Die ersten Rückschläge an der Börse ließen lange auf sich warten
Investoren fahren mit Gewinnmitnahmen gut

Gingen die Anleger wirklich von einem schnellen Sieg der Amerikaner im Irak aus? Die Kursgewinne seit Kriegsbeginn und die gestrigen Verluste nach ersten militärischen Rückschlägen der Alliierten deuten auf so viel Leichtgläubigkeit hin.

DÜSSELDORF. Doch man braucht kein militärisches Genie zu sein, um auch für die Börsen Rückschläge vorherzusagen - zumindest solange den Visionen auf eine bessere Zukunft keine Fakten folgen.

Über eine Woche dauerte es, bis die "Erleichterungsrally" - nach Monaten der Unsicherheit über einen möglichen Krieg - neuen Unsicherheiten gewichen ist: Wie lange dauert der Krieg? Was kostet er - und vor allem: Bringt er mehr Stabilität?

Wer im Vorfeld des Kriegs Aktien verkaufen wollte, hatte dies bis zum Zeitpunkt des Ausbruchs längst getan. Der Kriegsbeginn war deshalb für viele Investoren Anlass, sich mit Aktien einzudecken, die zuvor leer verkauft waren. Dabei verdienen Anleger an der Differenz zwischen dem Preis zum Zeitpunkt der Aktienleihe und dem des Rückkaufs. Vor allem Hedge-Funds profitieren davon. Sobald aber Investoren die geliehenen Aktien zurückkaufen, steigen die Börsen. Ein Großteil des 23-prozentigen Zuwachses im Deutschen Aktienindex ging auf das Konto solcher Eindeckungen.

"Echte" Käufe, das heißt strategische Investitionen von Kleinanlegern, Fonds, Versicherungen und Pensionsfonds, blieben dagegen in der "Erleichterungsrally" weitgehend aus. Darauf deuten Umsätze und Aussagen vieler Händler hin. Diese Zurückhaltung ist angesichts der unsicheren militärpolitischen, aber auch konjunkturellen Situation verständlich. Die bislang defensive Strategie vieler Investoren birgt Chancen und Risiken.

Variante eins: Setzt sich der Kursanstieg der vergangenen Tage fort, dürften Anschlusskäufe der längerfristig engagierten Anleger für eine nachhaltige Wende an den Börsen sorgen. Vor allem in den ersten Wochen sollten die Kurse weiter stark steigen. Denn Spekulanten, die bislang erfolgreich auf fallende Kurse gesetzt hatten, würden erkennen, dass sich diese Wette nicht mehr lohnt, und stattdessen auf den Börsenzug nach oben aufspringen.

Doch vieles spricht für Variante zwei: Die Anschlusskäufe bleiben aus, weil die militärische Lage unübersichtlich und die Weltkonjunktur schwach ist. Überproduktion der Firmen, Verschuldung der Unternehmen und Verbraucher bestehen auch nach einem Krieg fort. Ein rascher Frieden würde immerhin die Stimmung bessern, wodurch die "weichen" Konjunkturindikatoren, also das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen in die wirtschaftliche Zukunft, ansprängen.

Doch solch hoffnungsfrohe Signale haben Investoren bereits gierig aufgesogen und mit Kurssteigerungen belohnt, wie es sie in so kurzer Zeit noch nie gegeben hat. Solange den Visionen keine Fakten folgen, ist eine neue Hausse in weiter Ferne.

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