Die ersten Schätzungen waren zu niedrig
Rückversicherer erwarten nach Terrorattacke mehr Schäden

Die international tätigen Rückversicherer sind durch den verheerenden Terroranschlag auf das World Trade Center doch erheblich stärker getroffen als zunächst angenommen.

HB MÜNCHEN/ZÜRICH. Die Münchener Rück, der größte Rückversicherer der Welt, verdoppelte seine Schätzung für die Schadenbelastung auf rund 2,1 Mrd. Euro. Dies wäre der größte Schaden in der über 120-jährigen Geschichte der Münchener Rück. Auch die Swiss Re, Nummer Zwei der Branche, erwartet eine Belastung des Gewinns von etwa 2 Mrd. Franken. Die Allianz dagegen, die ebenfalls laufend die Schadenlage prüft, rechnet offenbar mit einem nicht so deutlichen Anstieg gegenüber den ersten Schätzungen von etwa 700 Mill. Euro.

Noch in der vergangenen Woche hatte die Münchener Rück mit einem Schaden von "nur" etwa einer Mrd. Euro gerechnet. Diese erste Schätzung sei sehr schnell und auf Grund erster Eindrücke gemacht worden, teilte die Rück dazu mit. Inzwischen habe sich aber gezeigt, dass viele an das World Trade Center angrenzende Häuser ebenfalls beschädigt und nicht zu nutzen sind. Damit steige der versicherte Gebäudeschaden wie auch die Schäden aus Betriebsunterbrechungen.

Die großen Belastungen dürften erhebliche Auswirkungen auf die Gewinne der Münchener Rück haben. Bereits in der vergangenen Woche wurde die Prognose für 2001 kassiert. In 2000 wurde ein Nach-Steuer-Gewinn von 1,75 Mrd. Euro erwirtschaftet. Ein Rück-Sprecher betonte gestern, es werde aber in keinem Fall mit einem Verlust für 2001 gerechnet. Zudem soll die Dividende konstant gehalten werden. "Unsere konservative Schätzung bezieht alle denkbaren Szenarien ein. Selbst vor dem Hintergrund der jetzt erkennbaren Gesamtsituation und der daraus resultierenden sehr erheblichen Ergebnisbelastung gehen wir davon aus, auch für das Geschäftsjahr 2001 den Betrag von 1,25 Euro je Aktie auszuschütten", teilte Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler mit. Die Münchener Rück erwartet zudem bei der traditionell im letzten Quartal des Jahres stattfindenden Erneuerung der Rückversicherungsverträge eine deutliche Besserung der Konditionen.

Die Swiss Re in Zürich teilte gestern mit, auch sie sei härter getroffen als zunächst erwartet. Es werde jetzt mit einer Belastung des Konzerngewinns um rund 2 Mrd. Franken gerechnet. Ob die Schwankungsrückstellungen zur Deckung herangezogen werde, sei noch offen. Die Komplexität der Umstände und die laufenden Gespräche zu den Haftungsfragen könnten die von der Branche zu erbringenden Leistungen beeinflussen, hieß es weiter. Durch die Sachdeckung des World Trade Centers rechnet die Swiss Re alleine mit Schäden von 750 Mill. Franken. Der weitaus kleinere Rückversicherer Hannover Rück betonte dagegen, man halte an der ersten Schätzung von 400 Mill. Euro fest.

Aktien stürzen ab

An den Finanzmärkten sorgten die Nachrichten für herbe Kursverluste. So brach die Münchener-Rück-Aktie, eines der Schwergewichte im Dax, um zeitweise über 5 % auf etwa 245 Euro ein. Nach dem ersten Schock nach dem Attentat hatte sich das Papier in der vergangenen Woche wieder erholt. Goldman Sachs revidierte gestern aber die Gewinnschätzung nach unten. Auch die Aktie der Hypo-Vereinsbank (HVB), der Allfinanz-Partner der Münchener Rück, rutschte gestern ab.

Auch die Swiss-Re-Aktie gab gestern deutlich nach. Die Schweizer arbeiten eng mit den Aufsichtsbehörden zusammen, um die auffälligen Leerverkäufe von Swiss-Re-Aktien vor und nach der Katastrophe zu überprüfen. Am Tag nach dem Anschlag, fiel der Swiss-Re-Kurs auf 114 Franken und markierte damit das Jahrestief. Danach setzte eine Erholung ein. Gestern verlor das Papier 5 % auf 136 Franken.

Bereits Mitte dieser Woche hatte sich abgezeichnet, dass die Versicherungsschäden in den USA deutlich höher sind als zunächst erwartet. So hält etwa Moody?s einen Gesamtschaden von 30 bis 35 Mrd. $ für nicht unrealistisch. Insbesondere kleinere Rückversicherer könnten jetzt in Probleme geraten. "Für die Marktführer bedeutet dies, dass auf Grund der vollkommen neuen Einschätzung der allgemeinen Risikosituation ihre Verhandlungsmacht in Zukunft weiter steigen wird und sie ihre Prämien noch weiter anheben können", schreiben die Analysten der West LB Panmure, die weiter Münchener Rück und Swiss Re empfehlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%