschen Markt. Doch nun ist Konzernchef Karel Verstuuren unter Zugzwang. Es ist fraglich, ob er bei seiner Langfriststrategie bleiben kann, die Heineken innerhalb der nächsten zehn Jahre eine nennenswerte Position auf dem deutschen Biermarkt sichern sollte.

Auch der amerikanische Weltmarktführer Anheuser-Busch dürfte nun richtig ins Grübeln kommen. August Busch, Chef des Bier-Imperiums, scheiterte bereits mit einem Angebot an die sauerländische Brauerfamilie Cramer, das Warsteiner-Geschäft zu übernehmen. Jetzt hat er auch bei Beck den Kürzeren gezogen. Dabei hatte er doch versprochen, die Marke Beck?s noch vor seinem bisherigen Liebling Budweiser als absolute, weltweite Premiummarke zu positionieren. Allerdings denkt auch Interbrew darüber nach, Beck?s international den Vorzug vor der bisherigen Top-Marke Stella Artois zu geben.

In der Schweiz liegt unterdessen der dänische Brauereikonzern Carlsberg auf der Lauer. Vor einigen Monaten übernahm Carlsberg das gesamte Getränke-Geschäft der eidgenössischen Feldschlösschen-Brauerei. Von den Alpen aus beobachten die Dänen nun den süddeutschen Markt. Doch in Bayern dominieren nun einmal mittelständische Brauerei-Unternehmen, die sich wegen ihres allzu geringen Bierausstoßes kaum für eine ernsthafte Verbesserung der Marktposition eignen.

Die deutsche Braubranche ist zersplittert und spielt deshalb bei der Konsolidierung des Weltmarktes keine aktive Rolle. In Bayern produzieren rund 60 Prozent der mehr als 600 mittelständischen Brauereien weniger als 5 000 Hektoliter Bier im Jahr. Doch das muss nicht heißen, dass nun nach und nach alle Mittelständler im Machtkampf der Brau-Multis zerrieben werden. Immerhin haben sich in den vergangenen Jahren trotz der harten Konkurrenz rund 50 Braustätten als Gasthausbrauereien neu auf dem Markt etabliert. In der Nische ist noch Platz für Erfolgsgeschichten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%