Die entscheidende Dax-Frage bleibt zunächst offen
Charttechniker über Dax-Entwicklung uneins

Widersprüchliche Aussagen treffen technische Analysten derzeit zu den Perspektiven des deutschen Aktienmarkts. Über allen Analysen schwebt derzeit die alles entscheidende Frage, ob der Dax eine Bodenbildungsphase abschließt und in einen neuen Hausse-Zyklus mit langfristig steigenden Kursen eintritt, oder ob er eine Art steigendes Dreieck ausbildet als trendbestätigende Konsoldierungsformation.

vwd FRANKFURT. Diese würde der deutsche Aktienindex dann erfahrungsgemäß nach unten verlassen, zur Folge hätte das fast zwangsläufig neue zyklische Tiefs. Davon geht unter anderem Klaus Tafferner von Concord Effecten aus, während sich Volker Bien von der Hypo-Vereinsbank zu den Verfechtern der Bodenbildungs-Theorie zählt.

Tafferner verweist zunächst auf den bereits sichtbaren Verlust an Aufwärts-Momentum, der den Dax eben in die Keil- oder Dreiecks-Formation gedrängt habe. Möglicherweise habe der Dax sein Hoch bereits in der vergangenen Woche markiert. Aber auch ein neues Hoch würde dem Dax nicht mehr viel Potenzial eröffnen: "Spätestens bei 3 108 Punkten ist wohl Schluss", so der technische Analyst. Zwar erwarteten viele Analysten zumindest bei den großen US-Indizes einen bevorstehenden Abschluss der Bodenbildung. Dazu müssten die Indizes aber noch um sieben bis zehn Prozent steigen, und das sei sehr unwahrscheinlich, meint Tafferner.

Tafferner hat vor allem zwei Argumente für seine Skepsis. Zum einen seien die letzten Tiefs von allen wichtigen Indikatoren bestätigt worden. Daraus folge "mit ziemlicher Sicherheit" ein erneuter Test der Tiefs und "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auch neue Tiefs, wobei dann die meisten Indikatoren dann die Tiefs eben nicht mehr bestätigen sollten, also so genannte positive Divergenzen aussenden sollten. Zum anderen könnten Anleger die Dow-Bewegung seit September 2000 als fünfteilige Abwärtsbewegung im Sinn der Elliott-Wellen-Theorie interpretieren. Nach dem Dow-Tief vom Juli 2002 sei der Dow in die vierte Welle eingetreten, eine Zwischen-Erholung. Und nun fehle eben zum Abschluss der Abwärtsbewegung noch eine fünfte Welle, die nach unten führe.

Dagegen sieht Bien eben Indizien für den Abschluss der Bodenbildung bereits jetzt. Der Dow habe bereits im vergangenen Frühsommer in der Bear-Market-Rally ein so genanntes steigendes Dreieck ausgebildet und nach dem Herausfallen das Juli-Tief markiert. Es wäre sehr ungewöhnlich und ohne Vorläufer, wenn sich dieses Muster nun wiederholen sollte. Denn solche Muster stünden häufig am Beginn und am Ende einer Baisse, so Bien. Für ihn ist nun die 960er Marke im S&P-500 der nächste Dreh- und Angelpunkt. "Denn hier liegt das Ende der Dichte", so der Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank. Zwischen 890 und 960 sei der Handel in den vergangenen Monaten mit hohen Umsätzen einhergegangen, darüber lasse die so genannte Umsatz-Dichte schlagartig nach. Damit könnte sich die Erholung bei einem Überwinden der 960er Marke sogar beschleunigen.

Eine Schlüsselfunktion für die weitere Entwicklung gesteht Bien den Finanzwerten zu. Denn sie führten die letzte Phase der Baisse an. Sollten sich mittefristige Kaufformationen entwickeln, wäre das für den Gesamtmarkt günstig. Am reifsten für den Abschluss einer Bodenbildung seien Commerzbank, die einen Doppelboden andeuteten. Die Nackenline liege zwar erst knapp über zehn Euro. Aber auch bei der Commerzbank wäre für Bien "ein Anstieg über das Ende der Dichte" ein entscheidendes mittelfristiges Signal, und bei der Commerzbank habe die Umsatztätigkeit in der Vergangenheit erst unterhalb von 9,60 bis 9,40 Euro stark zugenommen. Die Allianz habe bei 57,40 und 60 Euro ähnlich wichtige Marken bereits überwunden, bei der Münchener Rück liege die nächste "Start-Buy-Marke" bei 94,50 Euro.

Einen Mittelweg schlägt Michael Riesner von der DZ Bank ein. Er will die Frage nicht beantworten, ob der Markt nun eine generelle Trendwende einschlägt oder auf dem Weg zu neuen Tiefs ist; er sieht den Dax zunächst einmal in einer ausgeprägten Zwischenerholung. "Und die sollte den Dax bis Ende August in den Bereich zwischen 3 400 und 3 500 Punkten heben", so der technische Analyst. Als Stopp-Marke sieht Riesner den Aufwärtstrend, der in den kommenden Tagen mit der horizontalen Unterstützung bei 2 700 zusammenlaufe. "Bei einem Unterschreiten würde das Bild kippen", so Riesner.

Dass er ein Unterschreiten nicht erwartet, liegt unter anderem an der Stimmung. Die Put-Call-Ratios deuteten auf eine "bärische" Einstellung hin, und das sei ein Kontraindikator. Einige Anleger gingen den Markt schon wieder strategisch "short", setzten also auf längerfristig fallende Kurse, und das sei ein Indiz für weiter steigende Kurse. Die Indikatoren drehten nun auch auf Monatsbasis auf "long", also langfristig auf Kauf.

Deshalb sollte der Dax nun sogar mehrwöchige Konsolidierungen unbeschadet überstehen können. Hinzu komme die Relative Stärke des Dax, die überproportional hohen Verluste der Vergangenheit sollten nun in ebenfalls überdurchnittlich hohe Gewinne münden. Die Chance auf eine Sommer-Rally nach einer Konsolidierung im Mai sei gut, und besonders profitieren sollten davon Finanz- und Technologiewerte, so der technische Analyst der DZ Bank.

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