Die ersten Großemissionen nach einer langen Durststrecke lassen die Banken Hoffnung schöpfen
Analyse: Das Geschäft mit Börsengängen kommt wieder in Bewegung

Monatelang herrschte bei Börsengängen Lethargie, in den letzten Tagen wich sie schlagartig geradezu hektischer Betriebsamkeit. Gleich mehrere hochkarätige Unternehmen haben sich in Europa auf das Parkett gewagt. Die erfolgreichen Börsenpremieren lassen bei Banken und Investoren erste Hoffnungen aufkeimen, dass das Neuemissionsgeschäft im nächsten Jahr erfreulicher verlaufen könnte als 2001.

Den Damm brach der italienische Gasversorger Snam Rete Gas, dem Anfang des Monats der erste große Börsengang in Europa seit dem Sommer gelang. Vergangene Woche waren der schweizerische Rückversicherer Converium und die französische Großbank Crédit Agricole an der Reihe. Insgesamt brachte das Trio Aktien für über sieben Milliarden Euro unter das Volk, was angesichts der wackeligen Finanzmärkte ein achtbarer Erfolg ist. Zudem blamierte sich keiner der Debütanten mit Kurseinbrüchen. Dass allen drei Neulingen ein passabler Auftakt mit kleinen Anfangsgewinnen gelang, zeigt, dass die Finanzmärkte den Schock der Terroranschläge vom 11. September abgehakt haben.

Groß ist die Erleichterung naturgemäß bei den Banken, für die das Emissionsgeschäft eine wichtige Ertragsquelle ist. In diesem Jahr haben sie indes zumindest mit Börsengängen (Initial Public Offering, abgekürzt IPO) mangels Masse nicht viel verdient. Schon im ersten Halbjahr war das Geschäft mau. Nach der Sommerpause und unter dem Eindruck der Terroranschläge ging gar nichts mehr. Zu groß war die Angst der Anleger, sich bei Börsenneulingen die Finger zu verbrennen. Umgekehrt legten alle Firmen, die es sich leisten konnten, ihre Emissionspläne auf Eis, um ihre Aktien nicht zu Schleuderpreisen verramschen zu müssen.

Die Wende brachte die rasche Erholung der Aktienmärkte seit Ende September. Da sich gleichzeitig bei den Fonds Milliarden aufstauten, die angelegt werden mussten, tat sich überraschend doch noch die Möglichkeit auf, vor Jahresende an die Börse zu gehen. Dass gleich mehrere Firmen die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, ist verständlich: Denn wer es bis Weihnachten nicht an die Börse schafft, muss wegen der aufwendigen Vorarbeiten, die große Platzierungen nun einmal erfordern, in der Regel bis März warten.

In Deutschland wird vor allem Telekom-Chef Ron Sommer aufatmen. Er plant für nächstes Jahr das milliardenschwere Börsendebüt der Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile. Auch der Stromkonzern EnBW hegt Börsenpläne. Über die Erfolgschancen dieser und anderer Aspiranten sagen die Platzierungen von Crédit Agricole & Co. aber nicht allzu viel aus. Sie haben zwar das Eis gebrochen und gezeigt, dass große Börsengänge grundsätzlich wieder möglich sind - mehr aber auch nicht. Ob und wann T-Mobile sowie weitere Großemissionen platziert werden können, hängt vor allem von der allgemeinen Stimmung an den Finanzmärkten ab. Crédit Agricole & Co. nutzten beherzt die Gunst der Stunde und brachten ihre Aktien sofort auf den Markt, als die Börsen für ein paar Wochen anzogen. Aber in den letzten Tagen bröckelten die Kurse schon wieder ab - die Erholung steht noch auf tönernen Füßen. Für 2002 erwarten die Auguren dennoch freundlichere Börsen als 2001. Nur wenn sich diese durchaus berechtigte Hoffnung erfüllt, wird es auch wieder mehr Börsengänge geben.

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