Die europäische Internetszene erlebt ihren ersten spektakulären Fehlschlag
Scheitern von Boo.com lässt E-Commerce-Firmen zittern

Der Zusammenbruch des Londoner Internet- Modehauses Boo.com hat gestern die Finanzierungsprobleme europäischer E-Commerce-Firmen verdeutlicht. Das Unternehmen mit rund 300 Beschäftigten erklärte seine Zahlungsunfähigkeit,

HANDELSBLATT, 19.5.2000 dih/som DÜSSELDORF. Der Zusammenbruch des Londoner Internet- Modehauses Boo.com hat gestern die Finanzierungsprobleme europäischer E-Commerce-Firmen verdeutlicht. Das Unternehmen mit rund 300 Beschäftigten erklärte seine Zahlungsunfähigkeit, nachdem eine verzweifelte Suche nach neuen Investoren gescheitert war. Es steht nun unter der Zwangsverwaltung der Unternehmensberatung KPMG. Boo.com war eines der ehrgeizigsten und am höchsten finanzierten europäischen E-Commerce-Projekte. Das von zwei jungen Schweden gegründete Unternehmen verkauft über das Internet sportliche Kleidung und Schuhe und hat rund 120 Mill. Euro Startkapital von Finanziers wie der Benetton-Gruppe und dem französischen Unternehmer Bernard Arnault verbraucht. Zu weiteren Kapitalspritzen waren die Geldgeber offenbar nicht mehr bereit. Auch der als Retter gehandelte Sportartikelkonzern Adidas-Salomon dementierte jedes Interesse am Kauf des Unternehmens. Analysten bewerteten den Kollaps von Boo.com als Signal dafür, dass sich nach der Gründerwelle im E-Commerce nun die Spreu vom Weizen trenne. Vor allem Unternehmen, die über das Internet Massenprodukte an Endverbraucher verkaufen, haben massive Probleme, noch frisches Kapital zu bekommen. Der private Kapitalmarkt vollzieht damit die Neubewertung nach, die an den Börsen bereits zu tiefen Kurseinbrüchen bei Internet- Einzelhändlern geführt hat. Experten deutscher Investmenthäuser sagten, einige E-Commerce- Unternehmen seien akut gefährdet. Ausschlaggebend seien dabei weniger die oft hohen Verluste der Firmen, sondern vielmehr die abnehmende Risikobereitschaft der Anleger. Internet-Einzelhändler wie die Bertelsmann-Tochter BOL haben in den vergangenen Wochen bereits ihre Börsengänge verschoben. Analysten rechnen damit, dass es viele von ihnen nicht mehr an die Börse schaffen werden. Als Ausweg aus der Krise erwarten sie eine Fusionswelle.

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