Die Europäische Union hat für Freitag einen Sondergipfel einberufen
Fahnder befürchten Attentate in der EU

Die Polizei in mehreren Ländern der Europäischen Union hat "diffuse Hinweise" darauf, dass moslemische Extremisten auch in Europa Anschläge planten. Dies bestätigte der Brüsseler Staatsanwalt Bernard Michel am Montag abend.

afp BRÜSSEL. Nach einem Arbeitstreffen mit Vertretern von Justiz und Polizei aus Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sagte Michel weiter, es sei "offenkundig", dass radikale Moslems in Europa ein organisiertes Netz gespannt hätten. Beweise für "direkte aktuelle Verbindungen" dieses Netzes zum Fundamenalistenführer Osama Bin Laden haben die Ermittler in Europa nach seinen Worten jedoch bislang nicht. Bin Laden steht nach Überzeugung der US-Regierung hinter den Terrorangriffen vom 11. September in New York und Washington.

Das Arbeitstreffen in Brüssel sollte eine Sitzung der EU-Innenminister vorbereiten, die für Donnerstag geplant ist. Nach Auskunft Michels nahm daran auch ein Vertreter von Europol teil. Seit den Anschlägen in den USA gibt es innerhalb der EU Überlegungen, die Kompetenzen der europäischen Polizei bei der Terrorismusfahndung zu verstärken. Bisher darf Europol nur Fahndungsdaten sammeln, hat aber keine exekutiven Befugnisse. Ziel des Arbeitstreffens war es, nach den Terroranschlägen in den USA die Erkenntnisse über militante Moslem-Organisationen in Europa auszutauschen.

Festnahmen in Brüssel und Rotterdam

Bei der Suche nach den Terroristen, die mit ihren Anschlägen den Tod von mehr als 5 000 Menschen verursacht haben, führt eine Spur auch nach Deutschland. Drei der Selbstmordattentäter lebten zeitweilig in Hamburg. In Brüssel wurden am Freitag zwei tunesische Mitglieder einer extremistischen Moslemorganisation unter Anklage gestellt, die den belgischen Ermittlern zufolge Anschläge auf US-Einrichtungen in Europa geplant haben sollen. Die belgische Justiz schließt eine Verbindung der beiden zu Bin Laden nicht aus.

Auch die Polizei in Rotterdam nahm vergangene Woche vier Verdächtige fest, die extremistischen Moslem-Gruppen angehören sollen. Der deutsche Generalbundesanwalt Kay Nehm bestätigte unterdessen die Existenz einer islamisch-fundamentalistischen Vereinigung in Deutschland nicht aus, der drei der Selbstmordattentäter aus den USA angehörten. Nach seinen Angaben handelt es sich um ehemalige Studenten der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Die Europäische Union hat für Freitag einen Sondergipfel einberufen. Die Staats- und Regierungschefs der EU sollen dabei in Brüssel über die internationale politische Lage nach den bisher schwersten Terrorangriffen der Geschichte beraten.

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