"Die enthaltsamen Zeiten sind vorbei"
Fronten zwischen Tarifparteien verhärten sich

Die Fronten zwischen den Tarifparteien verhärten sich wenige Monate vor der nächsten Tarifrunde 2002. "Konjunktur hin oder her, die enthaltsamen Zeiten sind vorbei", kündigte Michael Schlecht, Tarifpolitiker der neuen Dienstleistungsgesellschaft ver.di, in der "Welt am Sonntag" an.

dpa HAMBURG. "Es muss kräftig Geld geben", sagte IG Metall-Chef Klaus Zwickel der "BILD"-Zeitung vom Samstag. Die Arbeitgeber warnen unterdessen vor weiterem Stellenabbau. "Dieses Rezept muss scheitern, das schafft nicht mehr, sondern weniger Arbeitsplätze", betonte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Franz Schoser.

Die Gewerkschaften argumentieren indes, dass die Erwartung der Arbeitnehmer nach den moderaten Abschlüssen im Jahr 2000 hoch sei. Ver.di-Vertreter Schlecht spricht von "Reallohnverlusten", die man künftig nicht mehr hinnehmen wolle. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegießer sieht den Schwerpunkt der kommenden Tarifrunde eher in der Sicherung der Beschäftigtenzahlen. Diese müssten Priorität vor Lohnerhöhungen haben, sagte er der "BILD"-Zeitung.

Mitte Dezember oder Anfang Januar will die IG Metall ihre Lohnforderungen vorlegen. Der geltende Tarifvertrag für die 3,6 Mill. Arbeitnehmer in der Metall- und Elektrobranche läuft Ende Februar 2002 aus. Nach Zeitungsinformationen aus Gewerkschaftskreisen wird in der IG Metall ein geforderter Anstieg der Löhne zwischen 4 bis 10 % diskutiert.

Auch die IG Bau will trotz der anhaltenden Krise am Bau höhere Lohnabschlüsse. "Wir ergeben uns nicht", sagte IG Bau-Chef Klaus Wiesehügel der "Welt am Sonntag". DGB-Vize-Chefin Ursula Engelen- Kefer begründet die harte Haltung der Gewerkschaften vor allem mit der Kaufkraft: Höhere Löhne stärken aus ihrer Sicht die Binnenkonjunktur und damit die Beschäftigung.

Streit zwischen den Tarifparteien hat auch der Vorschlag von Zwickel ausgelöst, angesichts der unsicheren Konjunkturlage im nächsten Jahr kurzfristige Tarifverträge abzuschließen. Die Arbeitgeberverbände (BDA) halten davon nichts. Aus der Wirtschaftskrise würden nicht Kurzatmigkeiten, sondern nur längerfristige, maßvolle Lohnabschlüsse herausführen, sagte BDA - Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Für denkbar halte er "Nachverhandlungsklauseln", wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse grundsätzlich änderten.

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