Die Entwicklung des Teams spricht für das Konzept des Trainers
Der Fürst beim Fußballzwerg

Hinter den Bergen, in Liechtenstein trainiert Martin Andermatt für die Weltmeisterschaft.

LIECHTENSTEIN. An jenem Nachmittag, nach dem großen Spiel, da habe er sich riesig gefreut. Für die Mannschaft, "die ständig auf die Sensation hingearbeitet" habe. Vor allem aber auch "innerlich, denn ich bin keiner der rumschreit", sagt Martin Andermatt. Den kennt man in Deutschland als früheren Trainer des SSV Ulm 1846, den er als Nachfolger von Ralf Rangnick in die Bundesliga führte und sofort wieder abstieg. Und man kennt ihn als Trainer von Eintracht Frankfurt, "diesem Haifischbecken" wie er heute sagt, wo er im Frühjahr 2002 entlassen wurde.

Jetzt ist Andermatt, 42, Trainer des FC Vaduz und der Nationalmannschaft von Liechtenstein. Der große Tag, das war der 9. Oktober 2004, an dem "endlich mal etwas Zählbares heraussprang". Liechtenstein rang Portugal, dem Vize-Europameister ein 2:2 ab. Vier Tage später besiegte man Luxemburg mit 4:0. Die Folge war weltweites Aufsehen. "Ein Freund von mir war zu der Zeit in Korea, der erzählte mir, dass die Zeitungen ganze Seiten über uns brachten", erzählt Andermatt. Erfolg von gestern, findet er, "und die Vergangenheit interessiert mich nicht". Immerhin gesteht er, dass so etwas "schon haften bleibt und dir ein gutes Gefühl gibt."

Wie kann ein Land, in dem lediglich 34 000 Menschen leben, das nur 2000 aktive Balltreter und nur sieben Fußballvereine hat, so etwas schaffen? Zumal man gegen Portugal 0:2 zurücklag, dann aber nicht glücklich, "sondern hochverdient", wie Andermatt bekräftigt, den Ausgleich erzielte. "Durch ständige Pflege des Details", sagt Andermatt. Er trainiert immer und immer wieder taktische Abläufe und Szenarien. Sein Lieblingswort ist "Kommunikation", die ist ihm am wichtigsten. Den Spielern zu sagen, was sie können und was nicht. Aufzuzeigen, was der Gegner spielt und wo er Schwächen hat. "Und zu zeigen, was man mit bescheidenen Mitteln erreichen kann, wenn man taktisch gut steht." Und: "Es ist wichtig, dass man den Spielern ein Konzept auf den Weg gibt, bei dem sie nach den ersten Aktionen sehen, dass es funktioniert."

Den liechtensteinischen Topklub FC Vaduz hätte er nicht übernommen, hätte man ihm nicht auch die Betreuung der Nationalmannschaft übertragen. Er will internationale Erfahrungen sammeln, sieht Liechtenstein als guten Ort zur Weiterbildung und auch als eine Art Arbeitsprobe für höhere Aufgaben. "Ich will zeigen, dass ich auch mit bescheidenen Mitteln etwas erreichen kann."

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