Die europäische Wärung ist nach Zwischenhoch gefallen.
Euro-Wert auf neuem Tiefststand

Nachlassende Spekulationen über mögliche Stützungskäufe durch die Notenbanken haben den Euro am Dienstag nach Händlerangaben zeitweise auf den tiefsten Stand des Jahres sinken lassen. Mit Werten um 0,8420 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung nur noch knapp zwei Cents über ihrem Rekordtief vom Oktober 2000.

Reuters FRANKFURT. Aktueller Auslöser für die erneuten Kursrückgänge war nach Aussagen von Analysten die mangelnde verbale Unterstützung der Finanzminister der Eurogruppe, die sich bei ihrem Treffen in Luxemburg nicht für eine Intervention zugunsten der Gemeinschaftswährung ausgesprochen hätten. Generell leide der Euro jedoch eher unter einer Mischung aus gedämpften Wachstumsaussichten für die Euro-Zone, relativ hoher Inflation und mangelndem Vertrauen in die Geldpolitik der Europäische Zentralbank (EZB), hieß es.

Bei ihrem Treffen hatten sich die Minister nicht für Interventionen zu Gunsten der Gemeinschaftswährung ausgesprochen. Einige Analysten hatten erwartet, dass die Minister den Euro mit einer deutlichen Stellungnahme stützen würden. Zur Notwendigkeit eines solchen Statements angesichts der derzeitigen Euro-Schwäche hatte der belgische Finanzminister Didier Reynders jedoch gesagt: "Nein, das ist im Augenblick kein Problem. Wir sind im Augenblick mehr über das Wachstumspotenzial besorgt, alles übrige ist das Problem der EZB." Interventionen würden von den Ministern als existierendes Instrument angesehen, aber weiter gehe man im Augenblick nicht sagte Reynders weiter. Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte bereits am Montag gesagt, er sehe keinen aktuellen Anlass für eine Intervention."Die europäischen Finanzminister haben gezeigt, dass der Euro ihnen keine Sorgen bereitet", sagte Ken Landon, Währungsanalyst von der Deutschen Bank zu den Aussagen der Minister.

Das Finanzministertreffen sei jedoch nur der Auslöser und nicht der eigentliche Grund für die anhaltende Euro-Schwäche, hieß es von Analysten weiter. Vielmehr werde der Euro von der Erwartung eines sich deutlich abschwächenden Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone unter Druck gehalten. Gleichzeitig werde die Inflationsgefahr in der Euro-Zone höher eingeschätzt als in den USA. Auf dieser Basis gebe es nach wie vor keine Notwendigkeit für Investments in die Gemeinschaftswährung, sagten Analysten. Allerdings sagte der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch Weser am Dienstag, es gebe gute Gründe, für Deutschland an der Wachstumsprojektion von zwei Prozent für 2001 festzuhalten. Die Inflationsbeschleunigung in der Euro-Zone nannte der Staatssekretär nur vorübergehend.

Warten auf ein Ende der Talfahrt

Erschwerend komme für den Euro hinzu, dass auch die EZB offenbar nicht gewillt sei, zugunsten des Euro am Markt zu intervenieren, sagten Analysten weiter. "Man muss das was sie (die EZB-Vertreter) sagen, wörtlich nehmen und keinen versteckten Sinn dahinter suchen", sagte ein Devisenhändler einer US-Bank. "Wenn sie sagen, sie sind nicht besorgt (über den Euro-Kurs) dann heißt das, dass sie nicht intervenieren wollen." Am Markt werde weiter davon ausgegangen, dass die Zentralbank nicht in einen fallenden Markt hinein intervenieren, sondern gegebenenfalls abwarten werde, bis sich der negative Trend zu drehen beginne um den Erfolg eines Eigreifens nicht verpuffen zu lassen. Im vergangenen Herbst hatten die Notenbanken an den Devisenmärkten mehrfach zu Gunsten des Euro interveniert.

Viele Analysten äußerten sich angesichts des gegenwärtigen Szenarios am Dienstag skeptisch zu den Aussichten für den Euro. "Es könnte leicht passieren, dass der Euro im Sommer seine Rekordtiefs testet", sagte Landon. Technische Analysten sagten, falls der Euro unter seinen November-Tiefstand von 0,8370 Dollar falle, gebe es keine bedeutenden Unterstützungen bis zum Allzeit-Tiefstand von 0,8225 Dollar mehr. "Jetzt wird der Markt nicht zufrieden sein, bis er das Allzeittief antestet", hatte ein japanischer Händler am Morgen gesagt.

Sein neues Sechs-Monats-Tief von 0,8420 Dollar hatte der Euro im Handel in Tokio verzeichnet. Bis zum frühen Nachmittag erholte sich die Gemeinschaftswährung im europäischen Geschäft wieder auf Kurse um 0,8470 Dollar, ohne dass Händler daraus eine Trend ableiten wollten. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde Euro mit 0,8444 Dollar festgestellt, nach 0,8533 Dollar. Die US-Währung kostete damit 2,3162 (2,2921) DM.

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